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Fruchtfolgegemeinschaft Le Grillon: Breiter aufgestellt für schwierige Jahre

Die Fruchtfolgegemeinschaft von David Brand, Sébastien Wenger und Nicolas Pavillard hat sich von einer intensiven Minimalfruchtfolge zu einem vielfältigen Kreislaufsystem entwickelt. Die eigene Futterverarbeitung und eine Biogasanlage machen den Betrieb unabhängiger und widerstandsfähiger.

Kurz & bündig

  • Mehr Kulturen in der Fruchtfolge senken das Risiko. Wenn Zuckerrüben in einem schwierigen Jahr schwächeln, können andere Kulturen Ertrag bringen. 
  • Eigene Tiere, Futter und Biogas schliessen Nährstoffkreisläufe und senken den Düngerzukauf. 
  • Lagerung und eine flexible Fruchtfolge helfen, schlechte Erntejahre wirtschaftlich abzufedern.

90 Prozent der Fruchtfolgefläche wurden dieses Jahr vom Hagel getroffen. Beim Winterweizen gingen rund 50 Prozent des Ertrags verloren, bei der Gerste waren es bis zu 90 Prozent. Dazu kam die lange Trockenheit, welche auch den Zuckerrüben zusetzte. «2025 war ein gutes Jahr, ein Jahr später ist wieder speziell», sagt Nicolas Pavillard. Gerade in einem solchen Jahr zeigt sich, was eine vielfältige Fruchtfolge leisten kann.

Die drei Landwirte David Brand, Sébastien Wenger und Nicolas Pavillard arbeiten seit 2007 in einer Fruchtfolgegemeinschaft zusammen. Insgesamt bewirtschaften sie rund 215 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche, rund 190 Hektaren davon fliessen in die gemeinsame Fruchtfolgeplanung ein. Ihr Ziel: eine Fruchtfolge, die für alle drei Betriebe funktioniert.

Nicolas Pavillard erklärt, dass die Fruchtfolge zu Beginn des Projekts noch ganz anders aussah als heute.

Der Weg von der Marge zur Vielfalt

Zu Beginn hatten nicht alle Betriebe die gleichen Kulturen. Schritt für Schritt wurden diese angepasst. Als erste Massnahme optimierten die drei ihre Fruchtfolge konsequent nach der Wirtschaftlichkeit. Entscheidend war die Nettomarge: Eine Kultur musste sich selbst tragen.

Das Ergebnis war eine intensive Minimalfruchtfolge aus Zuckerrüben, Raps, Brotweizen und Eiweisserbsen. Rund die Hälfte der Fläche bestand aus Brotweizen. Gerste und Kunstwiesen hatten damals wenig Platz. Die drei Landwirte hielten kaum Tiere, und auch die Preise für Heu, Silage und Emd waren zu tief, um den Aufwand für Kunstwiesen zu rechtfertigen. «Es war sehr effizient, eigentlich wenig Arbeit, intensiv geführt – aber eben auch lukrativ.»

Mit der Zeit änderten sich jedoch die Anforderungen. Gewässerschutz, Düngung, Pflanzenschutz und Ressourcenschutz wurden wichtiger. Vor allem stellte sich eine grundsätzliche Frage: Wie lässt sich die Bodenfruchtbarkeit langfristig sichern, wenn kaum Tiere und damit wenig Hofdünger vorhanden sind?

Die Abhängigkeit war gross. Jedes Jahr wurden rund drei volle Lastwagen Stickstoff auf den Betrieb gebracht. Gleichzeitig war die P- und K-Bilanz stark defizitär; nur rund 40 Prozent des Bedarfs waren gedeckt. Auch wirtschaftlich war die starke Konzentration auf wenige Kulturen riskant.

Ein Beispiel dafür zeigte sich 2024. Hätten sie damals noch vollständig auf ihre vier Hauptkulturen gesetzt, hätte ein Ertragsverlust von rund 40 Prozent bei diesen Kulturen grosse wirtschaftliche Schwierigkeiten verursacht. «Wenn man nur auf wenige Kulturen setzt, hat man in extremen Jahren ein Problem», mahnt Nicolas Pavillard. Die Fruchtfolge musste also breiter werden.

