Othmar Vollenweider ist beim Bauernverband Aargau angestellt und bewirtschaftet selber einen 25 Hektaren grossen Betrieb mit Ackerbau und Munimast in Oberrüti AG. Er ist von den Vorzügen von Hofdünger im Ackerbau überzeugt.
Othmar Vollenweider, Güllelagerraum ist an sehr vielen Orten in der Schweiz gesucht. Wie kommt das? Die Betriebe wären ja rechtlich verpflichtet, ausreichende Lagerkapazitäten für ihre Hofdünger aufzuweisen.
Othmar Vollenweider: Grundsätzlich stimmt das. Aber gerade bei Vergärungsanlagen wurden die Input-Mengen gesteigert, ohne dass die Endlager entsprechend angepasst wurden. Stattdessen werden diese Endlager direkt beim Endverbraucher – dem Landwirt – gemietet. Das macht aus meiner Sicht absolut Sinn, da der Transport zum Endverbraucher sowieso irgendwann stattfindet. So können auch Arbeitsspitzen beim Transport im Frühling gebrochen werden. Und der Landwirt kann dadurch sein freies Güllegrubenvolumen vermieten. Eine dichte Güllegrube und eine gute Zufahrt sind weitere Voraussetzungen.
Derzeit ist Hofdünger aufgrund der hohen Mineraldüngerpreise besonders attraktiv. Ist davon etwas in der Praxis zu spüren?
Ja, die Nachfrage hat deutlich angezogen. Ich wünschte mir, es wäre immer so. Denn es macht absolut Sinn, regionale Hof- und Recyclingdünger einzusetzen. Der Wert von Gülle und Mist wird in der Praxis nach wie vor unterschätzt.
[IMG 1] Auch wenn die Düngerpreise wieder einmal sinken sollten, ist organischer Dünger – ob Gülle, Mist oder auch Kompost – wirtschaftlicher als Handelsdünger.
Kann es auch Sinn machen, sein Güllelager zu vermieten, ohne die Gülle zu übernehmen und auf seinem Betrieb einzusetzen?
Auch solche Angebote nehmen die Anlagen gerne an. Mit Hoduflu kann die Zu- und Wegfuhr nachvollziehbar aufgezeichnet werden. Sobald die zugeführte Menge mit eigenen Hofdüngern oder Hausabwasser vermischt wird, ist es aber unerlässlich, den Gehalt der abzugebenden Mischgülle entsprechend dem Mischverhältnis neu zu berechnen.
Welche Preise werden für Güllelagerraum bezahlt?
Es kommt darauf an, ob die Gülle übernommen und selber auf dem Betrieb ausgebracht wird, oder ob der Lohnunternehmer die Gülle wieder abholen und anderweitig Abnehmer suchen muss. Für Güllelager wird zwischen zwei und vier Franken pro Kubikmeter bezahlt, für das Ausbringen je nach Fahrdistanz fünf bis acht Franken pro Kubikmeter.
Bringt die Übernahme von Hofdünger- oder Recyclingdünger bereits im Winter weitere Vorteile?
Ja. Es lassen sich so Arbeitsspitzen brechen, wenn die Gülle bereits im Winter zum Endverbraucher gebracht werden kann. Als Landwirt hat man die Sicherheit, die Gülle ausbringen zu können, sobald die Bedingungen passen. Man muss dann nicht noch auf den Lohnunternehmer warten, der die Gülle zuführt und in der heissen Phase lange Fahrzeiten auf der Strasse hat.
Unsere Rückmeldungen von mehreren Landwirten aus der Praxis sind folgende: Seit Gärgut oder Gärgülle in die eigene Rindergülle eingemischt wird, sei die Gärung im Gülleloch deutlich aktiver. Es scheint, dass die bioaktive Gärgülle aus einer Biogasanlage zusätzlichen Schub bringt. Der Strohdeckel lasse sich dadurch im Frühling wesentlich besser aufrühren.
Was würden Sie einem Landwirt mit zu viel Güllelagerraum empfehlen?
In meinen Augen ist es sinnvoll, Hofdünger von Berufskollegen oder von Biogas-Anlagen zu übernehmen und möglichst auf dem eigenen Betrieb einzusetzen. Mit der Vermietung bekommt man zudem einen Beitrag an die Kosten für Amortisation und Unterhalt – ein Gülleloch ist schliesslich nicht gratis.
Bei wem kann man sich melden?
Direkt bei Berufskollegen oder Lohnunternehmern, die Gülle transportieren. Diese wissen in der Regel genau, wer Gülle abgeben muss und Platz braucht und fungieren hier als Vermittler.

