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Säen oder Warten?

Die Voraussetzungen zur Kunstwiesen-Ansaat sind jedes Jahr anders: 2018 war es extrem trocken, 2019 hat es mehr Bodenfeuchte. Bruno Nabulon vom Arenenberg erklärt, mit welcher Strategie das Äugsteln in diesem Jahr besonders gut gelingt.

Kurz & bündig

- Wiesensaaten im Juli sind einem Trockenheits-Risiko ausgesetzt. - Ansaaten im August («Äugsteln») verringern das Risiko. - Wird nach der Gersten-Ernte bis im August zugewartet, kann die Zeit zur mechanische Unkrautbekämpfung genutzt werden. - Drillsaaten schützen besser vor Trockenheit und Erosion.

Ist der Ackerboden nach der Getreide-Ernte feucht, ist der Reiz gross, die Kunstwiese sofort anzusäen.

Bruno Nabulon ist Futterbau-Berater am Thurgauer Bildungs- und Beratungszentrum Arenenberg und erlebt in der Praxis zwei Strategien, welche die Landwirte bei der Wiesensaat wählen.

Die einen Landwirte bringen die Saat nach der Ernte der Vorkultur so rasch wie möglich in den Boden.

Die anderen Landwirte warten ab und nutzen die Zeit zur flachen Bodenbearbeitung. Letztere äugsteln dann – wie es der Name sagt – im August.

Bei der abwartenden Strategie sollen Unkräuter und Ausfallgetreide zwischen den beiden Hauptkulturen zum Keimen angeregt werden. Diese Unkräuter sind dann weg und stören die Gras-Saat nicht in ihrem Aufwuchs.

Der sogenannte Säuberungs-Schnitt enthält dann weniger fremde Pflanzen und kann als «echter» erster Schnitt verlustarm verfüttert werden.

«Ein früher Saat-Zeitpunkt, bereits im Juli, birgt für die junge Saat ein Risiko», erklärt Bruno Nabulon. «Sind die Keim-Bedingungen zudem noch gut, reichen einige trockene Tage, damit die Saat vertrocknet. Besonders anfällig ist Raygras.»

Mehr Risiko bei einjährigen Mischungen

Saaten im Juli sind für Trockenheit gefährdeter als solche ab Mitte August. Das Wetter erwies sich in den vergangenen Jahren in den Sommer-Monaten aber als wenig planbar. So vertrockneten im Sommer 2018 auch Saaten im August oder sie liefen erst verzögert auf.

«Als Kompromiss kann man den Aussaat-Zeitpunkt einzelner Parzellen staffeln.»Bruno Nabulon,Futterbau-Berater am Arenenberg TG
«Als Kompromiss kann man den Aussaat-Zeitpunkt einzelner Parzellen staffeln.»Bruno Nabulon, Futterbau-Berater am Arenenberg TG

«Das Risiko von Juli-Saaten kann am ehesten bei einjährigen Mischungen eingegangen werden», erklärt Bruno Nabulon. «Vertrocknet die Kultur, lässt sich dies einfacher verkraften als der Ausfall einer mehrjährigen Mischung.»

Je länger die Mischung genutzt werden soll, desto exakter muss die Saat erfolgen (Saat-Bett, Saat-Tiefe und Saat-Zeitpunkt). Damit der Klee gut überwintert, muss er bis spätestens Ende August gesät werden. Bei späteren Saaten steigt das Risiko, dass der Klee den Winter nicht überlebt.

Als Kompromiss lässt sich der Aussaat-Zeitpunkt einzelner Parzellen staffeln, anstatt mit einem frühen Saat-Termin alles auf eine Karte zu setzen. Wenn alles gut gelingt, kann man sich zwar ärgern, nicht die gesamte Fläche zum frühen Zeitpunkt gesät zu haben. Man kann sich aber auch am gestaffelten Aufwuchs freuen, wenn das Gras direkt verfüttert wird.



Walzen ist wichtigerals Bodenbearbeitung

Bei der flachen Stoppelbearbeitung mit mehreren Durchgängen wird die Verrottung der Stroh-Reste gefördert. Unkräuter und Ausfallgetreide werden dabei mechanisch bekämpft.

Dabei entsteht automatisch ein Saat-Bett für den Gras-Samen. «Ein ebenes Saat-Bett ohne Fahrspuren ist eine wichtige Voraussetzung, damit die Saat am Boden optimal platziert werden kann», weiss Futterbau-Berater Bruno Nabulon vom Arenenberg. «Mit der Walze werden die Keim-Bedingungen verbessert, weil so der Gras-Samen zu einem besseren Bodenschluss kommt.» Raygras keimt bei einer Sä-Tiefe von einem Zentimeter am besten. Klee und andere Gräser könnten auch mit einer Flach-Saat ausgebracht werden. Die Lohnunternehmer bieten zum Teil Sämaschinen mit verschiedenen Ablagetiefen an. Bei der Drill-Saat sind die Keimlinge jedoch etwas besser vor dem Vertrocknen geschützt.

Eine Kunstwiese benötigt zur Saat 20 bis 30 Kilogramm Stickstoff, am besten in mineralischer Form. Gülle kann vor der Saat eingearbeitet werden, damit die Entwicklung der Pflanze nicht behindert wird.

«Die Gülle muss aber gut verdünnt sein, wenn sie nach der ersten Nutzung eingesetzt wird», betont Futterbau-Berater Bruno Nabulon. Die jungen Pflänzchen sind noch empfindlich und könnten sonst verbrannt oder verschüttet werden.