«Ich gehe nicht an die Sonne. Ich arbeite»: Diese Aussage hört Simon Bossart, Hautarzt am Inselspital oft von Landwirten, die bei ihm zur Behandlung sind. Der 33-Jährige Dermatologe kennt die verschiedenen Arten von Hautkrebs in- und auswendig. Neben seiner Tätigkeit als Assistenzarzt arbeitet er in der Krebs-Sprechstunde des Inselspitals mit.
Allen, die oft draussen arbeiten, rät er zu konsequentem Sonnenschutz. «Die UV-Strahlen dringen auch durch die Wolkendecke», so Bossart. Am gefährlichsten sind die Ultraviolett-Strahlen zwischen 11 und 16 Uhr. Landwirte, Gärtner und Bauarbeiter können die Arbeit aber nicht einfach liegen lassen.
Sonnencrème mit Faktor 30 und Arbeitskleider schützen vor Krebs
Die Schutzmassnahmen Nummer 1 ist Sonnencrème mit Schutzfaktor 30, besser sogar mit Faktor 50. Beim Kauf sei nicht der Preis entscheidend: «Wichtig ist, dass die Crème gegen UVA und UVB schützt», so Bossart.
Da die Arbeit draussen schweisstreibend ist, braucht es mehrmals pro Tag Sonnencrème. Sinnvoll sind auch lange, eng gewebte und dunkle Arbeitskleider sowie ein Hut mit breiter Krempe. Die Crème kommt ins Gesicht, auf den Nacken, aber auch auf die Handrücken – also auf alle Stellen, die der Sonne besonders ausgesetzt sind.
Denn an den exponierten Stellen ist die Haut besonders anfällig für Sonnenbrand. «Einmal richtig verbrennen, danach ist man geschützt» – das ist ein gefährlicher Irrglaube.

Weisser Hautkrebs entwickelt sich meistens über Jahre
Die Haut vergesse nie, warnt Bossart. Nach einem Sonnenbrand altert sie schneller und ist anfälliger für Hautkrebs. Deshalb gelte es, insbesondere Kinder vor Sonnenbrand zu schützen.
Hautkrebs lässt sich in weissen Hautkrebs («non melanoma skin cancer») und schwarzen Hautkrebs (Melanom) einteilen.
Zum weissen Hautkrebs gehören zwei grosse Gruppen:
- Das Plattenepithelkarzinom (Spinaliom) und seine Vorstufen:
- Das Basalzell-Karzinom
Die verschiedenen Arten von weissem Hautkrebs entwickelt sich meistens über Jahre typischerweise an besonders der Sonne ausgesetzten Stellen wie Kopfhaut (Glatze), Gesicht, Ohren, Décolleté und Handrücken. Besonders anfällig sind Menschen mit heller Haut, hellen Augen und rötlichen Haaren.

Bei Verdacht auf Hautkrebs sofort zum Arzt
Erste Anzeichen sind Hautstellen, die sich wie Schmirgelpapier anfühlen. Die Stellen sind rot, verkrustet und heilen nicht ab. Diese Art, aktinische Keratose genannt, lässt sich gut behandeln, wenn sie frühzeitig erkannt wird: Mit Salben, welche eine Entzündung auslösen und so das Immunsystem dazu bringen, die Vorstufen von Krebs zu beseitigen. Zum Einsatz kommt auch die sogenannte fotodynamische Therapie oder Flüssig-Stickstoff.
Etwa 10 Prozent der Fälle von aktinischer Keratose entwickeln sich innerhalb von zehn Jahren zu einem Plattenepithel-Karzinom weiter, einem invasiven Krebs mit Metastasierungspotenzial.
Bei gesunden Menschen liegt die Wahrscheinlichkeit bei unter einem Prozent. Menschen mit angeschlagenem Immunsystem haben ein hundertfach höheres Risiko. Dazu gehören Patienten mit einem transplantierten Organ oder HIV-Positive.

