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Heuhandel: Kleinballen und hohe Qualität sind gefragt

Der Heuhandel ist in guten Jahren wichtig, um Überhänge abzubauen. Lohnunternehmer Werner Steinmann aus dem aargauischen Brittnau handelt seit 20 Jahren mit Heu. Die Kleinballenpresse und das Dosiergerät kommen am häufigsten zum Einsatz.

Wer auf den Betrieb der Lohnunternehmer Maurer Steinmann & Partner AG im aargauischen Brittnau kommt, denkt nicht als erstes an den Heuhandel. Grosserntemaschinen wie Maishäcksler und Mähdrescher stehen in der Halle. Und doch hat auch das Dürrfutter seinen Platz in der Firma.

«Seit rund 20 Jahren handeln wir mit Heu», sagt Werner Steinmann, gelernter Landwirt und heute reiner Lohnunternehmer. Für ihn als Lohnunternehmer hat der Heuhandel einige Vorteile. Einerseits könne er die Maschinen so auch im Winter besser auslasten, und andererseits erbringe er so eine wichtige Dienstleistung für seine Kunden, die je nach Jahr zu viel oder zu wenig Futter hätten, erklärt Steinmann.

Heu verkaufen: Lohnt es sich ohne eigene Tierhaltung?

Was soll ein Landwirt mit seinen Grünflächen tun, wenn er selber aus der Tierhaltung ausgestiegen ist? Werner Steinmann ist der Ansicht, dass es durchaus interessant sein kann, weiterhin Heu zu produzieren und dieses im richtigen Moment zu verkaufen.

«Die Voraussetzung dazu ist, dass man gut eingerichtet ist. Es braucht einen guten Heuraum mit Belüftung, Kran und möglichst guter Zufahrt», so Steinmann. Viele Landwirte können bei der Heuproduktion die Kosten tief halten, weil sie alles selber machen können.

«Die meisten ehemaligen Tierhalter haben noch ein Mähwerk, Zetter und Schwader und einen Ladewagen. So muss man für die Heuproduktion
keinen Lohnunternehmer und auch keine Hagelversicherung bezahlen. Es ist immer sinnvoll, eine bestehende Infrastruktur zu nutzen.»

Hat der Landwirt ein Lager, kann er mit dem Verkauf von Heu auch etwas zuwarten, bis er einen Abnehmer hat, der einen guten Preis bezahlt. Jedoch schwanken die Heupreise meistens nicht sehr stark. Eine Ausnahme bildete hier das sehr trockene Jahr 2018 (siehe Interview mit Fabian Gut).

Steinmann weiss aus Erfahrung, dass belüftetes Heu problemlos drei Jahre gelagert werden kann. In der Praxis geschieht dies aber eher selten: Die Landwirte brauchen den Platz wieder, um die neue Ernte einzulagern.

Auch Pferdehalter wollen sehr hohe Qualität

Rund 80 Prozent des von Steinmann gehandelten Heus gehen in die Pensionspferdehaltung. «Es ist nicht mehr so, dass Pferdehalter einfach nur Ökoheu möchten», weiss Steinmann. Wichtig sei, dass das Heu eine gute Struktur habe. Er empfiehlt daher für Produzenten, die ihr Heu an Pferdebetriebe weiterverkaufen möchten: «Den ersten Schnitt sollte man nicht zu sehr mit Dünger treiben. Ansonsten besteht das Risiko, dass das Gras plötzlich am Boden liegt. Beim zweiten Schnitt ist es hingegen wichtig, dass man ihn genug alt werden lässt, damit auch das Emd ausreichend Struktur hat», erklärt Steinmann.

Die Heuimporte in die Schweiz sind mit weniger Ausnahmen ziemlich konstant. Quelle: Schweizer Raufutterverband
Die Heuimporte in die Schweiz sind mit weniger Ausnahmen ziemlich konstant. Quelle: Schweizer Raufutterverband



Die Pferdebetriebe – darunter einige mit Sportpferden – können so Kraftfutter einsparen, wenn sie ein gehaltvolles Heu füttern. Hobbyhalter würden dem qualitativ sehr guten Heu teilweise Stroh beimischen, um die hohen Gehalte etwas zu verdünnen und ihre Tiere bedarfsgerecht zu füttern.

Kleinballen sind gefragt, Steinmann bringt sie den Kunden

Den Grossteil seines Heus presst Steinmann bei Landwirten aus dem Stock in Kleinballen und führt diese zu seinen Kunden. Das hängt sicher auch damit zusammen, dass auf Pferdebetrieben das Handling mit Kleinballen einfacher ist.

Pferdebetriebe waren schon immer die Hauptabnehmer von Heu für die Maurer Steinmann & Partner AG. «Wenn Industriemilch-Produzenten noch Geld für Futterzukäufe ausgeben müssen, dann wird es finanziell ganz schwierig», vermutet Steinmann.

Auch Heu kann man leasen und etappenweise bezahlen

Damit Steinmann jeweils ganze Fuder mit Kleinballen liefern und so den Aufwand für die Logistik gering halten kann, bietet er auch eine Art «Leasing» an. «In solchen Fällen bringen wir jeweils direkt ein ganzes Fuder Heu, und der Kunde bezahlt es dann in Etappen», erklärt Steinmann. Den Aufwand für das Abladen verrechnet der Lohnunternehmer nach Aufwand. So spiele es auch keine Rolle, wie viele Personen beim Ablad helfen.

Der Handel mit Heu ist – wie auch der Handel mit Siloballen – ein Vertrauensgeschäft. Eine Futteranalyse wird kaum je gemacht. Aus diesem Grund kauft Steinmann das Dürrfutter gerne direkt ab Stock. «Dort sehe ich die Ware, kann daran riechen und das Heu beurteilen», erklärt Steinmann. Es sei auch schon vorgekommen, dass er Heu ablehnen musste, weil es grau und staubig war.

Den Transport erledigt Steinmann mit Traktor und Wagen. Er hat ein kleines Heulager bei sich auf dem Betrieb und sucht noch nach einem Stock, den er bei einem Bauern mieten könnte.

«Das wäre natürlich auch eine Option für Landwirte die auf viehlos umgestellt haben: Den Stock zu vermieten», sagt Steinmann. Für ihn hätte dies den Vorteil, dass er so von A bis Z die ganze Heu-Qualität in den eigenen Händen hätte.