Toni Küng, wann kann ein Getreidecenter von einer guten Ernte sprechen?
Toni Küng: Für uns ist sicher gut, wenn wir eine Phase mit konstant schönem Wetter haben. Das hat eine ausgeglichene Anlieferung und vor allem auch eine bessere Qualität beim Getreide zur Folge, weil die Gefahr für Auswuchs geringer ist.
Zentral ist aber auch die Menge. Je grösser die durchschnittliche Postengrösse, desto rationeller können wir alles bewirtschaften, denn die Anzahl Posten bleibt sich strukturbedingt in etwa gleich.
Welches sind die Erfolgsfaktoren für eine Getreideannahmestelle?
In erster Linie brauchen wir gutes Personal. Wir betreiben die Anlage mit nur drei festen Mitarbeitern. Dadurch können wir die Kosten tief halten. Es ist wichtig, dass diese Arbeiter die ganze Anlage kennen, bedienen und warten können. Das ermöglicht es uns, tiefe Gebühren zu erheben und den Landwirten gute Preise zu bezahlen. Ebenfalls ist natürlich eine leistungsfähige Anlage sehr wichtig.
Muss die Schlagkraft der Sammelstellen mit jener der Lohnunternehmer Schritt halten?
Die Lohnunternehmer haben immer leistungsfähigere Maschinen, welche innert kurzer Zeit enorme Flächen abernten können. Wir sollten entsprechend in der Lage sein, diese Ernte so rasch wie möglich anzunehmen. Das haben wir in den letzten Jahren dank Investitionen in der Höhe mehrer Millionen Franken erreicht.
Hilft die Digitalisierung für eine gute Getreideernte?
Die Technik kann sicher helfen. Drescher können beispielsweise hoffentlich die Feuchtigkeit messen, so dass wir weniger nachtrocknen müssen.
Lassen sich Engpässe vermeiden?
Je nach Wetter lassen sie sich nicht ganz vermeiden. Wir mussten auch schon Landwirte bitten, das Getreide gegen einen Rabatt bei sich zu Hause temporär einzulagern. Eine gute Planung und Einteilung für die Annahme kann aber bereits viel helfen.
Wie genau läuft diese Planung bei Ihnen ab?
Die Landwirte melden sich telefonisch, wann sie wie viel von welchem Getreide abzuliefern haben. Mit allen Getreidearten, Klassen und Labels haben wir 41 verschiedene Produkte, die wir separat einlagern müssen. So versuchen wir jeweils, die Annahme nach Produkten zu gruppieren. So nehmen wir beispielsweise zuerst Suisse Garantie Top-Weizen an, dann den Top-IP-Suisse-Weizen und anschliessend zum Beispiel Bio-Weizen.
Ist diese Planung in der turbulenten Erntezeit einfach?
Einfach nicht, aber machbar. Man muss konsequent bleiben und darf sich nicht unter Druck setzen lassen. Es gibt einige wenige, die drohen und ihr Getreide sofort abliefern wollen oder einfach plötzlich mit vollen Wagen vorfahren. Das geht heute aber einfach nicht mehr. Ich kann mich nicht erpressen lassen.
Wir haben unsere Linie, jeder Landwirt bekommt vorgängig telefonisch einen Termin, und diese Termine sind einzuhalten. Da gibt es nichts daran zu diskutieren.
Gibt es auch Nachtschichten?
Es gibt Spitzentage, wo wir von 4 bis 23 Uhr arbeiten und uns im Schichtbetrieb organisieren. Durchgehend wird aber nicht gearbeitet. Wir sind nur drei Mitarbeiter und brauchen etwas Schlaf, um unsere Arbeit sauber ausführen zu können. Es gibt zwar saisonale Aushilfen, jedoch ist es wichtig, dass immer genug Leute vor Ort sind, die die Anlage in- und auswendig kennen.
Welche Arbeiten stehen ausserhalb der Erntesaison bei Ihnen auf dem Programm?
Wir prüfen täglich die Temperaturen in den Zellen, verladen Getreide für unsere Kunden und kümmern uns viel um den Unterhalt der Anlage und die Sauberkeit.
Die Bedeutung der Hygiene hat in den letzten Jahren zugenommen. Zudem wir in unserem Getreidecenter ein Fünftel der inländischen Rapsmenge umgeschlagen. Dieser wird von der eingemieteten Firma Sildamin abgepresst.
Daneben steht natürlich immer auch die Büroarbeit mit Buchhaltung, Zahlungen und Projekten an. Ich schätze es aber sehr, dass ich auch beim Bedienen und Warten der An-
lage mitarbeiten kann.
Was ist Ihr Ziel für die Ernte 2018?
Ich hoffe, dass wir die Landwirte gut bedienen und ihnen attraktive Preise auszahlen können.
Wenn Sie einen Wunsch an die Landwirte äussern könnten: Was wäre das?
Das wäre zum einen die Pünktlichkeit bei der Abgabe. Zudem ist es sehr wichtig, dass die Lohnunternehmer sauber dreschen. Da gibt es grosse Unterschiede. Und den Landwirten rate ich, sich bezüglich Termin für das Dreschen nicht von den Lohnunternehmern unter Druck setzen zu lassen.