Edgar Kupper, seit 1. Juni 2022 zuständig für die politische Interessenvertretung und die Führung des Solothurner Bauernverbands (SOBV), empfängt die BauernZeitung im Stall auf seinem Hof im Weiler Höngen. Das erstaunt; schliesslich denkt man, es handle sich bei seinem Amt um eine Vollzeitstelle im Büro. «Die Funktion des Geschäftsführers wurde in eine Teilzeitanstellung von 50 Prozent umgewandelt», erklärt der «Bauernsekretär».
Freude und Berufung
Der SOBV wurde vor zwei Jahren umorganisiert und die «SOBV Dienstleistungen AG» mit einer eigenständigen Geschäftsführung gegründet. Den anderen Teil, eben den verbandspolitischen, leitet neu Edgar Kupper. Die Landwirtschaft sei immer im Zentrum seines Lebens gestanden, schon als Schuljunge sei er möglichst bei allen Arbeiten daheim auf dem Hof dabei gewesen. Die Agrarwirtschaft und die Agrarpolitik hätten ihn seit jeher fasziniert. «Deshalb habe ich in der Ausbildung zum Agronomen diese Fachrichtungen als Schwerpunktfächer gewählt», fährt er fort.
Politisch gut vernetzt
«Für mich ist es Freude und Berufung, die Interessen der Solothurner Bauernfamilien in verschiedenen Gremien, in der kantonalen Politik und der Verwaltung gewissenhaft, nachdrücklich, wirkungsvoll – und ja, auch hartnäckig – einzubringen.» Gute Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft, ein genügendes Auskommen und eine faire Abgeltung für den täglichen harten Arbeitseinsatz der Bäuerinnen und Bauern würden für ihn als Geschäftsführer im Zentrum stehen.
Edgar Kupper, 52, verheiratet mit Nadja, Vater von drei Kindern, diplomierter Ingenieur-Agronom HTL, seit 2013 Gemeindepräsident von Laupersdorf, seit 2011 Mitglied des Solothurner Kantonsrates, ist politisch gut vernetzt. Dank Mitarbeit in mehreren nichtbäuerlichen und bäuerlichen Organisationen ist er fest verankert in der Landwirtschaftsbranche. Im Alter von 26 Jahren übernahm er den Hof von seinen Eltern in sage und schreibe 10. Generation. Sein Sohn David, 20, mit dem er zusammen den Hof führt, vertritt bereits die 11. Generation. David Kupper arbeite tatkräftig und interessiert mit, übernehme Führungsaufgaben und bilde sich berufsbegleitend zum Agro-Techniker weiter. Das ermögliche ihm, dem Vater, die umfangreiche Teilzeitbeschäftigung auswärts. «Ich bin täglich im Stall, auf dem Feld und auf dem Traktor, vor allem bei den Hauptarbeiten», hält Edgar Kupper fest. «An gewissen Tagen, wenn viele Sitzungen oder wichtige Arbeiten für den SOBV anstehen, kann es sein, dass ich nur kurz dazu komme, im Betrieb vorbeizuschauen.»
Der Familienbetrieb wird seit 25 Jahren nach den Richtlinien von Bio Suisse geführt. Milchwirtschaft mit 30 Kühen und etwa gleich vielen Aufzuchttieren sowie etwas Ackerbau stehen im Zentrum. Kuppers Land reicht vom Talgebiet bis hinauf auf 1000 m ü. M. Die gewählte Produktionsausrichtung sei standortgerecht und habe sich bewährt, bemerkt der Betriebsleiter.
Im Amt angekommen
Warum der Bauer und Politiker das Amt des SOBV-Geschäftsführers überhaupt angenommen habe, will die BauernZeitung wissen. Waren seine Tage bisher nicht genug ausgefüllt? Edgar Kupper holt aus: «Dieses Engagement ist vielfältig und interessant, aber auch herausfordernd mit Blick auf die unterschiedlichen Geschäfte und Themen, welche die Landwirtschaft und den Kanton betreffen.
Ein Glück, dass ich viele wichtige Geschäfte dank der Mitarbeit beim SOBV seit 2017 und meiner langjährigen Erfahrung in der Gemeinde- und Kantonspolitik kenne. In gewisse Themen muss ich mich einarbeiten.» Das eingespielte, erfahrene Team beim Bauernsekretariat unterstütze ihn; der Erfahrungsaustausch funktioniere reibungslos. «Nach sechs Monaten bin ich im Amt angekommen und neugierig auf die Zukunft.»
Jeder gibt sein Bestes
Ihn freut, dass die Solothurner Bauernfamilien motiviert und umtriebig sind und nach vorne schauen. Er wisse, wie sehr sie die letzten Abstimmungskämpfe beschäftigt hätten. Viele würden sich von der nichtbäuerlichen Bevölkerung nicht mehr verstanden und wertgeschätzt fühlen. Obwohl doch jede Bäuerin, jeder Bauer das Beste gebe und sich und den Hof weiterentwickeln wolle. Durch alle Generationen wollten Bauersleute anpacken, sich weiterbilden, Verantwortung übernehmen für die Um- und Mitwelt. Er stelle fest, dass die Landwirtschaft moderner und spezialisierter und auch weiblicher geworden sei. Die Branche verhalte sich unternehmerisch. Wo es passe, werde überbetrieblich zusammengearbeitet oder man gehe einer Teilzeitarbeit nach. Die Anforderungen an die Betriebsführung allgemein und speziell im administrativen Bereich hätten leider stark zugenommen, und der Strukturwandel gehe laufend weiter. «Der Wandel ist stetig, es gilt, diesen zu begleiten, mitzuformen und sozialverträglich zu gestalten», ruft Kupper in Erinnerung.
Ein magischer Ort
Während unseres Interviews schwärmt Edgar Kupper immer wieder von seiner Heimat, seinen Wurzeln, dem mehrere Jahrhunderte alten regionaltypischen Bauernhaus – und besonders von den Heumatten auf dem Oberberg. «Diese magische, ja fast mystische Stimmung dort über den Wiesen an einem heissen Sommertag ist einmalig», sagt er. Er wollte dieses Idyll der Berichterstatterin zeigen, auch wenn das Wetter trüb und regnerisch war. Seine Schilderung war nicht übertrieben. Im Gegenteil: Statt wärmendem Sonnenschein hatten sich prächtige Wolkenburgen rund um die malerische Juragegend aufgebaut. Statt sommerlich undefinierbarem Flirren und Sirren herrschte absolute Ruhe. Der Oberberg muss das ganze Jahr über einzigartig sein.

