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Gestalten mit Kaninchenfellen braucht viel Fingerspitzengefühl

Das Nähen und Gestalten von Kaninchenfellen ist die Leidenschaft von Benny Dalpiaz. «Wer Kaninchen hält und diese auch für die Fleischnutzung schlachtet, soll auch das Winterfell nutzen», findet die Schaffhauserin.

Im schaffhausischen Herblingen pflegt Benny Dalpiaz ein spezielles Hobby. Sie fertigt aus Kaninchenfellen die schönsten Kunstwerke an: Spieltiere, Accessoires und Kleidungsstücke. Für ihr Hobby der besonderen Art hat Dalpiaz in einem Zimmer in ihrer Wohnung ein einfaches Nähatelier eingerichtet. Auf den Gestellen lagern in grossen Bananenkisten die verschiedensten Kaninchenfelle und unzählige bereits angefertigte kleine Felltiere und Accessoires. Auf dem Arbeitstisch warten zudem noch rund zwei Dutzend aus Fellen genähte Spieltiere. Diese müssen zum Abschluss noch gestopft werden. Keines der Tiere gleicht dem anderen. Jedes ist ein Unikat.

Viel Handarbeit

Wer bei Benny Dalpiaz moderne Näh- oder gar Schneidertechnik sucht, wird nicht fündig. «Das Nähen von Pelzen besteht aus viel Handarbeit und erfolgt mit einfachen Hilfsmitteln», erklärt sie. Eine einzige kleine blaue und bereits 70-jährige Maschine steht auf einem kleinen Tisch. Unter dieser sind zwei Pedale angebracht, mit welchen ein Motor gesteuert wird. Dieser treibt mit einem Riemen die Maschine mit der speziellen Nähnadel an.

Die grosse Kunst dieses Handwerks besteht darin, dass man nach dem Nähen keine Nähte sieht. Doch zuerst müssen aus den einzelnen Fellen jene mit der gewünschten Zeichnung ausgewählt werden. Während diese Wahl für das Anfertigen von Felltieren weniger eine Rolle spielt, ist sie für die Herstellung von Kleidungsstücken, Sitzkissen oder Accessoires von zentraler Bedeutung.

Nur Winterfelle eignen sich

«Zum Pelznähen eignen sich nur Winterfelle von Kaninchen, welche zwischen Dezember und Februar geschlachtet worden sind», erklärt Benny Dalpiaz. Bereits beim Abzug des Pelzes ist höchste Vorsicht und eine grosse Exaktheit gefordert, damit das Fell und die Haut nicht beschädigt oder gar zerschnitten werden.
Danach muss das Fell zum Trocknen aufgespannt werden. Unzählige Kaninchenzüchter vertrauen Dalpiaz die Felle ihrer Kaninchen an. In der Regel im Frühling werden die inzwischen getrockneten Kaninchenpelze geledert und für die spätere Verwendung bearbeitbar gemacht. Diese Verarbeitung überlässt Dalpiaz der Gerberei Bachmann in Lotzwil im Emmental.
Die behandelten Felle lassen sich danach auch färben. Dafür eignen sich allerdings nur weisse oder eher helle Felle. Gegerbte Felle lassen sich bei idealen Bedingungen problemlos bis zu 20 Jahre lagern.

Ein gutes Auge ist nötig

Mit Stolz präsentiert Benny Dalpiaz mehrere Sitzkissen, welche sich durch eine erstaunliche Symmetrie und eine eindrucksvolle Zeichnung auszeichnen. Sind die Felle für solche Kleinode einmal ausgewählt, so werden auf der Lederseite die Schnittmuster aufgezeichnet. Dalpiaz hat diese selber vorgefertigt, geerbt oder auch mit Kolleginnen getauscht. Das eigentliche Zuschneiden erfolgt mit sehr scharfen Messern und erfordert viel Fingerspitzengefühl.

