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Massentierhaltungs-Initiative: Die politische Diskussion nutzen

Die Gefahr von Massentierhaltungen sei gross, schreibt unser Gastautor, trotz Höchsttierbestandesvorschriften. Er sucht nun namens des Tierschutzes Kompromisse in verschiedenen Bereichen.

Der Bundesrat hat mit der von ihm präsentierten Diskussionsgrundlage der langjährigen Kritik des Schweizer Tierschutzes (STS) recht gegeben: Verfassung, Tierschutz- und Landwirtschaftsgesetzgebung schützen Nutztiere bis heute ungenügend. Diverse tierschutzwidrige Aufstallungssysteme sind noch immer legal.

Alle würden profitieren

Die Gefahr von Massentierhaltungen ist gross – trotz Höchstbestandesvorschriften. Tierschutzwidrige Importe dürfen ahnungslosen Konsumenten ohne entsprechende Deklaration verkauft werden. Der jetzt angelaufene parlamentarische Prozess (am 6. September werden u. a. der Schweizer Bauernverband und der STS zum Hearing der nationalrätlichen Wirtschaftskommission eingeladen) bietet Chancen, diese Versäumnisse zu korrigieren. Profitieren würden Tiere, Bauern und Konsumenten gleichermassen.

Das für Steuerzahlende wichtigste Anliegen an die Landwirtschaft, das Tierwohl, hinkt seit Längerem der übrigen Nachhaltigkeitsentwicklung hinterher. Zum einen sind im Vergleich zu den Umweltzielen nirgendwo explizite Tierwohlziele festgelegt, zum andern machen die Ausgaben für die Tierwohlprogramme nur gerade 9 % der Direktzahlungen aus. Die BTS/RAUS-Beiträge sind bei verschiedenen Tierkategorien viel zu tief angesetzt, um die gesetzlich geforderte Förderwirkung zu erzielen.

Weide für Raufutter-Verzehrer und Hühner zentral

Seinem Vorgehen legt der STS das Ziel einer rentablen, bäuerlichen, besonders tierfreundlichen Schweizer Landwirtschaft zugrunde, deren Produkte von informierten Konsumenten nachgefragt werden: Nachhaltige Erzeugung, nachhaltige Nachfrage.

Der STS setzt sich bei den parlamentarischen Beratungen dafür ein, dass Nutztiere frei in eingestreuten Ställen und mit regelmässigem Auslauf oder Weidegang gehalten werden. Weide ist für alle Raufutter verzehrenden Tierarten plus Geflügel absolut zentral. Das schliesst die Anbindehaltung von Kühen nicht aus, sofern die Kühe in der Vegetationsperiode häufig geweidet und im Winter mehrmals die Woche Auslauf haben.

Diese Forderungen werden von Agroscope bestätigt, indem Tiere aus Tierwohlprogrammen im Vergleich zur konventionellen Haltung gesünder sind. Auch haben die Fütterung von Gras anstelle von Kraftfutter und eine extensive Milcherzeugung einen positiven Effekt auf die Tiergesundheit. Im Weiteren verlangt der STS Korrekturen bei Hochleistungssystemen, die infolge Überzüchtung das Wohl der Tiere und ihre Gesundheit beeinträchtigen.

Bei den Höchstbeständen ist der STS zu Kompromissen bereit. Für ihn steht nicht die Betriebs- sondern die Herdengrösse im Vordergrund. Bei Hühnern sieht er beispielsweise die maximale Stallgrösse bei 6000, in der Kälbermast bei 20 Tieren.

Gespräche mit dem SBV

Der STS führt derzeit Gespräche mit dem Bauernverband und grösseren Labelorganisationen. Er zielt darauf ab, jetzt gemeinsam Verbesserungen zugunsten der Tiere zu realisieren, von denen Bauern und Konsumenten ebenfalls profitieren würden. Wenn alle guten Willens hinsichtlich der Weiterentwicklung des Tierwohls sind, könnte zusammen ein konkreter «Aufbaupfad Tierwohl» definiert werden, der statt gesellschaftliche Gräben aufzureissen, Synergien zum Wohle der Tiere brächte.

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