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Peter Bruhin hat die Bodenhaftung nicht verloren

Der ehemalige CEO der Laveba-Genossenschaft ist neuer Gemeindepräsident der St. Galler Gemeinde Wittenbach. Die BauernZeitung hat mit ihm über den Wechsel vom Unternehmertum in die Politik und über seine Ziele gesprochen.

Im Schatten der eidgenössischen Wahlen fanden letzten Sonntag auch kommunale Wahlen statt. In Wittenbach schaffte der ehemalige Laveba-Geschäftsführer Peter Bruhin den Sprung ins Gemeindepräsidium von Wittenbach.

Herr Bruhin, herzlichen Glückwunsch zur Wahl. Wann ist Amtsantritt?

Peter Bruhin: Vielen Dank. Ich freue mich, dass es im ersten Wahlgang ein deutliches Resultat gab. Meine Anstellung bei der Laveba dauert bis Ende Februar 2024. Ich bin aber mit meinem Arbeitgeber über eine frühere Auflösung im Gespräch.

Wie haben Sie den Wahlkampf erlebt?

Die Zeit zwischen der Einreichung der Wahlvorschläge und der Wahl war kurz. Dementsprechend intensiv war auch der Wahlkampf. Das Interesse an der Wahl des neuen Gemeindepräsidenten in Wittenbach war sehr gross. Ich glaube nicht, dass die kommunale Wahl durch die eidgenössischen Wahlen beeinflusst wurde.

Im Mai teilte die Laveba mit, Sie würden sich selbstständig machen. Darf man fragen, was Sie nebst dem künftigen Gemeindepräsidium beruflich machen?

Ich wollte mich nach 22 Jahren erfolgreicher Geschäftsführung neu orientieren. Zu diesem Zeitpunkt kam die Herausforderung in Wittenbach genau richtig, weil sowohl politische als auch unternehmerische Erfahrung gesucht wurde.

«Das Amt des Gemeindepräsidenten in Wittenbach ist eine 100 Prozent Anstellung. Da werde ich keine selbständige Tätigkeit mehr ausführen können.»

Peter Bruhin will sich beruflich auf sein Gemeindepräsidium fokussieren

Welches sind Ihre mittel- und langfristigen Ziele als Gemeindepräsident?

Aktuell beschäftigt in der Gemeinde die Raumplanung mit Gemeindeentwicklungskonzept, Richtplan, Zonenplan und Baureglement. Dies zu einem Ende zu führen, wird eine wichtige Aufgabe sein.

Langfristig will ich die Standortattraktivität von Wittenbach erhöhen und dafür besorgt sein, dass Wittenbach ein lebenswertes Dorf bleibt, in dem man das Miteinander fördert.

Wittenbach ist eine St. Galler Agglomerationsgemeinde. Wie und wo können Sie als Gemeindepräsident und ehemaliger Laveba-Geschäftsführer den Stadt-Land-Graben kitten und das Image der Landwirtschaft aufpolieren?

Dank meinem landwirtschaftlichen Hintergrund habe ich die Bodenhaftung nie verloren. Bodenhaftung im Sinne von aufrichtig, bescheiden und realitätsnah. Ich nehme ein zunehmend starkes Interesse der städtischen Bevölkerung an der Landwirtschaft wahr.

«Das Regionale und Authentische mit den Produkten und der Kultur wird wieder vermehrt gesucht.»

Peter Bruhin zur Beziehung zwischen Stadt und Land

Dies ist für die Landwirtschaft gerade in dicht besiedelten Gebieten eine grosse Chance. Zum Beispiel ist der Bauernmarkt in Wittenbach zu einem wichtigen Treffpunkt geworden.

Sie standen 22 Jahre an der Spitze der Laveba. Können Sie mit dem Wechsel vom Handel in die Politik Seiten ausleben, die als CEO zu kurz kamen?

Die Grundwerte einer Genossenschaft und der Demokratie sind dieselben. Die Werte sind geprägt von Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und Nachhaltigkeit. Das Merkmal einer Genossenschaft ist, dass sie zwei Ziele gleichzeitig erfüllen muss. Sie muss rentabel sein und Mitgliedernutzen stiften. So ist es auch in einer Gemeinde. Die Finanzen müssen stimmen und die Einwohnerinnen und Einwohner müssen zufrieden sein.

Sie sind unter anderem noch Vizepräsident des Olma Verwaltungsrats. Was wird Ihnen von der diesjährigen Olma in Erinnerung bleiben?

Die diesjährige Olma war ein super Ereignis. Es hatte sehr viele begeisterte Besucher und Aussteller. In bester Erinnerung werden mir die vielen fröhlichen Gesichter und die tollen Begegnungen bleiben. Ein Höhepunkt war sicher die neue St. Galler Kantonalbank Halle. Und der Kanton Zürich präsentierte sich hervorragend mit dem Olma-Umzug und der Sonderschau «Familie Zürchers Garten».

Als Vizepräsident gibt es einige offizielle Anlässe. Ich habe aber auch am Olma-Stand Aktien verkauft und war natürlich privat noch einige Male an der Messe.

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