(Bild: )

Kühe und Schweine bringen neue Möglichkeiten

Viele Kulturen, die für eine vielfältigere Fruchtfolge passend wären, sind als reine Marktfrüchte jedoch nicht besonders lukrativ. Beispielsweise lohnt es sich kaum, Futtergerste zu produzieren und anschliessend zu verkaufen.

Die Lösung lag für Nicolas Pavillard und seine zwei Kollegen nahe: sein Vater führte bereits eine Metzgerei. Seit 2008 gibt es dazu einen Laden, und Schweine- und Rindfleisch wird seit rund 20 Jahren direktvermarktet. Die Absatzstruktur war damit bereits vorhanden.

«Die Idee der eigenen Wertschöpfung kam auf», sagt Nicolas Pavillard. Kulturen, die sich als reine Marktfrüchte kaum rechnen, können über die Tierhaltung veredelt werden. Dazu wurde die Tierhaltungsgemeinschaft «Ferme Champ du Bois» mit 70 Mutterkühen und Mastrindern sowie 340 Mastplätzen für Schweine und einer Biogasanlage ins Leben gerufen. Die Ställe und die Biogasanlage wurden 2018 gebaut.

Damit fanden unter anderem Kunstwiesen, Mais, Gerste, Eiweisserbsen und Futterweizen wieder einen Platz in der Fruchtfolge. Die Kulturen werden nicht mehr isoliert betrachtet, sondern als Teil eines Gesamtsystems. Die Fruchtfolge ist heute nun deutlich breiter: Kunstwiese, Winterweizen oder Mais, Gründüngung, Raps oder Sonnenblumen, Futtergerste, Zuckerrüben, Getreide, Winterweizen, teilweise Dinkel, Eiweisserbsen und Futterweizen wechseln sich ab. Auch die Vermarktung ist eng damit verbunden. Die Metzgerei kauft das Fleisch zu einem fixen Preis ab und übernimmt jedes Kilogramm. Für die Landwirtschaft bedeutet dies Planungssicherheit. Jede Woche werden rund 20 Schweine geschlachtet.

Wer genau hinschaut, erkennt das System: Futterrohr, Schweinestall und Biogasanlage stehen sinnbildlich für einen Betrieb, in dem Tierhaltung, Ackerbau und Energieproduktion eng zusammenspielen. (Bild: «die grüne» / Gil Rudaz)

Futterproduktion vom Feld bis in den Trog

Mit dem Bau der Ställe investierten die drei auch in ein eigenes Getreidelager und eine kleine Mühle. Futterweizen und Gerste können nach dem Drusch im eigenen Silo gelagert, gereinigt und anschliessend gemahlen werden. Das Futter geht direkt nebenan zu den Schweinen.

In der betriebseigenen Mühle wird ein Teil des Getreides zu Schweinefutter verarbeitet. (Bild: «die grüne» / Gil Rudaz)

Die gesamte Futterration der Mastschweine stammt aus eigener Produktion. Auch die Verarbeitung der Futtermittel geschieht weitgehend auf dem Hof, nur der Raps geht den Umweg über einen Verarbeiter und kommt wieder als Rapsschrot zurück.

Das Ziel ist klar: möglichst viele Kreisläufe schliessen.

Auch das Stroh bleibt auf dem Betrieb. Die Schweine und die Rinder werden auf Tiefstreu gehalten. Damit können die drei Landwirte das Stroh von rund 70 Hektaren Getreide selbst nutzen. Der anfallende Hofdünger gelangt zunächst in die eigene Biogasanlage. Dort wird daraus Strom produziert, anschliessend wird der Gärrest wieder als Dünger eingesetzt.

Die Biogasanlage verarbeitet zudem Material von drei weiteren Betrieben. Rund 12 Prozent des Inputs stammen aus Kaffeesatz und Melasse. Der produzierte Strom reicht für rund 350 Haushalte, ungefähr so viel, wie die beiden benachbarten Dörfer benötigen.

Auch bei den Nährstoffen zeigt sich der Effekt des Systems. Den Stickstoff-Kunstdüngereinsatz konnten sie um rund einen Drittel reduzieren. Rund 90 Prozent des Phosphorbedarfs werden mit eigenen Hofdüngern gedeckt.

