Kurz & bündig
- Immer mehr Landwirte lassen einen Düngerplan erstellen. - Der Düngungsplan ist eine gute Basis für die Kulturführung. - Vegetation und Witterung müssen berücksichtigt werden. - Die Nachfrage nach stabilisierten N-Düngern steigt.
Die Düngerpläne, die Landor-Berater Matthias Wüthrich für seine Kunden erstellt, sind parzellenscharf. Wüthrich erstellt diese Pläne vor allem für Kunden in der Nordwestschweiz, vereinzelt auch überregional. Berücksichtigt werden Faktoren wie die Vorkultur, das Ertragsniveau, Ernterückstände oder die Bodenprobe. «Von Landwirt zu Landwirt sieht jeder Düngungsplan etwas anders aus», sagt Wüthrich. Auch ob Hofdünger wie Gülle, Mist oder Kompost eingesetzt werden, spielt eine Rolle.
«Der Düngungsplan ist zunehmend ein wichtiges Planungsinstrument für Ackerlandwirte geworden», sagt Matthias Wüthrich. Sofern der Dünger bei der Landor bezogen wird, ist die Zusammenstellung des betriebsspezifischen Düngerplans für Landwirte kostenlos.
Dank Düngungsplanung im Frühling rasch loslegen
Den grössten Nutzen sieht Wüthrich darin, dass die Produzenten mit einem Plan gut vorbereitet in die Saison starten. «Im Frühling muss es manchmal sehr schnell gehen, wenn das Wetter gerade passt. Da ist es dann schade, wenn man zuerst noch die genauen Gaben ausrechnen und beispielsweise feststellen muss, dass man zu wenig Mg-Ammonsalpeter an Lager hat», so Wüthrich.
Mit einer guten Düngerplanung kann man auch die Anzahl der verwendeten Dünger reduzieren. «Ein spezifischer Raps-Dünger mit Bor-anteilen lässt sich beispielsweise auch in Zuckerrüben einsetzen. Oft macht es Sinn, sich auf weniger Sorten Dünger zu beschränken und so Synergien zu nutzen.» Synergien nutzen, das heisst auch, dass die Düngerlagerung einfacher ist und grössere Mengen pro Einheit bestellt werden können, was wiederum günstigere Preise zur Folge hat.
Die Planung berücksichtigt auch die Hofdünger der Landwirte
Weil bei der Düngerplanung auch die Hofdünger berücksichtigt werden, führe der Plan in der Praxis manchmal auch zu einem bewussteren Einsatz von Gülle und Mist. «Im Bereich Hofdüngereinsatz lässt sich fast immer etwas optimieren. Hofdünger eignen sich keineswegs nur für den Einsatz im Futterbau. Sie, sondern lassen sich auch im Ackerbau sehr gezielt und gewinnbringend einsetzen», sagt Wüthrich.
Bei weitem nicht alle Landwirte lassen von externer Seite her einen Düngerplan rechnen. Viele erledigen diese Arbeit selbstständig. Einen wichtigen Anlass dazu bietet der Frühbezugsrabatt. Um diesen realisieren zu können und nicht unnötig viel Lagerraum für Dünger zu benötigen, sollte man wissen, wie der Bedarf der Kulturen für die kommende Anbausaison ungefähr aussieht. Steht der Düngerplan zu diesem Zeitpunkt noch nicht, kann in vielen Fällen auf die Zahlen des Vorjahres zurückgegriffen werden – sofern keine massiven Änderungen in der Fruchtfolge vorgesehen sind.
Die Düngung selber planen geht auch
Um selbstständig einen Düngerplan zu erstellen, gibt es diverse Programme oder Tabellen als Hilfsmittel. Auch die Landor stellt solche Formulare zur Verfügung. Matthias Wüthrich kennt allerdings kaum Landwirte, welche diese nutzen. «Wenn man nur einmal im Jahr einen Düngerplan rechnen muss, ist das ziemlich komplex und braucht seine Zeit. Da macht es durchaus Sinn, diese Arbeit extern zu vergeben. Mit der Routine weiss man genau, welche Punkte zu beachten sind und man ist dadurch sehr effizient», so der Berater. Zudem werde der Plan mit den Bauern noch besprochen, was ebenfalls nützlich sei. «Zwei Köpfe sind meistens schlauer als einer», sagt Wüthrich.
Auch wenn ein Plan eine gute Basis ist, so ist es dennoch wichtig, dass man als Produzent flexibel bleibt. «Der Düngungsplan ist ein Richtwert, der im Voraus für das kommende Jahr berechnet wird», sagt Matthias Wüthrich. Es sei in jedem Fall sehr wichtig, die jeweilige Situation im Feld richtig beurteilen zu können:
- Gab es viel Winter-Niederschläge und wurde entsprechend viel Stickstoff ausgewaschen, was zu tiefen N-min Werten führt? Dann ist die Startdüngung allenfalls leicht nach oben zu korrigieren.
- Habe ich den Weizen etwas zu dicht gesät und muss befürchten, dass der Bestand bei intensiver Andüngung zu stark bestockt und Lagerung droht? Dann ist die Startdüngung nach unten zu korrigieren.
Den Fokus nicht bloss auf Stickstoff-Düngung legen
Aus Erfahrung weiss Matthias Wüthrich, dass bei der ganzen Düngung bei vielen Landwirte in erster Linie der Stickstoff im Fokus steht. «Der Phosphor geht dabei manchmal fast etwas vergessen», sagt Wüthrich. Es nütze nichts, einfach die Stickstoffmenge zu erhöhen, wenn der Phosphor der limitierende Faktor in einer Kultur ist, zitiert Wüthrich das «Gesetz des Minimums».
