Das «Bamberger Hörnli» als Geschwellti hat es Christoph Jakob besonders angetan. Es ist eine alte Kartoffelsorte, die den bekannteren «La Ratte» ähnelt, aber besser lagerbar ist. In Bätterkinden BE baut Christoph Jakob auf dem «Berchtoldshof» seit 20 Jahren auf 20 Aren spezielle Sorten an, darunter auch solche, die er selber gezüchtet hat. Von diesen Spezialsorten pflanzt er rund eine Tonne pro Jahr an und vermarktet die Ernte direkt.
Die Kartoffelvielfalt ist eines der Standbeine der Familie Jakob: auf fünf Hektaren produziert sie Saat- und Industriekartoffeln. Zudem hält sie Zebus, deren Fleisch sie ebenfalls direkt vermarkt und organisiert Anlässe auf dem Hof.
Robuste Sorten direkt vom «Berchtoldshof» für Hobbygärten
An einem Wochenende Ende März findet jedes Jahr der Pflanzkartoffel-Märit statt. Dort decken sich Hobbygärtner mit Pflanzgut ein und lassen sich Anbau-Tipps geben. «Besonders exklusive Sorten sind nicht so gefragt», sagt Christoph Jakob.
Geschätzt seien Sorten, die gegen Kraut- und Knollenfäule robust seien. Hobbygärtnerinnen und -gärtner wählen oft frühe Sorten mit gutem Ertrag. Das «Bamberger Hörnli» sei dagegen eine «feine» Kartoffel, die Ernte mit viel Handarbeit verbunden.
Die grosse Schwierigkeit beim Nachbau sei, die Kartoffeln gesund zu halten. Jakob treibt grossen Aufwand dafür, reisst kranke Pflanzen sofort aus und bemüht sich, die Blattläuse in Schach zu halten. Er vermehrt die von ihm angebotenen Sorten selber und ist immer auf der Suche nach weiteren Sorten, die sich für den Anbau auf seinem Hof eignen.
Massgeschneiderte Hofsorten auf Bestellung vom Kartoffelzüchter
Was Jakob selbst macht, nämlich Kartoffelsorten miteinander kreuzen, bietet Kartoffelzüchter Stefan Griesser auch für andere Landwirte an. Sein Hofsorten-Programm für Landwirte ist einzigartig. Beim Züchten entstehen viele tausend Kreuzungsprodukte. Viele fallen weg, weil sie im Nachbau nicht überzeugen. Dennoch bleibt ein ansehnlicher Stock übrig. Dieser hat das Potenzial, die Gunst der Konsumenten zu gewinnen.
Diese Ergebnisse bietet Griesser als Züchtungsdienstleistung in seinem Hofsorten-Programm an. Derzeit stehen interessierten Bauern über hundert Kreuzungen zur Auswahl: Es hat rotfleischige, blaufleischige, gelbfleischige, Krautfäule-tolerantere und Kreuzungen mit anderen Kartoffelarten. Alle Rechte für die Züchtungsergebnisse liegen beim Auftraggeber, also beim Landwirt.
Während Griesser das Hofsorten-Programm als Dienstleistung ansieht, ist das Bundesamt für Landwirtschaft noch unschlüssig, ob dieses Hofsortenprogramm rechtens ist oder ob jede Züchtung erst als Nischensorte bewilligt werden müsste.
Für die Saatgut-Vermehrung und -Gesunderhaltung sind die Bauern selbst verantwortlich. Griesser bietet aber Beratung an. Er rät zur In-vitro-Erhaltung, wenn ein Betrieb länger mit einer Sorte arbeiten möchte. Es gibt in der Schweiz dafür neben Agroscope noch weitere Anbieter. Eine Einstellung kostet pro Jahr 250 bis 400 Franken und man kann jederzeit Material für Nachzucht bestellen.
Eine spätere Virenbereinigung kann ins Geld gehen. Sie kostet laut Griesser schnell einmal 6000 bis 10 00 Franken. Da sich nicht jede Sorte gleich gut für einen Standort eignet, empfiehlt Griesser interessierten Bauern, erst einmal mehrere Sorten mit den gewünschten Eigenschaften auszuprobieren und die zu behalten, welche am jeweiligen Standort am produktivsten ist.
Das Endprodukt ist einzigartig und einmalig. Kartoffeln, die sich in Farbe, Form und Aroma vom üblichen Sortiment unterscheiden, können für Selbstvermarkter und Marktfahrer interessant sein. Das Ganze ist zudem erschwinglich. «Uns ist klar, dass ein Bauer nicht einfach mal schnell 15 00 Franken für eine Hofsorte auf den Tisch legen kann. Wir haben deshalb ein gewinnabhängiges Bezahlmodell entwickelt, das wir Hofsorten-Vertrag nennen», erklärt Griesser. «Über rund sechs Jahre hinweg beanspruchen wir zehn Prozent vom Gewinn aus dem Kartoffelverkauf.» Ziel ist, den Aufwand zu decken, den Griesser hat, um eine spezifische Hofsorte zu entwickeln.
www.berchtoldshof.ch
www.varietas.ch/hofsorten