«Zum 40. Geburtstag auf einen Viertausender, ich hätte mir nichts Besseres vorstellen können», sagt Angela Schaad und erzählt, wie es war, zusammen mit ihrem Vater das Allalinhorn zu besteigen.
Dass sie es schaffen würde, war ihrem Umfeld klar. Schon oft hatte sie bewiesen, dass sie keinen Aufwand, keine Strapazen und keine Anstrengung scheut, um etwas zu erreichen, das ihr wichtig ist. «Es ging gut», sagt sie bescheiden und strahlt.
Diese Hingabe zeichnet Angela Schaad aus. Wenn sie über ihr Leben in den vergangenen zwei Jahrzehnten redet, merkt das Gegenüber rasch, hier spricht eine Macherin. Als junge Frau hatte sie keine grossen Pläne. Die Arbeit als Detailhandelangestellte in einem Sportgeschäft gefiel ihr und bot ihr die Möglichkeit, in den Bergen zu arbeiten. Arosa sei ihr ans Herz gewachsen, hier habe sie ihren späteren Mann kennengelernt und hier habe sie gemerkt, dass sie grösseren Verantwortungen gewachsen sei.
Familiäre Krise
Der Wechsel in den Innendienst, die Zweitausbildung zur kaufmännischen Angestellten und später in die Uhrenbranche meisterte sie problemlos. Sie war für den Einkauf verantwortlich und reiste als Kadermitarbeiterin oft im Ausland. Zusammen mit ihrem Mann Tom baute sie angrenzend zum Hof seiner Eltern mit viel Eigenleistung ein Haus.
Zusätzlich absolvierte Angela Schaad Ausbildungen im Fitnessbereich. Sie fing an mit Aerobic, wechselte dann zu anderen Disziplinen und bildete sich zuletzt zur Pilates-Trainerin aus. Sie unterrichtete in Studios und betrieb auch eine Zeit lang ihr eigenes Tanz- und Fitness-Studio. Vor elf Jahren kam Tochter Enja zur Welt, drei Jahre später ihre Schwester Aira.
Anders als gedacht
Als Angela Schaad beruflich wieder einsteigen wollte, harzte es. Gleichzeitig gab es in der Familie ihres Mannes schwerwiegende Probleme. Toms lediger Bruder führte zu der Zeit den Hof des Vaters. Angela Schaad und ihr Mann verstanden sich gut mit ihm und gingen ihm oft zur Hand. Doch innerhalb von wenigen Wochen spitzte sich die familiäre Krise zu, der Bruder verliess Knall auf Fall den Hof, seine Tiere und die Familie.
Tom Schaad ist gelernter Zimmermann und hatte früher keine Ambitionen in der Landwirtschaft. Er half dem Vater und später dem Bruder, wenn es nötig war. Doch den Betrieb zu führen, davon war nie die Rede, erzählt seine Frau. «Ich weiss auch nicht, ob ich ihn geheiratet hätte, wenn er Landwirt gewesen wäre», sagt sie und lächelt.
Aufgeben war keine Option
Aber in dieser Krise war für uns beide plötzlich sonnenklar: «Wir übernehmen und machen weiter.» Sie entschieden gemeinsam, das Lebenswerk von Toms Vorfahren weiterzuführen. Für Angela war es ihre verinnerlichte Haltung: «Man hört doch nicht einfach auf, wenn es schwierig ist.» Daher half sie mit, die verzwickten Probleme auf verschiedenen Ebenen zu regeln. Ihr Mann entschied sich für den Nebenerwerbskurs und sie sich für die Bäuerinnenschule.
In der Praxis lernen
Tom Schaad arbeitete weiter in einem 80-Prozent-Pensum als Zimmermann und sie entschied sich, den Stall und die Aufgaben auf dem Betrieb zu übernehmen. Schon ein paar wenige Tage nach dem Entscheid stieg sie früh morgens in die Stallstiefel und besorgte die knapp 20 Milchkühe, die Aufzuchtsrinder, die Kälblein und alle anderen Tiere.
Natürlich sei es nicht einfach gewesen, schildert Angela Schaad ihre Anfänge – vor allem da sie in keinem bäuerlichen Umfeld aufgewachsen war. «Ich habe gelernt, mich durchzubeissen.»
Oft mochte sie nicht warten, bis Tom am Abend heimkam, deshalb habe sie die Arbeiten selber gemacht. Unabhängigkeit war ihr wichtig. Von den grossen Maschinen habe sie sich anfangs geängstigt, doch mit der Zeit sei es besser gegangen. Jeden Tag habe sie etwas dazugelernt. «Heute fahre ich sogar mit den Tieren ins Schlachthaus.»
6000 Erdbeersetzlinge
Die ersten Jahre seien ihre Eltern zum Kinderhüten gekommen, wenn sie die Bäuerinnenschule besuchte. Über diese regelmässige Unterstützung ist sie auch heute noch froh. Denn zu tun, gebe es auf dem Schlundhof nach wie vor viel, auch wenn sie nun den eidgenössischen Fachausweis im Sack habe und die Ausbildung abgeschlossen sei.
Zu Milchwirtschaft und Ackerbau seien vor ein paar Jahren noch die Erdbeeren gekommen. Im September habe sie wiederum 6000 Setzlinge ausgepflanzt. Und eben erst sei der Verkauf der über 40 Sorten Kürbisse zu Ende gegangen.
Gute Lage für Direktvermarktung
Da ihr Hof an der Hauptstrasse liegt und einen grossen Hausplatz habe, sei es naheliegend, das Verkaufs-Chalet weiter auszubauen. Sie befinden sich in der Umstellung auf Bio und deshalb möchten sie ihre Produkte gerne direkt an die Konsumenten verkaufen. Leider gebe es immer wieder Laufkunden, die es nicht für nötig halten, die Waren korrekt zu bezahlen – was die Motivation nicht eben fördere. Deshalb bewache der Schwiegervater, der nun wieder auf dem Hof wohnt, den Ladenbetrieb.
Seit einem knappen Jahr arbeitet Tom Schaad nun voll auf dem Betrieb, für seine Frau eine grosse Entlastung. Die Pläne gehen den beiden aber nicht aus. Er träumt von Spargeln und sie sagt mit einem Schmunzeln: «Am liebsten hätte ich eine eigene Käserei direkt auf dem Hof und ein Tanzstudio noch dazu.»