Wüthrich stellt auf den Betrieben, die er betreut, eine leichte Polarisierung fest. «Es gibt eine Tendenz, dass die Betriebe entweder eine eindeutig intensive Strategie oder eine klar extensive Strategie fahren.» Etwas überspitzt gesagt: Entweder, man reize die vorhandenen Möglichkeiten so gut es geht aus, oder aber man reduziere den Input deutlich und ernte, was es eben gibt.
Absatzseitig stellt Matthias Wüthrich einen laufenden Anstieg der Nachfrage nach stabilisierten N-Düngern wie Produkten zur Hofdüngerstabilisierung wie (beispielsweise Piadin) fest. «Das kommt dem Bedürfnis der Landwirte nach Flexibilität und Arbeitsvereinfachung entgegen», vermutet der Berater. Punkto Hofdünger gibt Wüthrich zu bedenken, dass es gerade im Getreide wichtig sei, dieses frühzeitig zu güllen. «Je nach Art der Gülle kommt die Wirkung erst ziemlich spät, wenn das Getreide bereits am Abreifen ist. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Stickstoffschub unerwünscht und verhindert ein rechtzeitiges, gleichmässiges Abreifen.»
Bei Mist ist die Wirkung noch einmal schwieriger vorherzusagen. «Damit Mist gezielt eingesetzt werden kann, wäre es wichtig, dass er vor dem Ausbringen bereits verrottet ist. Generell empfiehlt Wüthrich, den Mist in Kulturen mit langer Vegetationszeit wie beispielsweise im Mais einzusetzen.
Zu Vegetationsbeginn mineralisch andüngen ist wichtig
Auch wenn es an manchen Orten durchaus Sinn mache, einen Teil des Bedarfes der Kulturen über Hofdünger zu decken – auch, wenn diese von anderen Betrieben zugeführt werden. Dennoch hat die mineralische Düngung ihre Vorzüge. «Gerade zu Vegetationsbeginn ist eine mineralische Andüngung sehr wichtig. Die Bodentemperatur ist noch tief, und es findet noch keine Stickstoff-Mobilisierung im Boden statt. Da ist es für gute Erträge wichtig, den Kulturen sofort verfügbaren Stickstoff in mineralischer Form zur Verfügung zu stellen», sagt Wüthrich.
Keine Option ist die mineralische Startdüngung für Biobetriebe. Aber auch im Bereich Bio-Dünger stellt Wüthrich eine steigende Nachfrage fest. Gemäss seiner Erfahrung macht ist es hier oftmals sinnvoll, bereits einen Teil der Nährstoffe im Herbst zur Saat zu geben, da die langsam wirkenden Stickstoffdünger im Frühling erst zu spät für die Kulturen verfügbar werden.
Dünger ist ein Kostenfaktor, gemeinsam bestellen lohnt sich
Insbesondere für reine Ackerbaubetriebe ist der Dünger ein wichtiger Kostenfaktor. Um die Ausgaben im Griff zu haben, lohne es sich, früh zu bestellen und von Rabatten zu profitieren. Auch gemeinsame Bestellungen mit Berufskollegen können sich lohnen, da bei grossen Mengen auch günstigere Preise realisiert werden können. Der günstigste Stickstoffdünger ist Harnstoff. «Im Ausland wird viel häufiger Harnstoff eingesetzt als in der Schweiz. Das ist zwar günstiger, die Düngung erfolgt dann aber weniger präzise», erzählt Wüthrich.
Schweizweit wird ein sehr breites Sortiment an Spezialdüngern angeboten, die Nachfrage danach ist intakt. Am meisten verbreitet ist hierzulande der Ammonsalpeter mit 27 Prozent Stickstoff und 2,5 Prozent Magnesium. Aber auch der 24-prozentige Ammonsalpeter mit Magnesium und Schwefel werde immer häufiger verkauft.
Parzellenbedarf pro ha

Der Nährstoffbedarf pro Parzelle wird auf Basis der «Grundlagen für die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in der Schweiz (GRUD 2017) ermittelt. Nebst der Kultur spielt das zu erwartende Ertragsniveau eine Rolle. Auch die Ernterückstände der Vorkultur – z.B. Häckselstroh bei Raps – werden berücksichtigt, genauso wie auch die Ergebnisse der Bodenproben. Der Parzellenbedarf bildet die Grundlage für den Düngungsplan.
Düngerplan

Oben abgebildet ist ein Beispiel eines Düngungsplanes für einen intensiv geführten Winterweizen mit einem zu erwartenden Ertrag von 80 dt pro Hektare. Eine Grunddüngung mit P und Mg erfolgt vor der Saat im Herbst. Die Andüngung erfolgt mineralisch, auch eine Güllegabe von 30 m3/ha ist enthalten. Die Gülle ist meistens erst als Schossergabe anzurechnen. Der Mineraldünger wird in diesem Beispiel auf drei Gaben verteilt, andere Strategien – z.B. Abschluss der mineralischen Düngung mit Harnstoff Ende Bestockung – sind auch denkbar. Je nach Jahr und Region sind die Bedingungen zum idealen Zeitpunkt für die dritte Gabe jedoch zu trocken, als dass der Dünger noch gut aufgelöst werden könnte.