Einer im Betrieb behält den Boden im Blick

Bei einem so grossen Betrieb mit vielen Kulturen braucht es jemanden, der den Überblick behält. Im Falle der Fruchtfolgegemeinschaft Le Grillon ist dies Tanguy Gander, der als Fruchtfolgechef für die Kulturen und deren Wohlergehen verantwortlich ist. Für ihn steht die Bodenfruchtbarkeit im Zentrum. Die organische Substanz soll erhalten oder erhöht werden. Hofdünger und Gründüngungen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Was die Trockenheit sonst verhindert hätte, hat der Raps möglich gemacht: Die Untersaat konnte im Schatten des Bestands aufwachsen und bedeckt nach der Ernte nun den Boden. (Bild: «die grüne» / Gil Rudaz)

Auch Untersaaten gehören dazu. Im Raps wird beispielsweise gleichzeitig Klee eingesät. Wenn der Raps im Juli gedroschen wird, ist der Boden bereits bedeckt. Die Untersaat kann anschliessend als Futter genutzt oder in den Boden eingearbeitet werden. Gleichzeitig bietet der blühende Klee im August Nahrung für Bestäuber.

Insgesamt stehen auf dem Betrieb fast 60 Hektaren Zwischenfrüchte beziehungsweise Gründüngungen.

Weniger Pflanzenschutz bedeutet mehr Planung

Die vielfältige Fruchtfolge soll auch helfen, Pflanzenschutzmittel einzusparen. Zwischen 2010 und 2020 konnte der PSM-Einsatz um rund 50 Prozent reduziert werden. Brotweizen und Sonnenblumen werden PSM-frei produziert, Fungizide kommen praktisch nicht mehr zum Einsatz.

Doch weniger Pflanzenschutz bringt neue Herausforderungen. Vor allem Gräser sind problematisch. Die reduzierte Bodenbearbeitung hat ihre Grenzen. Nachdem in den 1990er-Jahren fast vollständig pfluglos gearbeitet worden ist, kommt der Pflug heute nun wieder punktuell zum Einsatz.

Bei Blacken und Ackerkratzdisteln hilft inzwischen auch moderne Technik. Die Unkrautbehandlung wird meistens bereits in der Zwischenfrucht durchgeführt. Mit der KI-gesteuerten Pflanzenschutzspritze ARA von Ecorobotix können die Unkräuter gezielt und selektiv behandelt werden, während die Gründüngung stehen bleibt. Dadurch können die Zwischenfrüchte frühzeitig gesät werden, ohne dass die Unkräuter später die Oberhand gewinnen.

Die Maschine wird dabei vom Lohnunternehmen gemietet, das von Nicolas Pavillard geführt wird. Auch die grosse Mehrheit der Maschinen, die auf dem Betrieb zum Einsatz kommen, stammen von diesem Lohnunternehmen.

Nicht alles ist dabei bereits ausgetüftelt. Welche Mischungen bei den Zwischenfrüchten am besten funktionieren, wird weiterhin ausprobiert. Auch die Untersaaten entwickeln sich nicht jedes Jahr gleich.

Nicolas Pavillard und Tanguy Gander inspizieren den Zuckerrübenbestand. Die Rüben haben nicht nur unter der Trockenheit gelitten, auch Hagel und der Rübenrüssler setzen der Kultur zu. (Bild: «die grüne» / Gil Rudaz)

Die Fruchtfolge bleibt immer in Bewegung

Genau das gehört für die drei Landwirte zur Fruchtfolge dazu. «Wenn die Fruchtfolge fertig ist, hat sich der Betrieb schon wieder verändert», sagt Nicolas Pavillard. Neue Kulturen, veränderte Wetterbedingungen, neue technische Möglichkeiten oder Probleme mit Krankheiten und Schädlingen verlangen laufend Anpassungen. So soll beispielsweise Getreide künftig nicht mehr direkt auf Zuckerrüben folgen, um die Ausbreitung der Schilf-Glasflügelzikade zu verhindern und damit das Risiko für das Syndrome Basses Richesses (SBR) zu reduzieren.

Für die Zukunft überlegen sie deshalb beispielsweise, Soja anzubauen. Auch die Biodiversität soll stärker in die Planung integriert werden. Gemeinsam mit der Schweizerischen Vogelwarte starten sie 2026 ein Projekt, um zu untersuchen, wo welche Biodiversitätsförderflächen den grössten Nutzen bringen können. Denn die Ziele der Fruchtfolgegemeinschaft haben sich verändert. Früher stand vor allem die maximale Wirtschaftlichkeit einzelner Kulturen im Vordergrund. Heute zählen auch Bodenfruchtbarkeit, Nährstoffkreisläufe und das unternehmerische Risiko.

