NEL-, APDE- und APDN-Gehalte können auch ohne Laboranalyse bestimmt werden. Die «Fütterungsempfehlung für Wiederkäuer» von Agroscope – auch bekannt als «Grünes Buch» – ist ein Hilfsmittel dafür.
Möchte man sich die umfangreiche Literatur nicht zu Gemüte führen, gibt es eine praktikable Abkürzung, um die Futternährwerte zu bestimmen: die sensorische Futtermittelbeurteilung. Dazu braucht man keinen siebten Sinn. Mit unseren Fähigkeiten, zu sehen, riechen, schmecken, zu fühlen und vielleicht zu hören, können die Gehalte des Raufutters schon relativ gut eingeschätzt werden.
Die Farbe des Futters
Was sagen Merkmale wie Farbe, Geruch, TS-Gehalt oder die botanische Zusammensetzung über das Futter aus?
Dürrfutter: Beim Dürrfutter ist die Farbe ein wichtiges Indiz. Hat das Futter ein sattes Grün, wurde es schnell getrocknet. Je länger es dauert, das Futter zu trocknen, desto verbleichter ist die Farbe. Auch spät geschnittenes Heu hat eine schöne grüne Farbe, wenn es innert 80 Stunden lagerfähig getrocknet ist.
Gras- und Maissilage: Bei der Beurteilung von Gras- und Maissilage bedarf es einer starken Nase. Gute Silage riecht nicht nach Essig- oder Buttersäure. Ein mostartiger Alkoholgeruch, Karamellgeruch oder muffiger Schimmelgeruch sind in der Silage auch nicht erwünscht. Silagen mit Alkohol- und Karamellgeruch werden von den Tieren zwar gern gefressen, jedoch weisen diese Gerüche darauf hin, dass die Gärung nicht optimal verlief. Ein fehlerhafter Gärprozess verringert manchmal die Schmackhaftigkeit, aber die NEL-, APDE- und APDN-Gehalte sind immer schlechter. Warum? Weil die unerwünschten Mikroorganismen einen Teil der Energie- und Proteingehalte für sich gebraucht haben.
pH-Wert gibt Hinweise
Der pH-Wert gibt ebenfalls Hinweise darauf, wie gut der Gärverlauf der Silage war. Wenn ausreichend Zucker im Ausgangsmaterial ist und es ohne Sauerstoff gut verdichtet (700 kg FS/m3 oder 220 kg TS/m3) wurde, haben die Milchsäurebakterien ideale Lebensbedingungen. Sie produzieren sofort viel Milchsäure und senken den pH-Wert des Futters unter 4,6. Ist die Ansäuerung gut gelungen, hat der weitere Gärverlauf gute Voraussetzungen.
Für die chemische wie auch für die sensorische Futtermittelanalyse ist die botanische Zusammensetzung wichtig. Im Labor und bei der sensorischen Beurteilung werden je nach Zusammensetzung des Pflanzenbestandes andere Berechnungen gemacht bzw. mit anderen Ausgangswerten gerechnet. Natürlich hat ein Weissklee-Raigras-Bestand ganz andere Energie- und Proteingehalte als ein reiner Raigrasbestand oder eine Wiese mit mehr als 50 % Kräutern.
Sensorik ist der Laboranalyse ebenbürtig
Wenn exakt gearbeitet wird, ist die sensorische Futtermittelbeurteilung der Laboranalyse ebenbürtig. Die sensorische Analyse offenbart zusätzlich, wie das Futter von Feld bis Lager konserviert wurde.
Die sensorische Beurteilung kann gut zu Hause auf dem Heustock oder vor dem Silo durchgeführt werden. Aber Achtung: Gerüche bestimmen, Farben einschätzen und Pflanzen in getrocknetem und siliertem Zustand zu erkennen, braucht Übung. Die Beurteilungsschlüssel der AGFF sind auf der Website als Gratis-Downloads verfügbar und unterstützen beim Üben.

