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Rübenanbau: Ist das die Kehrtwende?

Die neue Rübensorte Smart Belamia und das Herbizid Conviso One aus dem Hause KWS und Bayer versprechen Hoffnung für den Zuckerrübenanbau.

Nach all den Negativschlagzeilen um die Königin der Ackerfrüchte zeigt sich ein Hoffnungsschimmer am Rübenhimmel. Am gestrigen Abend stellten der Pflanzenschutzmittelhersteller Bayer und der Saatgutproduzent KWS auf einem Versuchsfeld in Tegerfelden AG ein komplett neues System zur Unkrautkontrolle vor.

Das System besteht aus zwei Komponenten. Dazu gehört die neue Rübensorte Smart Belamia sowie das Herbizid Conviso One. Die Rübensorte überzeugt zudem mit der bisher höchsten Cercosporatoleranz und einem hohen Zuckergehalt. Smart Belamia sowie Conviso One sind seit 2019 bewilligt und gelistet.

Herbizidtolerante Rübensorte

Bereits im zweiten Jahr in Folge wird auf dem Versuchsfeld von Viktor und Sohn Patrick Mühlebach die neue Rübensorte Smart Belamia angebaut. Im Vergleich zu anderen konventionellen Sorten fällt Smart Belamia durch ihre Herbizidtoleranz auf. Was bedeute, dass sie keinen Schaden nach einer Herbizidspritzung mit dem neuen Herbizid Conviso One davonträgt. Viktor Mühlebach ging daher etwas skeptisch an die Aussaat heran. Nachdem aber die erste Herbizidspritzung mit Conviso One erfolgte, legten sich seine Zweifel. Denn die Pflanzen wurden durch das Herbizid nicht geschädigt.

Sulfonylharnstoff eliminiert Ungräser und Unkräuter

Conviso One ist ein Herbizid aus der Gruppe der ALS-Hemmer mit dem Wirkstoff Sulfonylharnstoff. Der Wirkstoff zeigt laut Bayer eine sichere Wirkung gegen bekannte Ungräser (z. B. Ackerfuchsschwanz, Hirse) und breitblättrigen Unkräuter (z. B. Amarant, Weisser Gänsefuss, Hundspetersilie, Knötericharten, Ausfallkartoffeln), ohne einen Schaden an der Rübensorte Smart Belamia auszuüben. Das sei aber nur möglich, weil diese eine gewisse Toleranz gegenüber diesem Wirkstoff aufzeige. Andere konventionelle Sorten würden dagegen nach einer Spritzung mit Conviso One komplett eingehen. „Deshalb ist es wichtig, die Sorten untereinander nie zu vermischen“, sagt Philippe Huber, Verkaufsberater bei Bayer CropScience.

Bis zu fünf Spritzungen einsparen

Diese breite Wirkung gegen Unkräuter war bei den Zuckerrüben bislang nicht möglich. Mit der neuen Sorte sei KWS ein Durchbruch gelungen nach über 15 Jahren Entwicklungszeit. Auch in Zeiten kritischer Äusserungen gegenüber Pflanzenschutzmitteln würde die neue Rübensorte herausstechen. „Mit Conviso One sparen wir bis zu fünf Herbizidanwendungen ein“, sagt Philippe Huber. Eine ein- bis zweimalige Spritzung reiche aus, um das Rübenfeld bis zur Ernte unkrautfrei zu halten (Anwendungshinweise s. Kasten) ­­– ein geringer Arbeitsaufwand mit einfacher Handhabung, der zudem weniger Kosten verursache ­­(pro Hektar insgesamt zirka Fr. 700.- für Herbizid und Saatgut.

Unkrautwirkung nach 10 Tagen

Nach der ersten Herbizidspritzung ist Geduld angesagt. „Die Wirkung zeigt sich erst nach zirka 10 bis 14 Tagen“, sagt Philippe Huber. In Viktor und Patrick Mühlebachs Rübenfeld setzte die Wirkung nach 10 Tagen ein. Neben der Nullparzelle, auf der das Herbizid nicht eingesetzt wurde, zeigt sich die behandelte Fläche fast vollständig unkrautfrei. Die Nullparzelle selbst wird von etwa zwei bis vier Prozent Unkraut bedeckt.

