Der Inspirationstag von «BioEtico» fand im Rebberg statt

Auf dem Weingut Lanz im Thurgauischen Iselisberg fand ein Inspirationstag des Vereins «BioEtico» statt. Dabei bot Biologin Florianne Koechlin spannende Einblicke in die geheime Welt der Pflanzen.

«Der Rest meines Lebens ist mir wichtig, darum investiere ich in die Zukunft», sagte Luzia Blum aus dem Bündnerland. Die junge Bäuerin gehört zu den acht Schweizer Bio-Pionier(innen), die im Februar den Verein «BioEtico» gegründet ­haben, der mittlerweile rund 50 Mitglieder zählt. Dieser ­führte einen ­Ins­pirationstag auf dem Bio-Weingut Lenz in Iselisberg bei Frauenfeld durch. An diesem Erntedankfest der besonderen Art trafen sich über 50 Teil­neh­mer(innen) aus der ganzen Deutschschweiz, darunter auch viele junge Leute.

Im Fokus steht unter anderem die soziale Ethik

«BioEtico» will losgelöst von den starren Richtlinien der Label neue Impulse für die Bio-Landwirtschaft setzen und mit den Kreisläufen der Natur die Widerstandskraft gegen den Klimawandel stärken. Die Bäuerinnen und Bauern sollen das Land, das sie von ihren Vorfahren übernommen haben, in einem besseren Zustand an die nächste Generation übergeben. Um dies zu erreichen, stellt der Verein unter anderem den Humusaufbau, den Verzicht auf den Einsatz von zusätzlichen Betriebsmitteln und die soziale Ethik in den Fokus. Wirtschaftlichkeit wird dagegen nicht als prioritär betrachtet.

Die Mitgliederbetriebe sollen eine jährliche Selbstreflexion mit ihren Stärken, Schwächen und Zielen erstellen und die Erfahrungen weitergeben. Bereits haben verschiedene Betriebe auf der Webseite des Vereins eine Selbstdeklaration veröffentlicht.

Der Inspirationstag von «BioEtico» fand im Rebberg statt
Roland Lenz und Florianne Koechlin gaben Einblicke in den Informationsaustausch von Pflanzen untereinander.

Massnahmen zur Erhaltung von Kleinbetrieben gefordert

Mitgründer Markus Lanfranchi stellte zudem die Petition «Jeder Hof zählt» vor. Diese wurde von der Kleinbauern-Vereinigung lanciert und fordert vom Bundesrat Massnahmen gegen das Hofsterben. «Etwa 80 Prozent der verdauten Nahrung kommt von den Kleinbauern», sagte Lanfranchi im Gespräch mit der Bauern­Zeitung. Er führt dies darauf zurück, dass in der industriellen Landwirtschaft sehr viele Nahrungsmittel auf dem Weg vom Acker auf den Teller verloren gehen und dass die Lebensmittel von Kleinbauern besser verwertet und konsumiert werden. Laut dem Weltagrarbericht werden sogar bis zu 80 Prozent der gesamten Welternährung von Kleinbauern produziert.

Wie Pflanzen sich untereinander austauschen

Nach einer Betriebsführung lud Gastgeber Roland Lenz die Teilnehmer(innen) zu einem drei Kilometer langen Rebrundgang mit Florianne Koechlin ein. Die 74-jährige Sachbuchautorin ist davon überzeugt, dass Pflanzen untereinander kommunizieren. Sie berichtete von wissenschaftlichen Versuchen, die mittlerweile bestätigt haben, dass Pflanzen durch Rezeptorenzellen optische und akus­tische Eindrücke wahrnehmen.

Sie können Schädlinge vertreiben, Nützlinge anlocken und riechen Duft- und Warnstoffe der Nachbarpflanzen. Unter dem Boden sind die meisten Pflanzen mit einem umfangreichen Netzsystem aus Wurzeln und Pilzen verbunden, über die auch Informationen ausgetauscht werden. Koechlin erzählte von einem Winzer in der Toskana, der seinen Rebberg mit Musik von Mozart beschallte, weil Pflanzen positiv auf Tonfrequenzen und Schallvibrationen reagieren.

Weitere Informationen: www.bioetico.ch