Cornelia Berger freut sich: Endlich ist die Zwangspause vorüber, endlich treffen wieder Buchungen ein. Die Bäuerin lebt mit ihrem Mann und den beiden kleinen Kindern dort, wo andere Ferien machen: direkt am See im thurgauischen Altnau.
Der Hof «Seealp» hat ein agrotouristisches Angebot. Dazu gehören Gästezimmer auf dem Hof und ein Massenlager für bis zu 39 Personen, das oft von Gruppen oder Schulen genutzt wird. Da der Betrieb Seeanstoss hat, wird er zudem gerne von Hochzeitsgesellschaften gebucht.
Agrotourismus kommt an
Den Grundstein für den Betriebszweig Agrotourismus legten die Schwiegereltern bereits in den 1990er-Jahren, als sie die dafür nötigen Infrastrukturen errichteten. Nun wohnen sie im «Stöckli» nebenan und helfen noch immer bei der Endreinigung der Zimmer mit.
Cornelia Berger ist verantwortlich für die Vermietung der Gästezimmer auf dem Hof. Manchmal kommen zudem ganz kurzfristige Anfragen vom benachbarten Campingplatz für Übernachtungsmöglichkeiten. Dann schaut die Bäuerin, ob sie Zimmer oder auch Betten im Massenlager anbieten kann. Für die Durchführung von Events und die Gästebewirtung von grossen Gruppen kann sie zudem auf die Mithilfe ihres Mannes zählen sowie auf Aushilfen aus der Region.
Ideale Arbeitsteilung
Cornelia Berger und ihr Mann haben die für sie ideale Arbeitsteilung gefunden auf dem Betrieb mit Ackerbau, Kunstwiesen, Mais, Weizen, Hochstammbäumen und Mutterkuhhaltung mit Herefordkühen. Sie vermarkten deren Fleisch direkt ab Hof. Die Familie hat auch Hochstammbäume für den Most zur Eigenversorgung. Ihr Mann übernimmt, unterstützt von seinem Vater, alle Arbeiten im Ackerbau.
Cornelia Berger ist Quereinsteigerin in der Landwirtschaft. Bäuerin zu werden, geschweige einen Landwirt zu heiraten, hätte sie sich in ihrer Jugendzeit nicht vorstellen können. Sie wuchs in Ettenhausen TG mit zwei Schwestern in einem nicht-bäuerlichen Umfeld auf und erlernte den Beruf der medizinischen Praxisassistentin (MPA). Sie arbeitete auch eine Zeit lang als Geschäftsführerin eines Fitnessinstituts.

Ein Job, der stimmt
Als sie vor neun Jahren ihren Mann Roland kennenlernte und das Paar 2014 heiratete, merkte sie bald, dass der Beruf Bäuerin ihr vollends entspricht. Sie schätze es, viel in Bewegung zu sein und sich die Arbeitszeit selbst einzuteilen. «Es ist ein Privileg, dass die Kinder in einem Umfeld mit Natur und vielen Freiräumen aufwachsen dürfen.» Die Arbeitstage von Cornelia Berger sind vollends ausgefüllt mit Anfragen, Buchungen, Rückfragen und dem bäuerlichen Haushalt. Und natürlich von ihren Kindern, für die sie möglichst immer erreichbar sein möchte.
Prioritäten setzen
«Allem gerecht zu werden ist oft ein Spagat», sagt sie. Dann sei es eben wichtig, Prioritäten neu und anders zu setzen, wie etwa die Gartenflächen zu reduzieren. Den Besuch der Bäuerinnenschule am Arenenberg, die sie mit dem Fachausweis als Bäuerin abschloss, bezeichnet sie als wichtigen Schritt, der ihr im Alltag die nötige Sicherheit in vielen Bereichen gebe. «So konnte ich mich zum Beispiel eingehend über die Vorsorgethematik und die soziale Absicherung der Bäuerin informieren.»
Auch ihr Mann investierte in die Weiterbildung, besuchte kürzlich die Betriebsleiterschule am Arenenberg. Davon hätten sie beide profitiert und wertvolle Impulse für die Zukunft ihres Hofes gefunden, meint Cornelia Berger. Den Hof auf Bio umzustellen, war ein gemeinsamer Entscheidungsprozess.
Zwischendurch etwas Abstand
Trotz aller Verpflichtungen ist es Cornelia Berger ein Anliegen, sich immer wieder Stunden abseits des Hofes zu gönnen. Daher ist sie seit diesem Frühjahr Vorstandsmitglied beim Thurgauer Landfrauenverband, leitet weiterhin das Eltern-Kind-Turnen und ist im örtlichen Landfrauenverein. Auch Fitness und das damit verbundene Wohlbefinden sind ihr wichtig. «Beim Spazieren mit Hofhund Rocky tanke ich auf und lade meine Batterien».