Nicht nur der einzelne Ertrag zählt

Wie wichtig diese neue Sichtweise ist, zeigt das Jahr 2026. Die Hagelschäden und die Trockenheit hätten einen Betrieb mit wenigen Hauptkulturen deutlich härter getroffen. Die drei Betriebe können dagegen auf eine vielfältigere Produktion und gefüllte Lager zurückgreifen.

Im vergangenen Jahr hatten sie beispielsweise eine aussergewöhnlich gute Erbsenernte. Beinahe doppelt so viel wie in schlechten Jahren. Dank der eigenen Silos konnten sie die Erbsen einlagern und jetzt in diesem schwierigen Jahr davon profitieren.

Für Nicolas Pavillard ist deshalb klar: Lagerung ist mehr als ein Kostenpunkt. Sie schafft Sicherheit. Auch Brotweizen kann zwischengelagert werden, wenn eine Annahmestelle keinen Platz hat oder eine Partie zunächst vorsortiert werden muss.

Die Fruchtfolgegemeinschaft hat damit ihr ursprüngliches Ziel erweitert. Es geht nicht mehr darum, mit möglichst wenigen Kulturen die höchste Marge zu erzielen. Entscheidend ist ein System, das wirtschaftlich funktioniert, Nährstoffe möglichst im Kreislauf hält und auch ein schwieriges Jahr übersteht.

Dass die dafür notwendigen Investitionen überhaupt möglich waren, führen die drei Landwirte auch auf die gemeinsame Struktur der Fruchtfolgegemeinschaft zurück. Sie gibt ihnen vor allem eines: Flexibilität.

Zwei Gemeinschaften – ein gemeinsames Ziel

Die drei Betriebe der Fruchtfolgegemeinschaft Le Grillon arbeiten nicht nur im Ackerbau, sondern auch in der Tierhaltung zusammen. Dabei handelt es sich um zwei unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit:

Fruchtfolgegemeinschaft

Im Ackerbau werden die Flächen der drei Betriebe gemeinsam bewirtschaftet. Fruchtfolge, Anbau, Arbeitseinteilung und Abrechnung werden gemeinschaftlich organisiert. Über eine ÖLN-Gemeinschaft können zudem bestimmte ÖLN-Anforderungen, insbesondere die geregelte Fruchtfolge, gemeinsam erfüllt werden. Die einzelnen Betriebe bleiben dabei eigenständig.

Tierhaltungsgemeinschaft

Bei der Tierhaltung werden ebenfalls bestimmte Betriebszweige gemeinsam geführt. Rechtlich entspricht dies einer Betriebszweiggemeinschaft (BZG). Die beteiligten Betriebe halten die Tiere gemeinsam und teilen sich die anfallenden Arbeiten und Kosten. Andere Betriebszweige bleiben weiterhin bei den einzelnen Betrieben.

Der zentrale Unterschied

Die Fruchtfolgegemeinschaft verbindet vor allem den Pflanzenbau und die Bewirtschaftung der Ackerflächen, während die Tierhaltungsgemeinschaft einen gemeinsamen Betriebszweig, die Tierhaltung, umfasst. Beide Gemeinschaften ermöglichen es, Arbeit, Wissen und Produktionsmittel gemeinsam effizienter zu nutzen.

Betriebsspiegel
Association du Grillon

David Brand, Sébastien Wenger und Nicolas Pavillard, Orges VD

LN: 215 ha

Kulturen: Kunstwiese, Winterweizen, Mais, Raps, Sonnenblumen, Futtergerste, Zuckerrüben, Dinkel, Eiweisserbsen, Futterweizen

Tierbestand: Tierhaltungsgemeinschaft «Ferme Champ du Bois»: 70 Mutterkühe und Mastrinder, 340 Mastschweine

Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen von Nicolas Pavillard, Biogasanlage, Direktvermarktung

Arbeitskräfte: 3 Betriebsleitende, 2 Festangestellte, 2 Lehrlinge

www.pavillard.com

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