Seit zwei Jahren ist Markus Gerber aus Bellelay BE nun Präsident von Swissherdbook in Zollikofen BE. Rückblickend zwei intensive Jahre, wie er sagt. «Als einer der Höhepunkte darf sicher das 125-Jahr Jubiläum von Swissherdbook genannt werden. Aber auch das Einlesen der verschiedenen Dossiers und das Entwickeln von Strategien, um die Zusammenarbeit mit den anderen Verbänden weiter zu fördern, darf man als Präsident nicht unterschätzen.»
Ein Verband mit fast 10'000 Mitgliedern
Einen Verband zu führen, mit fast 10'000 Mitgliedern aus acht verschiedenen Rassen, sei alles andere als einfach. «Die unterschiedlichen Betriebsbedingungen – vom Tal- zum Hügel- bis hin zum Berggebiet – so vielseitig sind auch die Wünsche und Anforderungen der Mitglieder», lacht Markus Gerber. Er weiss wovon er spricht: «Schon bei der Beurteilung der Tiere scheiden sich die Geister.»
Die Ost- und Westschweizer setzen vor allem auf die lineare Beschreibung und die Berner eher auf die Beständeschauen. «Da diese jetzt vom Bund über die Absatzförderung finanziert werden, haben wir für alle Beteiligten eine gute Lösung gefunden. Die Restkosten werden nun von den Teilnehmern an den Beständeschauen bezahlt. Es findet somit keine Querfinanzierung statt», stellt Gerber fest. Für den Verband werde es aber jedes Jahr eine neue Herausforderung sein, die 300'000 Franken vom Bund sicherzustellen.
Wissen, wo in der Basis der Schuh drückt
Markus Gerber weiss, wie man die Dinge anpackt. Seine offene und ruhige Art ist sicher seine grosse Stärke. Er geht auf die Leute zu, nennt die Probleme beim Namen. Als Präsident und Landwirt weiss er, wo in der Basis der Schuh drückt. «Vor allem die momentane Lage auf dem Milchmarkt stimmt mich nachdenklich. Auch die Nutzviehpreise und der eingebrochene Viehexport ist alles andere als förderlich, um den rückläufigen Mitgliederbestand bei Swissherdbook entgegenzuwirken.»
Auch die immer grösser werdenden Betriebe, die ohnehin über die Melkstation oder den Roboter alle Daten vom Milchgehalt bis zur Milchqualität erhalten, stellen eine Mitgliedschaft in Frage. «Hier müssen wir immer einen Schritt voraus sein, um unseren Mitgliedern und Züchtern Neues anbieten zu können.»
Die Trächtigkeitsanalyse Fertalys sei der beste Beweis. «Als wir starteten, rechneten wir über alle Viehzuchtverbände mit 20'000 Proben pro Jahr, und heute liegen wir schon bei 150'000», sagt Gerber nicht ohne Stolz. Trotz dieser vielen Dienstleistungen muss Swissherdbook weiterhin mit einem Mitgliederrückgang zurechtkommen.
Kommt es früher oder später doch noch zu einer Fusion mit den anderen Verbänden? «In Zukunft gilt es sicher noch enger zusammenzuarbeiten, und dies kann in einer Fusion münden», sagt der Präsident.
Mitte Juni findet die Europameisterschaft statt
Mitte Juni kann die Schweizer Viehzucht an der Europameisterschaft in Colmar (Frankreich) wiederum zeigen, dass sie zu den Besten gehören. «Ja, Swissherdbook und der Holsteinzuchtverband wollen mit je 15 roten und schwarzen Kühen teilnehmen», bestätigte Markus Gerber. Das Vorbereitungsteam steht schon. Jean Siegenthaler, François Morand und Urs Buri werden die RH-Kühe selektionieren. «Auch hier werden wir mit dem Holsteinzuchtverband eng zusammenarbeiten. Bei der Auslese wird man sich gegenseitig auf schöne rote oder schwarze Kühe aufmerksam machen.»
Der Auftritt in Colmar ist aber nicht ganz billig. Zirka 10'000 Franken pro Ausstellungstier müsse man rechnen. So hat der deutsche Holsteinzuchtverband, auch aus Kostengründen, bekannt gegeben, die Teilnahme nicht mehr zu organisieren. Diese übernimmt jetzt eine private Gruppe.
Kann Markus Gerber diesen Entscheid nachvollziehen? «Ja. Wenn man ehrlich ist, profitiert von einer Europaschau vor allem der einzelne Züchter und nur zum Teil die gesamte Schweizer Viehzucht. Ich könnte mir gut vorstellen, dass in Zukunft die Verbände einen gewissen Betrag sprechen und für den Rest müssen die Aussteller über Sponsoren oder selber aufkommen.»
Rechtfertigt sich dann eine Teilnahme der Schweiz noch? «Ja. Denn immer mehr Länder machen an diesem Event mit. England war vor drei Jahren das erste Mal mit dabei. Und dieses Jahr will auch Irland teilnehmen. Dies zeigt, dass das Interesse der wichtigen Viehzuchtnationen gross ist und sie sich von diesem Event viel versprechen», sagt Gerber.
Er räumt aber ein, dass die Schweiz bis jetzt vor allem Kühe mit ausländischen Vätern präsentierte. «Hier haben wir sicher noch Potenzial, vermehrt einheimische Genetik zu zeigen. So hatte doch der RH-Stier Blitz in Holland einen sehr guten Ruf. Hingegen standen die Stiere Savard und Dominator nicht gross in der Gunst der deutschen Züchter.»
Ob die angemeldeten Nationen schlussendlich mitmachen, oder die Europaschau überhaupt stattfindet, stehe noch in den Sternen. «Wegen des milden Winters hat die Blauzungenkrankeit in einigen Ländern an Bedeutung gewonnen und eine Nichtteilnahme ist nicht auszuschliessen.» Spätestens im Frühling werde über eine Durchführung endgültig entschieden.
Den passenden Stier finden
Beim Stallrundgang merkt man, dass Markus Gerber Züchter durch und durch ist. Nicht eingeschränkt in der Farbe oder in der Genetik. «Ich versuche immer den passenden Stier, egal von welchem Anbieter, für die zu besamende Kuh zu finden. Ab und zu setze ich auch einen Holsteinstier ein», so der Züchter. Aber auch gegenüber neuen Technologien zeigt sich Gerber offen.
So wurde auf seinem Betrieb schon Embryotransfer durchgeführt. Auch gesexte Samendosen oder Genomstiere kommen zu Einsatz. In diese Stiere hat Gerber grundsätzlich grosses Vertrauen. «Wir dürfen in der genomischen Selektion auf keinen Fall den Anschluss gegenüber dem Ausland verlieren. Seit 2016 planen wir einen Austausch von Genotypen mit dem nordamerikanischen Konsortium für die Genomselektion, CDDR (Cooperative Dairy DANN-Respository). Somit haben wir auch mehr Basisdaten zur Verfügung, was die genomischen Resultate noch sicherer macht», stellt er fest.
Hier appelliert Gerber an die KB-Stationen. «Die Stierenproduktion muss weiterhin in den Händen der Züchter liegen. Ich bedaure es, wenn die Samenanbieter für teures Geld Rinder oder Kälber kaufen, um daraus selbst Genomstiere zu produzieren. Die Vielfalt der Stiere, deren Abstammungen und die verschiedenen Bedürfnisse der Züchter gilt es auch in Zukunft zu bewahren», sagt Markus Gerber klar und deutlich.
Peter Fankhauser