Es braucht viele Felle

Für das Anfertigen eines schönen Gilets sind rasch einmal 36 bis 40 Kaninchenfelle nötig und es braucht dazu auch ein gutes Auge. «Vielfach reichen an die Hundert einzelne Felle nicht aus, um die erwünschte und ideale Zusammensetzung zu erreichen», erklärt Dalpiaz. Neben unzähligen Pelztieren fertigt sie auch Schals, Kleidungsstücke, Sitzkissen und vieles mehr in ihrem kleinen Atelier an.

Benny Dalpiaz hat ursprünglich eine Ausbildung als Uhren- und Bijouterieverkäuferin abgeschlossen. Das notwendige Wissen und die Fähigkeiten als Pelznäherin erwarb sie bei Anni Breuer aus Schaffhausen. In der Pelznähgruppe des Schaffhauser Kleintierzucht-Kantonalverbands konnte Dalpiaz ihr Fachwissen, die dafür notwendige Fingerfertigkeit und Erfahrung während rund zwei Jahrzehnten schrittweise ausbauen und erweitern.

Pelz tragen ohne Scham

Das Tragen von Pelz ist in den letzten Jahren und Monaten aus Gründen des Tierschutzes und wegen ethischer Fragen zunehmend ins Kreuzfeuer der Kritik geraten. Dabei wird nicht mehr zwischen Pelzen aus illegaler Jagd, unerwünschten Zuchtfarmen oder solchen aus nachhaltiger Jagd und der Nutztierhaltung unterschieden. Wegen der immer schärferen Kritik am Tragen von Pelz landen viele Felle in der Kadaverentsorgung oder Kehrichtverbrennung.

Dabei ist das korrekte Verwenden von Pelzen aus der weidmännisch erfolgten Jagd oder aus der Nutztierhaltung nachhaltig und macht ökologisch auch Sinn. Der wertvolle aus der Natur anfallende Rohstoff «Pelz», der etwa aus der notwendigen Bejagung des Fuchses anfällt, wird in unseren Breitengraden oftmals durch synthetische, aus Erdöl hergestellte Kleidung ersetzt. Nach wie vor gibt es aber Jäger, welche die Fuchsfelle aus der weidmännisch erfolgten Jagd nutzen, um sie später dem Kürschner für die weitere Verarbeitung zuzuführen.

Auch das Fell nutzen

Auch einige Kaninchenzüchter nehmen die Arbeit auf sich, bei der Schlachtung der Kaninchen die Felle sehr sorgfältig abzuziehen und danach zum Trocknen aufzuspannen. Danach kommen diese Felle zur Gerbung zum Kürschner, wo sie entsprechend aufbereitet und verarbeitungsfähig gemacht werden. Ein Teil davon landet dann auch im Nähatelier von Benny Dalpiaz.

Bei den Urvölkern rund um den Globus war und ist es immer noch üblich, dass die kleinsten anfallenden natürlichen Ressourcen genutzt und nicht einfach entsorgt werden. Nicht nur das Fleisch, sondern auch die Innereien, Häute, Hörner, Geweihe, Knochen, Hufe oder Sehnen und Krallen werden genutzt, um verschiedenste Alltagsgegenstände anzufertigen, welche das Überleben in der Wildnis sicherstellen.

Dem Hobby treu geblieben

Bei Pelztieren stand somit das Fell im Fokus und sicherte später als Pelzjacke auch bei tiefsten Temperaturen das Überleben der Menschen. «Wer Kaninchen hält und diese auch für die Fleischnutzung schlachtet, soll auch das Winterfell nutzen», findet Dalpiaz. Diesen Grundsatz hat sie beim Einstieg in die Kaninchenhaltung als erstes gelernt. Dalpiaz lebt dieser Überzeugung noch bis heute nach. Zwar hat sie selber inzwischen die Kaninchenzucht aufgegeben, dem Pelznähen ist sie aber stets treu geblieben.

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