Erneuerbare Energien sind seit dem Ukraine-Krieg und der Energiekrise gefragt. Wie haben sich die Voraussetzungen für die Landwirtschaft dadurch verändert?
Priska Stierli: Bessere Vergütungen für den eingespeisten Strom, wobei die Vergütungssätze schweizweit stark variieren. Und es gibt sicherlich Neuerungen bei den Förderungen von Erneuerbaren, zum Beispiel die neuen Fördermittel für Biogas.[REL 1]
Es gibt lange Wartelisten für den Bau neuer Solaranlagen – empfehlen Sie interessierten Bauern trotzdem, einen Bau zu planen?
Ja, die Planung kann man trotzdem angehen. Wir raten weiterhin, den Eigenverbrauch bei der Planung zu berücksichtigen und dabei auch die Möglichkeit zukünftiger vermehrter Elektrifizierung in Betracht zu ziehen.
Am Mittwoch hat der Bundesrat über neue Förderinstrumente für erneuerbare Energien entschieden – was bedeutet das für die Landwirtschaft?
Mit der Förderung grosser PV-Anlagen ohne Eigenverbrauch wird es wirtschaftlich wieder interessanter, ein ganzes Scheunendach einzudecken. Für Anlagen ab 150 kW wird es Auktionen geben, bei welchen die Höhe der Einmalvergütung bestimmt wird. Investitionen in Biomasseanlagen werden mit einer Förderung von bis zu 60 Prozent der anrechenbaren Investitionskosten unterstützt. Wesentlich sind auch die neuen Betriebskostenbeiträge, welche das Betreiben einer Biogasanlage unterstützen. Dabei gibt es einen Grundbeitrag und einen Bonusbeitrag für landwirtschaftliche Biomasseanlagen mit weniger als 20 Prozent Co-Substrat oder ohne Co-Substrate.
An der Agro-Clean-Tech-Tagung zum Thema potenzieller Blackout schienen die Fachleute der Meinung, dass die Landwirtschaft nicht besonders gut vorbereitet ist – wie schätzen Sie das ein?
Wie man von den Referenten hörte, sind effektiv viele Betriebe nicht oder nur ungenügend vorbereitet. Wir raten den Bauernfamilien, sich mit der Situation auf dem Betrieb auseinanderzusetzen und entsprechende Massnahmen zu treffen. Das Dossier, welches auf der Website des Schweizer Bauernverbands publiziert wurde, gibt dazu eine gute Hilfestellung.
Es hat sich gezeigt, dass Solaranlagen bei einem Blackout nicht mehr funktionieren, ist das den Eigentümern mittlerweile bewusst?
Wir gehen davon aus. Gerade die Agro-Clean-Tech-Tagung hat sicherlich nochmals dazu beigetragen, dieses Wissen zu verbreiten.
Wo sehen Sie das grösste Energieeinsparpotenzial in der Landwirtschaft?
Das kommt sehr auf die Art des Betriebs an. Bei Milchviehbetrieben ist das grösste Potenzial in der Regel das Melken und die Milchkühlung sowie die Warmwasseraufbereitung. Hier bieten wir bei Agro-Clean-Tech übrigens ein Förderprogramm für Wärmepumpenboiler an. Damit lässt sich der Stromverbrauch für die Warmwasseraufbereitung halbieren. Auf Poulet- oder Schweinemastbetrieben ist die Lüftung ein grosser Verbraucher. Hier starten wir demnächst mit einer Förderung. Auf Schweinezuchtbetrieben brauchen vor allem die Ferkelnester viel Strom. In den vergangenen Jahren hat diese Branche bereits viel in die Aufrüstung investiert, und auch vom Folgeprogramm haben bereits einige Betriebe profitiert und Fördergelder erhalten.

