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SGD - Überraschend Ferkelruss

Nach zehn Jahren beobacht ein Ferkel-Erzeuger plötzlich wieder Hautveränderungen bei seinen Saugferkeln. Eine schnelle und korrekte Therapie verhindert Schlimmeres auf dem Betrieb.

Ein Ferkel-Erzeuger berichtet von plötzlich auftretenden Hautveränderungen bei seinen zwei- wöchigen Saugferkeln. Kurze Nachfragen am Telefon ergaben, dass die Veränderungen seit etwa einer Woche zu beobachten sind, sich über verschiedene Würfe ausbreiten und bereits zwei Tiere mit stark ausgeprägten Symptomen verendet sind.

Die Symptome habe der Landwirt seit circa zehn Jahren nicht mehr beobachten können. Da die Leistungen des Betriebes mit 13,5 lebend geborenen Ferkeln und einer Aufzuchtrate von 89 Prozent im guten Bereich lagen und weitere typische Probleme wie etwa Saugferkel-Durchfall oder Milchmangel bei Sauen keine Rolle zu spielen schienen, wurde die telefonische Fragerunde beendet und sofort ein Termin am Hof ausgemacht, um das Hautproblem der Ferkel näher abzuklären.

Rötlich-braune Krusten, reduziertes Allgemeinbefinden

Vor Ort fanden sich in 90 Prozent der Würfe Saugferkel mit Hautveränderungen. Rechnete man alle Ferkel mit Hautveränderungen zusammen, waren über die Hälfte der gesamten Ferkel dieser Wurfgruppe betroffen.

Die Symptome reichten von leichten, rötlich-braunen Krusten im Bereich der Rüsselscheibe bis hin zu grau-braunen, nässenden Verletzungen, welche die gesamte Köperoberfläche der Ferkel betrafen. Die Ferkel waren vom Allgemeinbefinden sehr reduziert und zeigten teils einen ausgeprägten Kümmererhabitus. Damit konnten die Angaben des Landwirts eins zu eins bestätigt werden.

Eine weiterführende Analyse des Betriebs-Managements ergab, dass die Abferkel-Zimmer nach jedem Umtrieb mit Hochdruckreiniger und Warmwasser gewaschen wurden.

Eine anschliessende Desinfektion oder eine Waschung der Sauen vor Einstallen fand nicht statt. Ebenso war ein routinemässiges Kürzen der Saugferkel-Eckzähne bisher nicht nötig. Der Stall erfüllte mit hinreichender Wasserversorgung und gut geheizten Ferkelnestern ohne Zugluft oder Schadgase alle Anforderungen an eine gute Entwicklung der Ferkel.

Mittels Laboruntersuchung wurde der Erreger isoliert

Aus Telefonat und klinischer Untersuchung ergab sich damit die Verdachtsdiagnose einer «Exsudativen Epidermitis». Das ist eine nässende Entzündung der Haut, die durch die Bakterien Staphylococcus hyicus verursacht wird. Besser bekannt ist die Krankheit unter den Begriffen Ferkelruss, Pechräude oder nässendes Ekzem.

Um dies zu bestätigen und andere mögliche Erkrankungen mit ähnlicher beziehungsweise nahezu identischer Symptomen auszuschliessen, sollte nach der klinischen Untersuchung immer versucht werden, den ursächlichen Erreger zu isolieren.

Ferkelruss kann mittels Hauttupfer und bakteriologischer Untersuchung im Labor nachgewiesen werden. Eine weitere Möglichkeit, ist die Sektion typisch betroffener Tiere, die in diesem Fall an zwei stark geschwächten Tieren ohne Heilungschancen erfolgte.

Während der Sektion wurden die Krusten, die zu einem Teil aus Stallstaub bestehen, entfernt und die nässenden Stellen darunter kamen zum Vorschein. Im Anschluss wurde die Haut der Ferkel unter dem Mikroskop angeschaut und neben der Bestätigung einer Hautverdickung und Krustenbildung, waren auch Bakterien zu beobachten.

Letztlich ergab die mikrobiologische Bestimmung im Labor, dass sowohl in der Haut als auch im sich anschliessenden Lymphknoten Bakterien der Art Staphylococcus hyicus gefunden wurde. Damit wurde die Verdachtsdiagnose «Exsudative Epidermitits» bestätigt.

Ein unbekannter Stamm führte zu den kranken Ferkeln

Die eigentliche Ursache für die Hautschädigung ist eine Aufhebung der Verbindung zwischen den Hautzellen durch das sogenannte exfoliative Toxin, welches von den Staphylococcen gebildet wird.

Ein exfoliatives Toxin ist ein Gift, das Blasenbildung auf der Haut auslöst. Mittlerweile sind sieben dieser Toxine erkannt. Nicht jeder Staphylococus bildet die gleichen Toxine.

In unserem Fall kam daher die Überlegung auf, dass eine neuer Stamm mit der Herde unbekannten Toxinen für die Hautveränderungen verantwortlich ist. Als Therapie wurden alle Ferkel der Wurfgruppe mit Benzylpenicillin für mindestens drei Tage behandelt. Damit wurde unmittelbar während des Besuchs begonnen.

Erst im Labor wurde mit einem Antibiogramm bestätigt, dass der Erreger auf Benzylpenicillin reagiert und die Wahl richtig war.

Weil – wie erwähnt – der Flüssigkeitsverlust zum Tod führt, wurde über eine Elektrolyt-Lösung zusätzlich Flüssigkeit angeboten. Neben den handelsüblichen Lösungen eignet sich hier im Notfall auch ein halber Teelöffel Kochsalz und sieben Teelöffel Zucker auf einen Liter warmes Wasser. Da derartige Zuckerlösungen im Stall schnell verdrecken und zur Fliegenfalle verkommen, sollte die Lösung mehrmals täglich für kurze Zeit angeboten werden.

Sollten Ferkel über mehrere Wurfgruppen Hautveränderungen zeigen, lohnt es sich, den genauen Stamm zu bestimmen. Danach kann ein gezielt auf den Betrieb abgestimmter Impfstoff hergestellt werden. Dieser Impfstoff wird den Sauen vor Geburt verabreicht, um über Antikörper in der Milch die Ferkel zu schützen.

Abferkelbuchten desinfizieren, Zähne schleifen

Neben diesen therapeutischen Massnahmen ist vor allem die Verhinderung einer Infektion durch Eliminierung der Eintrittspforten und eine Senkung des Erregerdrucks der Umgebung entscheidend.

In unserem Fall bedeutet dies, dass mit dem Zähneschleifen der Ferkel und der Desinfektion der Abferkelbuchten begonnen wurde. Da der Erreger mit den Sauen in den Abferkelstall gelangen kann, ist ebenso ein Waschen der Tiere mit dem Einstallen empfohlen worden.

Die erkrankten Saugferkel wurden ein paar Wochen später nochmals als Jager angeschaut und zeigten ausser einem leichten Grauschimmer der Haut keine Krankheits-Spuren mehr.

Schon in den nächsten Gruppen fielen keine Tiere mit Hautveränderungen mehr auf. Was zum einen für den Erfolg der etablierten Massnahmen spricht und zum anderen für eine ausreichende Immunität der Herde, so dass nun Antikörper in der Milch die Ferkel vor dem Erreger schützen.