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Der Tabakanbau fordert die Produzenten auch nach der Ernte

In der Schweiz bauen immer weniger Landwirte auf immer kleinerer Fläche Tabak an. Dies geht einher mit dem rückläufigen Tabakkonsum im Land. Der Tabak-Anbau ist anspruchsvoll, arbeitsintensiv und holt Wertschöpfung auf den Betrieb.

Kurz & bündig

- Der Tabakanbau in der Schweiz ist leicht rückläufig. - 2019 haben noch 145 Betriebe Schweizer Tabak produziert. - Mit der Kultur lässt sich viel Wertschöpfung auf den Betrieb holen. - Der Tabakanbau und insbesondere Ernte und Trocknung sind arbeitsintensiv. - Neu interessierte Produzenten können mit Swiss Tabac Kontakt aufnehmen.

Im Jahr 2019 haben halb so viele Schweizer Landwirte Tabak angebaut wie noch im Jahr 2007. Es waren nur noch 145 Betriebe, die auf einer Fläche von rund 400 Hektaren die beiden Tabaksorten Virgin und Burley anbauten.

Für Jean-François Vonnez, bei Swiss Tabac als Anbauberater für die ganze Schweiz zuständig, ist das kein Grund zur Besorgnis: «Die Produktion sinkt etwa in gleichem Ausmass wie der Konsum», erklärt der Agronom. Die Schweiz hat beim Tabak einen Selbstversorgungsgrad von rund fünf Prozent.

Trend zur Spezialisierung

Wie in anderen Bereichen der Landwirtschaft habe auch beim Tabakanbau ein Trend hin zur Spezialisierung stattgefunden. Gründe dafür liegen in der besonderen Mechanisierung, den nötigen agronomischen Kenntnissen und in der Basis-Infrastruktur, die für den Anbau und die Trocknung vorhanden sein muss.

Weil die Arbeit mit der Ernte der Blätter nicht endet, sondern diese noch in einer Scheune (Sorte Burley) oder im Ofen (Virgin) getrocknet werden müssen, sind die Investitionen für Neueinsteiger relativ hoch. Für eine Tabakscheune mit genügend Platz, um die Blätter von 1 Hektare zu trocknen, müssen rund 300 000 bis 400 000 Franken investiert werden. Ein Trocknungsofen für die Blätter der Sorte Virgin kostet rund 40 000 bis 50 000 Franken und hat den Vorteil, dass er wieder verkauft werden könnte.

Tabak ist eine arbeitsintensive Kultur

Die durchschnittliche Anbaufläche pro Tabakproduzent hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt und liegt heute bei knapp 2,8 Hektaren. Das klingt auf den ersten Blick nicht nach besonders viel, doch der Schein trügt. «Tabak ist eine sehr arbeitsintensive Kultur», gibt Jean-François Vonnez zu bedenken.

Bei der Sorte Burley rechnet man mit 1000 bis 1200 Stunden pro Hektare, bei der Sorte Virgin noch mit 800 bis 1000 Stunden. Dieser Unterschied kommt aufgrund der unterschiedlichen Ernte- und Trocknungsverfahren zustande. Burley-Tabak wird in traditionellen Tabakscheunen an der natürlichen Luft getrocknet, während Virgin-Tabak künstlich im Ofen die Feuchtigkeit entzogen wird.

Der Junglandwirt Martin Baudin ist neu auch Tabakproduzent

Trotz dem Rückgang der Produzenten gibt es auch Landwirte, welche sich neu auf das Abenteuer Tabakanbau einlassen. Einer davon ist Landwirt Martin Baudin aus Mollens im Kanton Waadt. Der 27-jährige Landwirt baut heuer zum vierten Mal Tabak an. «Angefangen habe ich mit nur gerade 15 Aren Versuchsfläche», blickt Baudin zurück. Weshalb aber wollte er in diese aufwändige Produktion einsteigen?

