«Vor der Geburt ist nach der Geburt», brachte es Multiforsa-Tierarzt Thomas Fuchs auf den Punkt. Im Fachjargon heisst das allerdings metabolische Programmierung. Darauf ging Martin Kaske, Geschäftsführer von Kälbergesundheitsdienst, in seinem Referat am Multiforsa-Event ein. Die Farm Academy fand auf dem Weingut Schmid in Walzenhausen AR statt und widmete sich dem Thema «Kälberaufzucht und Jungvieh».
Einfluss auf Geburtsgewicht
Das Leben des Kalbes beginne nicht am ersten Geburtstag, sondern bereits während der circa 280 Tage der Trächtigkeit der Kuh. Bereits bei der trächtigen Kuh nehme man grossen Einfluss auf das Geburtsgewicht und die Gesundheit des neugeborenen Kalbes. Darauf ist laut Kaske zu achten:
- Setzen Sie Muttertiere keinem Stress aus. Vermeiden Sie Hitzestress während der Trockenstehperiode.
- Stellen Sie die Versorgung mit Spurenelementen und Vitaminen sicher.
- Sorgen Sie für eine systematische Prävention von Hypocalcämien bei allen mehrkalbigen Kühen.
Ad-libitum kommt gut an
Nach der Geburt müsse man die Fütterungsintensität aufdrehen, am besten mit Ad-libitum-Fütterung. «Ad-libitum-Kälber geben in der ersten Laktation 1000 kg mehr Milch. Das beweisen mehrere Studien», so Kaske. Die intensive Fütterung von Kälbern mit Milch während der Tränkeperiode beeinflussen nicht nur kurzfristig Gesundheit und Konstitution des Aufzuchtkalbes, sondern tragen langfristig zur Produktivität der Kuh bei. Das betreffe die Euterentwicklung, das Erstkalbealter und die Milchleistung.
Grosshungern ist falsch
«Was man vorne versäumt, kann man hinten nicht aufholen», sagte Martin Kaske. Dabei nahm er Bezug auf die veralteten Fütterungsempfehlungen zur Kälberaufzucht, die den restriktiven Einsatz von Vollmilch oder Milchaustauscher empfehlen sowie auf eine rasche Umstellung auf Kraftfutter beziehungsweise Heu setzen.
Laut Kaske sei Kraftfutter für Jungrinder wie Alkohol für Kinder. «Die früheren Fütterungsempfehlungen gipfeln im Grosshungern der Kälber», so Kaske. Die Kälber seien dann zwar gross, aber von schlechter Konstitution.
Viehsalz auf der Alp
Tierarzt Thomas Fuchs verstärkte mit seinen praxisorientierten Fütterungsempfehlungen das Referat von Martin Kaske. Fuchs betonte: «Die Versäumnisse beim Kalb und Jungrind lassen sich beim Rind nur noch bedingt korrigieren.» Trächtige Rinder könnten auf der Weide und der Alp ihren Bedarf aus dem Grundfutter nicht decken. Bei Weidebeginn steige zudem der Selen- und Vitamin-E-Bedarf stark an.
«Sparen Sie auch auf der Alp nicht bei den Mengen-, Spurenelementen und Vitaminen. In der Regel braucht ein Aufzuchtrind 10 bis 20 g Viehsalz täglich; insbesondere die Spurenelemente Selen, Zink, Kupfer und Kobalt», so der Rat von Thomas Fuchs, «sorgen für gesunde Aufzuchtkälber und Kühe.»

Zu Besuch beim Aufzuchtprofi Roman Züst
[IMG 2]Roman Züst hat sich auf die Vertragsaufzucht spezialisiert. 130 Plätze bietet er dafür auf seinem Hof Almendsberg in Walzenhausen an. Einen Teil der Kälber hält er im alten Stall, die anderen im 2016 errichteten Neubau. So wird gefüttert Grösstenteils sind Züst-Stallplätze von Kälbern dreier Milchviehhalter besetzt. Punkto Fütterung geht er auf Nummer sicher. Viehsalz, auch auf der Weide, steht allen Tieren frei zur Verfügung. Die Abtränker erhalten während 70 Tagen Milchpulver plus Heu, Silomais, Luzerne, Weizenkleie. Die abgetränkten Kälber bis neun Monate haben zudem freien Weidezugang. Die nächste Alterskategorie erhält bis zum Abkalben Grassilage, Heu/Emd plus eine spezielle Multiforsa-Mischung. Die trächtigen Jungrinder gehen zudem auf die Alp. Roman Züst will einen Mischwagen anschaffen, damit er die Ration für die kleineren Kälber bedarfsgerechter zusammensetzen könne. Vollweide rund um den Stall Von den 42 ha Naturwiesen nutzt er 15 ha als Vollweide, die sich praktischerweise rund um seine Ställe befinden. Mit dem Weiden beginnt Züst möglichst früh im Frühling. Er macht Altersgruppen je nach Weidegrösse und wechselt fleissig. Seine Schafe, 40 Mutterschafe, nutzt er vor allem im Herbst zum Nachweiden. Wichtig ist ihm die ein- bis zweimalige Entwurmungskur. «Dafür mache ich jeweils Kotproben. Es nützt nichts, irgendein Wurmmittel zu geben, das nicht spezifisch auf den Befall ausgerichtet ist», so Züst. Stier läuft mit Die Besamung erfolgt durch einen Maststier, der in der Herde mitläuft. Das Ziel sei ein Abkalbealter von 24 Monaten mit einem Lebendgewicht von rund 650 kg. Als Mitglied des Arbeitskreises Aufzucht des landwirtschaftlichen Zentrums ist Roman Züst fachlich immer à jour. Bewährt hätten sich die Richtpreise für Aufzucht.