In diesem Jahr haben Kälte, Frost und Regen Mühlebachs Sorgen bereitet. Allerdings unbegründet. „Es zeigte sich, dass Conviso One auch witterungsunabhängig gespritzt werden kann, ohne bei den Pflanzen Unverträglichkeiten auszulösen“, stellt Patrick Mühlebach fest. Deshalb könne man mit dem Herbizid recht flexibel arbeiten.

Die zweite Spritzung erfolge laut Huber mind. 10 Tage nach der ersten. "Damit darf man aber nicht zu lange warten. Sind die Rüben schon grösser, gibt es einen Spritzschatten. Das Herbizid gelangt dann nicht mehr auf den Boden zu den Unkräutern", so der KWS-Berater.

Blattflecken-Toleranz erwiesen

Neben der Herbizidtoleranz bringt die neue Rübensorte laut KWS die höchste Toleranz gegenüber Cercospora-Blattflecken mit. „Viele geben den Rübenanbau aufgrund des hohen Blattfleckendruckes auf“, so Tobias Streckeisen, Berater bei der KWS. Smart Belamia könne deshalb eine neue Chance darstellen. Ob Smart Belamia auch eine gewisse Resistenz gegenüber Syndrome Basses Richesses (SBR) mitbringe, könne man noch nicht sagen. Die diesjährige Ernte würde es zeigen.

Nach Angaben der KWS sind verglichen mit konventionellen Sorten ähnlich hohe Erntemengen zu erwarten.

Weitere Informationen: KWS-Handbuch und Merkblatt Fachstelle Zuckerrübenbau

Anwendungshinweise

Splitapplikation: 2 x 0,5 l / ha

  • Erste Applikation: Wenn die ersten Pflanzen des Weissen Gänsefusses (Melde) das 2-Blattstadium erreicht haben (2 echte Blätter). Wenn kein Weisser Gänsefuss vorhanden ist, zählt das entsprechende Stadium der anderen Unkräuter.
  • Zweite Applikation: 10-14 Tage nach der ersten Applikation, oder spätestens wenn neu auflaufender Weisser Gänsefuss das 2-Blattstadium erreicht hat.

Empfohlen wird durch Bayer der Zusatz von Mero (0,5 bis 1 l/ha), um die Wirkstoffaufnahme zu erhöhen (z. B. Mero 1l/ha).

Einzelapplikation: 1 x 1,0 l / ha und 0,5 bis 1 l/ha Mero

  • Korrekter Applikationszeitpunkt: max. 4-Blattstadium Weisser Gänsefuss
  • Eine Splitapplikation bekämpft in den meisten Fällen spät auflaufende Unkräuter besser.

Trockene Bedingungen:

  • Eine Splitapplikation führt zu besseren Ergebnissen als eine Einzelapplikation
  • Unter trockenen Bedingungen kann das Zeitintervall zwischen der ersten und der zweiten Applikation erweitert werden. Die zweite Applikation erfolgt dann beim Auflaufen der neuen Unkrautwelle.
  • Der Zusatz von Netzmitteln oder Öl erhöht die Wirkstoffaufnahme.

Conviso One kann aufgrund der guten Pflanzenverträglichkeit witterungsabhängig gespritzt werden.

Folgekultur:

  • In der Folgekultur dürfen keine Sulfonylharnstoffe eingesetzt werden.
  • Schosser müssen ausgerissen und vom Feld entfernt werden, denn Conviso Smart Unkrautrüben wie Smart Belamia können nicht mit klassischen Zuckerrübenherbiziden noch mit Conviso One bekämpft werden.

Achtung:

  • Klassische Zuckerrüben werden bei der Anwendung von Conviso One schwer geschädigt und können absterben. Daher nie mit Smart KWS Zuckerrübensaatgut (Sorte Smart Belamia) vermischen!
  • Konventionelle Rüben und andere empfindliche Kulturen vor Abdrift durch das Herbizid Conviso One schützen.
  • Nach Gebrauch von Conviso One muss die Feldspritze zwingend gereinigt werden.

Weitere Informationen: KWS-Handbuch und Merkblatt Fachstelle Zuckerrübenbau

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