«Ich habe Freude an neuen Kulturen. Mich reizt die agronomische Herausforderung, und gerade Tabak ist eine Kultur, bei der ich vieles richtig oder falsch machen kann, und wo sich das letztendlich auch auszahlt, wenn es gelingt und Ertrag und Qualität stimmen», gibt der Junglandwirt Auskunft.

Keine Angst vor Handarbeit

Hat ihn die viele Handarbeit nicht abgeschreckt? «Nein, gar nicht. Ich habe nach einer Möglichkeit gesucht, die Wertschöpfung auf meinem Betrieb zu steigern, um Vollzeit auf dem Betrieb meines Vaters arbeiten zu können. Da führt im Pflanzenbau praktisch kein Weg an Handarbeit vorbei. Zudem komme ich nebst der Tabakproduktion noch genug zum Maschinenfahren», lacht Baudin, der zu Hause noch zwei Mähdrescher hat und Lohnarbeiten erledigt.

Und wieso letztendlich genau Tabak und nicht eine andere Kultur? «Bei einer Weiterbildung habe ich mit einem Kollegen gesprochen, der selber Tabak anbaut. Er sagte mir, dass sich interessierte Produzenten bei Swiss Tabac melden können, was ich daraufhin getan habe», berichtet Martin Baudin.

Jean-François Vonnez hat den Junglandwirt von Anfang an betreut. Ihn freut, dass Baudin grosses Interesse für den Tabakanbau gezeigt habe und dass er heute bereits eine Fläche von 1,9 Hektaren der Kultur anbaut. Das Risiko bei neuen Produzenten sei jeweils, dass sie die Arbeit unterschätzen und nach kurzer Zeit wieder mit der Produktion aufhören, so Vonnez.

Das Tabakjahr

März: Setzlingsproduktion in FolientunnelsMai: Auspflanzen der Setzlinge ins Freiland (Burley 25000/ha, Virgin 32000/ha) Anschliessend Unkrautbekämpfung (chemisch oder mechanisch) und Pflanzenschutz, insbesondere präventiv gegen TabakblauschimmelJuli: Beginn der Ernte. Die Ernte beginnt an der Pflanzenbasis und verläuft aufwärts im Rhythmus der Blattentwicklung und deren Reife. Blätter der Sorte Burley ernten die Produzenten in 3 bis 5 Durchgängen, während bei der Virginernte 7 bis 9 Durchgänge erforderlich sind. Trotz Mechanisierungs-Fortschritten ist viel Handarbeit nötig. Dabei sitzen die Pflücker und Pflückerinnen auf Erntemaschinen, welche das Laden und Transportieren der Blätter erleichtern. Die Ernte dauert beim Burley bis Mitte September und beim Virgin bis Mitte Oktober. Nach der Ernte wird der Tabak nach drei Qualitätsstufen sortiert und zu Ballen gebunden. Diese Ballen können in Payerne, Thalheim oder Triengen abgegeben werden.

Erntehelfer im Stundenlohn anstatt Saisoniers

Eine grosse Herausforderung für neue Produzenten ist die Organisation von Personal für die Ernte der Tabakblätter. Martin Baudin kommt ohne Saisoniers aus. «Ich habe bei uns in der Region nach Menschen gesucht, die Interesse an einem Nebenerwerb haben», sagt Baudin. Das habe gut geklappt, und er findet jeweils genug Leute, die im Stundenlohn bei ihm arbeiten.

«Das hat den Vorteil, dass ich diese Leute während Regenperioden nicht irgendwie sinnvoll beschäftigen muss», erklärt Baudin. Er ist überzeugt, auch in Zukunft Virgin-Tabak auf seinem Betrieb anbauen zu können. «Diese Sorte hatte für mich den Vorteil, dass ich weniger Startinvestitionen hatte. Ein Ofen ist günstiger als eine neue Tabakscheune», sagt Baudin.

Die Pflanzung der Setzlinge erfolgt ab Mai im Freiland.Bild: zVg
Die Pflanzung der Setzlinge erfolgt ab Mai im Freiland.

