Neue Wege in der Zucht

Swissgenetics schlägt neue Wege ein: Die grösste KB-Station der Schweiz investiert in eine Empfängerherde.

In der Genetikbeschaffung geht Swissgenetics, die grösste KB-Station der Schweiz, neue Wege. Um Embryonen rasch und erfolgreich übertragen zu können, suchte sie Betriebe, welche ihre Rinder als Träger- oder Leihtiere zur Verfügung stellen. «Wir hatten die Empfängerherde schneller zusammen als wir uns vorgestellt haben», bestätigt Roman Bohner von Swissgenetics, der zusammen mit Ulrich Witschi das Projekt betreut.

Handelsüblich bezahlt


Spätestens im Alter von zwölf bis dreizehn Monaten werden die Trägertiere angekauft oder ausgeliehen. Nach einer Gewöhnungsphase im Stall Heumoos in Ins BE werden die Rinder synchronisiert und ihnen danach ein Embryo übertragen. Nach bestätigter Trächtigkeit gehen sie wieder zurück auf den Partnerbetrieb. «Gesamthaft bleiben sie rund drei bis vier Monate im Heumoos und kalben zwischen 23 und 27 Monaten ab», sagt Roman Bohner. Für ein Trägerrind in der richtigen Kondition bezahlt Swissgenetics handelsübliche Marktpreise.

Mehr als 50 Prozent Import

Am 20. Juni war es soweit, die ersten Embryonen wurden übertragen. Pro Jahr sollen es gegen 300 sein. Bei einer Anwachsrate von 60% werden dafür gut 200 Empfängertiere benötigt. «Um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können, müssen wir in Zukunft schnell marktfähige Stiere aus den inländischen Genetikprogrammen anbieten können», so Bohner. Bedingt durch die genomische Selektion drehe sich der Genetikmarkt immer schneller. Die Sire Analysten seien deshalb stark gefordert, bei immer kürzeren Generationenintervallen die richtigen Entscheide zu treffen.

«Obwohl wir Embryonen aus dem Ausland importieren, sind wir weiterhin auf die beste inländische Genetik angewiesen», unterstreicht er. Bei Brown Swiss komme die Mehrheit der Embryonen aus dem Inland. Hingegen bei den Rassen Holstein und Red Holstein mehr als 50% aus dem Ausland. «Nur die beste Genetik hat auf dem Markt eine Chance, egal woher sie kommt», betont der Fachmann. Erst recht, seit mit der Liberalisierung ausländische Genetikfirmen auf den einheimischen Markt drängen.


Nur die besten 15 Prozent


Sind die Kälber einmal geboren, werden sie genomisch typisiert. Danach wird entschieden, mit welchen Tieren weiter gearbeitet wird. «Nur die besten 15% der Stier- sowie der Kuhkälber kommen in Frage.» Bisher konnte der jeweilige Betrieb, welcher das Empfängertier zur Verfügung stellte, das Kuhkalb zurückkaufen. Dies sei jetzt nicht mehr möglich: «Gute Tiere, die wir für die Weiterzucht nicht benötigen, gehen über Auktionen an die Züchter zurück», sagt Roman Bohner. Mit diesem System werde gewährleistet, dass alle Züchter die Chance haben, Spitzengenetik zu kaufen.


Können da die Schweizer Züchter ihre Stiere überhaupt noch verkaufen, wenn Swissgenetics selber weibliche Tiere besitzt? «Selbstverständlich, die Besten haben immer eine Chance.» Aber Bohner will nicht leugnen, dass es je nach Rasse in Zukunft nicht einfacher wird, einen Stier an Swissgenetics verkaufen zu können. Denn bei den Milchrassen gebe immer mehr der internationale Wettbewerb den Takt vor. Doch auch hier brauche es in Zukunft ET-freie Stiere.

«Daneben behaupten sich die Schweizer Originalrassen Simmental, Swiss Fleckvieh und Original Braunvieh sehr gut. Deshalb sollte die Bedeutung dieser Empfängerherde nicht überbewertet werden», betont er.

Und eines sei klar: «Die Bedürfnisse der Schweizer Züchter sind und bleiben unterschiedlich.» Nur schon deshalb verfolge Swissgenetics die Strategie, auch in Zukunft das Gros der Stiere aus bewährten Kuhfamilien bei den Züchtern zu beschaffen.


Peter Fankhauser

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