Hautstellen mit Krebs-Verdacht entfernen, bevor sich Ableger bilden
Ein Plattenepithel-Karzinom kann Ableger (Metastasen) machen, sich also im Körper ausbreiten. Deshalb muss es chirurgisch entfernt werden. Unbehandelt kann es Ableger in Lymphknoten oder Organen bilden.
Das Basalzell-Karzinom entwickelt sich langsam und wird oft «halb-bösartig» genannt: Wenn es im Frühstadium erkannt und entfernt wird, sind die Heilungschancen sehr gut. Es breitet sich praktisch nie in andere Organe aus und bildet normalerweise keine Metastasen.
In fortgeschrittenen Stadien wächst ein Basalzell-Karzinom nicht nur in die Breite, sondern auch in die Tiefe und kann Knochen und Knorpel zerstören. Besonders häufig trete es im Gesicht auf, erklärt Simon Bossart: «Auch hier gilt deshalb: Sonnenschutz nützt immer!»
Ein Melanom wächst schnell und ist gefährlich
Eine ganz andere Liga ist das Melanom: Der schwarze Hautkrebs tritt auch ohne Sonneneinwirkung sehr plötzlich auf. Die Flecken verändern sich schnell, über die Lymphe gelangen die Krebszellen rasch in die Organe. Ohne Behandlung ist die Sterblichkeit hoch.
In der Schweiz erkranken gemäss Krebsliga jedes Jahr 2500 Menschen an schwarzem Hautkrebs. Obwohl es jeden treffen kann, ist auch hier das Risiko bei Menschen mit hellem Hauttyp, mit viel Sonnenexposition und solchen mit mehr als 100 Muttermalen höher.
Im Gegensatz zu weissem Hautkrebs kann ein Melanom an Stellen auftreten, die der Sonne nicht ausgesetzt sind, also den Hand- und Fusssohlen oder Schleimhäute.
Wird ein Melanom rechtzeitig erkannt, ist die Chance auf Heilung sehr hoch. Deshalb ist es nötig, Hautflecken gut zu beobachten (siehe Bildergalerie: Wie erkennt man ein Melanom?).

Neue Therapieform gegen schwarzen Hautkrebs ist sehr wirkungsvoll
Seit rund fünf Jahren wenden die Krebsärzte bei fortgeschrittenem schwarzen Hautkrebs in den meisten Fällen keine Chemotherapie mehr an, sondern setzen auf Immuntherapien.
Dabei wird das Immunsystem so aktiviert, dass die weissen Blutzellen den Krebs bekämpfen. Dafür werden über Infusionen Antikörper ins Blut gegeben. Die Patienten müssen im Abstand von zwei bis drei Wochen ins Spital. Sie können nach der Behandlung nach Hause oder zur Arbeit. «Die meisten Patienten vertragen diese Therapie sehr gut. Das ist anders als Chemo, die oft von Haarausfall oder Erbrechen begleitet wird», sagt Simon Bossart.
Dennoch kann es zu Nebenwirkungen kommen, besonders zu Organentzündungen. Deshalb wird das Blut während der Behandlung überwacht. Die Behandlung kann Jahre dauern – der Effekt hält lange an. Die bisherigen Daten und Erfahrungen zeigen, dass bis 60 Prozent der Patienten auf diese Immuntherapien ansprechen.
Neben den Immuntherapien gibt es die sogenannten zielgerichteten Therapien, welche bei einer bestimmten Veränderung der Ableger eingesetzt werden können.
Regelmässig Kontrolle der Haut gehört zur Krebs-Vorbeugung
Neben konsequentem Sonnenschutz ist es als Prophylaxe gegen jede Hautkrebsart sinnvoll, die Haut regelmässig zu kontrollieren. Wer Fälle von Hautkrebs in der Familie hat, sollte mindestens einmal pro Jahr beim Dermatologen vorbeischauen, rät der Arzt Simon Bossart.
www.krebsliga.ch
www.melanoma.ch

