Ronny Köhli aus Kallnach ist zum Spargelprofi geworden. Der Junglandwirt ist mit dieser Kultur aufgewachsen. «Mein Vater hat 1995 erstmals Spargeln angebaut. Aufgrund der steigenden Nachfrage haben wir die Fläche laufend ausgedehnt», erinnert sich Köhli.
Heute kultiviert er die gefragte Delikatesse auf 10 Hektaren. Das Erste, was Köhli über Spargeln gelernt hat? Sie zu verkaufen. Heute vermarktet er die ganze Ernte selbst.
Köhli musste sich früh im Leben entscheiden, ob er auf die Spargel als Kultur setzen will. «Ich war 18 Jahre alt, und mein Vater hatte gesundheitliche Probleme. Damals war ich im letzten Lehrjahr und musste einen Grundsatzentscheid fällen: Den Betrieb runterfahren oder aber investieren?», sei die Frage gewesen.
Köhli hat sich für die Investition und somit für den Spargelanbau entschieden und eine weitere Hektare Spargeln gesetzt. Das war die Geburtsstunde vom Spargelhof Köhli.
Für Ronny Köhli ist das organische Wachstum seines Betriebs das Erfolgsrezept
Wer ins Spargel-Business einsteigen will, muss langfristig denken. Ist die mehrjährige Kultur einmal gesetzt, bleibt sie bis zu 12 Jahre auf derselben Parzelle bestehen. Wer also investiert, sollte sich das gut überlegen.
Köhlis Spargelanbau ist kontinuierlich gewachsen, in den letzten 10 Jahren um fast eine Hektare pro Jahr. Das organische Wachstum ist gemäss Ronny Köhli – seit 2015 Betriebsleiter – denn auch Teil des Erfolgsrezeptes für den Betrieb: Klein anfangen, langsam aufbauen, so Köhlis Devise. Das würde er jedem Interessenten ans Herz legen. Wichtig ist auch: «Man muss sich parallel zum Anbau der Kultur auch einen Markt aufbauen können.»
Köhlis Absatz verteilt sich über drei Kanäle: Den betriebseigenen Hofladen, Marktfahrer und kleinere Händler. Ziel war es von Anfang an, die Handelsmarge auf dem Betrieb zu behalten und nicht von einem Grossverteiler abhängig zu sein.
Jahrelang war die Situation so, dass die Nachfrage das Angebot überstieg. Dank den mittlerweile 10 Hektaren Fläche, auf denen in der Saison bis zu einer Tonne Spargel pro Tag geerntet wird, kann Köhli die Nachfrage heute zuverlässig abdecken.
«Ich wollte, dass unsere Kunden jederzeit genug Spargeln kaufen können und nicht zur Konkurrenz ausweichen müssen», erklärt Köhli. Kritisch wird es mittlerweile höchstens noch anfangs Saison, wenn das Wetter nicht recht mitspielt. Dann kauft Köhli teilweise Grünspargeln von anderen Betrieben zu, damit seine Kunden immer aus dem Vollen schöpfen können.
Den entscheidenden Erfolgsfaktor für die Direktvermarktung sieht der Spargelbauer darin, dass der Kunde den Hof immer mit einem guten Gefühl und natürlich dem von ihm gewünschten Produkt verlassen soll.
Darum verkauft er die Spargeln auch offen anstatt in den handelsüblichen Bünden. «Wenn jemand eine bestimmte Anzahl Spargelstangen haben will, so soll er die bei mir auch bekommen. Ich habe Kunden, die wollen immer genau acht dicke Weisse Spargeln», lacht Köhli. Während der Saison bietet er in seinem Hofladen, der jeden Tag geöffnet hat, über Zukäufe ein komplettes Sortiment an Lebensmitteln feil.
Die Spargelsaison dauert normalerweise ungefähr vom 20. April bis 20. Juni. In dieser Zeit ist Köhli in erster Linie am telefonieren, organisieren und koordinieren. «Mittlerweile fühle ich mich in dieser Zeit tatsächlich etwas wie ein Manager und Kundenbetreuer», lacht Köhli.
Einer allerdings, der in Überhosen dasteht und immer auch anpacken kann, wenn es sein muss. Da er die Arbeit auf dem Feld teilweise vermisst, arbeitet Köhli im Herbst bei einem Lohnunternehmer als Fahrer des Kartoffelroders.
Gutes Personal finden wird schwieriger, ist aber ein Erfolgsfaktor im Spargelanbau
Beim Spargelanbau befindet sich Köhlis Betrieb im Jahr 2019 in einer Konsolidierungsphase. Vieles ist optimiert: Die Kühlräume, das Personal, die Fläche und der Absatz passen zusammen.
Es fehlt aber nicht an Herausforderungen: Gutes Personal zu bekommen ist schwierig und ein wichtiger Erfolgsfaktor für die mit viel Handarbeit verbundene Kultur. Ebenfalls wird wichtig sein, dass die Preise für die weissen und grünen Spargeln stabil bleiben. Köhli selbst hat die Erfahrung gemacht, dass Aktionen den Produzenten nichts bringen. «Ich verkaufe nicht mehr Spargeln, wenn ich mit dem Preis runtergehe. Und den Preis anschliessend wieder anheben, ist hierzulande fast unmöglich.» In der Spargelhochburg Deutschland hingegen gehörten Preisschwankungen viel eher zur Tagesordnung, als in der Schweiz.
In einem nächsten Schritt möchte der Meisterlandwirt einen ganzjährigen Betriebszweig aufbauen. Welcher das sein wird, ist noch unklar.
Auch im Spargelanbau sei das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. «Optimieren kann man immer», weiss Köhli. Bevor er an den Preisen schraubt, will er die Kosten optimieren. Der wichtigste Faktor hier ist das Personal. «Kosten spare ich hier vor allem mit einer guten Planung, Einteilung und Führung der Arbeitskräfte», erklärt er.
Etwas eingeschlafen ist der Internetauftritt des Spargelhof Köhli – nicht die Lieblingsarbeit des Betriebsleiters, wie er gesteht. Aber: «Eigentlich reicht es mittlerweile, wenn auf der Website oder auf Facebook steht: Die Spargelsaison hat begonnen.»