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Priska Wismer-Felder und Christine Badertscher: Der erste Tag im Nationalrat

Die neuen Nationalrätinnen Priska Wismer-Felder (CVP/LU) und Christine Badertscher (Grüne/BE) über ihren Einstieg ins hohe Amt.

Diesen Montag galt es ernst: Die neu gewählten Parlamentarierinnen und Parlamentarier haben mit der Wintersession im Bundeshaus ihre Arbeit aufgenommen. Zum ersten Mal dabei sind auch die Luzerner CVP-Vertreterin und Bäuerin Priska Wismer-Felder sowie die bernische Grüne Christine Badertscher. Sie sind Teil der bäuerlichen Delegation, die im neuen Parlament nicht weniger als 32 Personen umfasst. Wir haben den beiden am zweiten Sessionstag einige Fragen gestellt.

Der erste Tag: Viel Papier

Beide zeigten sich beeindruckt von der Grösse und von der Intensität des Ratsbetriebs. Sie hatten Medienauftritte zu absolvieren und versuchten sich einen Überblick zu verschaffen.

Das ist gar nicht so einfach. Priska Wismer-Felder hat zunächst vor allem der Umfang der zu bewältigenden Unterlagen beeindruckt. «Wohin mit all dem Papier», war eine der ersten Fragen, die auftauchten. Im Luzerner Parlament, wo sie bis anhin tätig war, läuft alles papierlos. In Bundesbern ist dies anders. «Das wird alles beigenweise aufs Pültli gelegt und darauf hat es nicht viel Platz», sagt Christine Badertscher und lacht.

Einiges müssen sie aufgeben

Für beide Neo-Nationalrätinnnen hat das neue Amt auch einige Konsequenzen für die bisherige Tätigkeit. Beide sind sich einig, dass sie einiges aufgeben müssen, um die nötige Zeit freizuschaufeln. Priska Wismer-Felder trennt sich nach 18 Jahren nicht ganz leichten Herzens von ihrem Kinderchörli.

Ihrer zunehmenden Abwesenheit von zuhause sieht sie dagegen gelassen entgegen. Die fünf Töchter sind erwachsen und seit 30 Jahren kocht sie bereits abwechslungsweise mit ihrer Schwiegermutter. Ihr Mann versichere ihr zudem immer wieder, dass sie sich um ihn keine Sorgen machen müsse, er habe schliesslich eine 6 gehabt im Kochunterricht.

Luzerner Bäuerin

Priska Wismer-Felder, CVP, ist 49 Jahre alt. Sie wohnt auf dem Stierenberg in Rickenbach Luzern, wo sie gemeinsam mit ihrem Mann einen Betrieb bewirtschaftet. Das Ehepaar hat fünf erwachsene Töchter. Wismer war seit 2011 Luzerner Kantonsrätin. Als ausgebildete Lehrerin hat sie unter anderen diverse Ämter im Bildungsbereich. Zu ihren Hobbies zählt sie singen, jassen und lesen.
Website Priska Wismer-Felder

Christine Badertscher wiederum wird ihre Tätigkeit bei Swissaid mittel- bis längerfristig aufgeben, wie sie sagt. Unlängst hat sie bereits auf 40 Prozent reduziert. Sogar dieses verkleinerte Pensum sei aber schwierig wahrzunehmen. «Seit dem Wahlsonntag war ich kaum mehr im Büro», so Badertscher.

Grüne Bauerstochter

Christine Badertscher, Grüne Partei, ist 37 Jahre alt. Sie wohnt in Madiswil bei Bern, wo sie ab und zu auch auf dem elterlichen Biobetrieb mitarbeitet und bis 2018 acht Jahre lang im Gemeinderat gesessen ist. Die Umwelt- und Agraringenieurin arbeitet beim Hilfswerk Swissaid und war zuvor als Politik- und Handelsspezialistin beim Schweizer Bauernverband tätig.
Website Christine Badertscher

Man kann davon leben

Die bisherigen Verpflichtungen als Präsidentin des Oberaargauischen Bauernvereins, Vorstandsmitglied beim Berner Bauernverband oder Stiftungsrätin bei einer Behinderteninstitution in Madiswil Bern nehmen sie gemeinsam mit dem neuen Amt stark in Anspruch. Und diese Belastung wird noch zunehmen: Beide haben schon diverse Anfragen für neue Ämter.

Existenzielle Sorgen macht sich Christine Badertscher nicht: «Man kann gut davon leben», sagt sie mit Blick auf die Entschädigung im Nationalrat. Das Jahreseinkommen beträgt laut Gesetz 26'000 Fr., dazu kommen eine «Jahresentschädigung für Personal- und Sachausgaben» von 33'000 Fr. sowie die Taggelder für Sitzungen (440 Fr. pro Tag).

Klare Wünsche für die Kommissionen

In welcher Kommission die frisch Gewählten Einsitz nehmen werden, ist noch offen. Beide haben aber klare Wünsche. Badertscher sässe gerne in der Aussenpolitischen Kommission (AKP) oder in der Wirtschaftskommission (WAK), Wismer-Felder am ehesten in der Urek, die sich mit Umwelt und Raumplanung befasst. Ob ihre Wünsche erfüllt werden, wird sich nächste Woche zeigen.

Agrarpolitisch ähnlich

Agrarpolitisch sind sich die beiden trotz unterschiedlicher Parteizugehörigkeit ähnlich, wie sie beim gemeinsamen Gespräch feststellen. «Ich habe bei meiner Tätigkeit im Bauernverband festgestellt, dass sich mit der CVP immer gute Lösungen finden lassen», sagt Badertscher. Nuancen gibt es aber durchaus. So ist Priska Wismer-Felder eher skeptisch, was die Anbindung der sozialen Absicherung von Ehegatten an die Direktzahlungen angeht. Christine Badertscher will hier hingegen schnell Nägel mit Köpfen sehen.

Erster Loyalitätskonflikt

Der erste agrarpolitische Loyalitätstest liess für Christine Badertscher nicht lange auf sich warten. Schon am zweiten Sessionstag stand die Eintretensfrage beim Raumplanungsgesetz II auf dem Programm. Ihr ehemaliger Arbeitgeber, der Schweizer Bauernverband war vehement dagegen, Badertscher stimmte mit ihrer grünen Fraktion dafür. Die Opposition zu den eigenen Farben will sie sich für die entscheidenden Detailfragen aufsparen. Die Regeln kennt sie bereits: «Anders zu stimmen als die Fraktion ist kein Problem, man muss es einfach anmelden.

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