Schweizer Tabak für Industrie und einheimische Tabakfabrik

Wer kauft eigentlich den Tabak aus Schweizer Produktion, wollten wir von Jean-François Vonnez wissen. Er erklärt: «Die getrockneten Tabakblätter werden von der SOTA (Einkaufsgenossenschaft für Inlandtabak) eingekauft und einheitlich nach branchenüblichen Regeln abgerechnet. Die SOTA wiederum verkauft den Tabak an die Tabakindustrie, die in der Schweiz angesiedelt ist und hier produziert.»

Ein Käufer von Schweizer Tabak ist die Tabakfabrik Roth GmbH mit Sitz in Beinwil am See. Sie verarbeitet jährlich zwischen 6 und 8 Tonnen Rohtabak – zu 100 Prozent aus Schweizer Anbau. «Der Schweizer Tabak hat heute einen sehr hohen Standard erreicht», sagt Evelyn Killer-Kunz von der Tabakfabrik Roth GmbH. Zunehmender Beliebtheit erfreuen sich gemäss Killer-Kunz die Pfeifentabake sowie Zigarettenstopf- und Drehtabake.

Gemäss Jean-François Vonnez wird die Mehrheit des Schweizer Tabaks für die Herstellung von Zigaretten verwendet. Für welche Marken, liesse sich nicht genau sagen, so der Tabakberater.

Der Tabakmarkt ist im Gleichgewicht, ein Einstieg ist möglich

Im Moment befinde sich der Tabakmarkt in einem ziemlich guten Gleichgewicht. Vonnez ist nicht aktiv auf der Suche nach neuen Produzenten. «Wenn sich aber jemand für den Einstieg in die Produktion interessiert, so empfehlen wir, mit uns Kontakt aufzunehmen», so der Berater.

Es könnte in seinen Augen durchaus sein, dass sich bald vermehrt Produzenten für den Anbau von Tabak interessieren würden. «In der Westschweiz ist das Klima aufgrund der milden Temperaturen für die Tabakproduktion besonders günstig.

Die Zuckerrübenproduzenten haben hier grosse Probleme mit der virösen Vergilbung. Da kann es durchaus sein, dass der eine oder andere nach einer Alternative für seinen Betrieb sucht», sagt Vonnez.

Tabakanbau-Geschichte

In der Schweiz hat der Tabakanbau eine über 300 Jahre alte Tradition. Um das Jahr 1680 erscheinen die ersten Tabakfelder in der Region von Basel und etwas später im Tessin. Der Höhepunkt des Anbaus wurde Ende des Zweiten Weltkriegs mit 6000 Pflanzern erreicht. «Die Versorgung mit Tabak war wichtig für die Moral», sagt Jean-François Vonnez mit einem Lächeln. Tatsächlich war die Schweiz das einzige Land, welches den Tabak zu jener Zeit nicht rationieren musste. Die Tabakfläche hat sich während dem zweiten Weltkrieg fast verdoppelt und ist zwischen 1939 und 1946 von 784 auf rund 1450 Hektaren angestiegen. Heute wird Tabak noch in neun Kantonen von ungefähr 150 Bauernbetrieben auf rund 400 Hektaren angebaut. 85 Prozent der angebauten Tabakfläche befindet sich in der Westschweiz, im freiburgischen und waadtländischen Broyetal. Der Rest der Produktion verteilt sich auf verschieden Deutschschweizer Kantone, auf den Jura und auf das Rhonetal. In der Schweiz, findet man heute die folgenden zwei Tabaktypen: - Burley: Wird in traditionellen Tabakscheunen an natürlicher Luft getrocknet. - Virgin: Ab 1992 in der Schweiz eingeführt, wird künstlich im Ofen getrocknet. Der Tabak ist als Kultur im Anbau anspruchsvoll. Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Kulturen in der Schweiz enden die Herausforderungen im Tabakanbau nicht mit der Ernte, sondern gehen weiter bis zur Trocknung der Blätter. Es handelt sich dabei um einen komplexen und wesentlichen Vorgang, der schliesslich zu einem marktgerechten Produkt führt.