Der viele Regen macht den Bauern das Leben schwer. Hektarenweise Industriekartoffeln stecken noch immer im Boden. Vor allem im westlichen Mittelland sind es 20 bis 30 Hektaren, die davon betroffen sind, schätzt Christoph Kohli, Leiter der Veredelungs- und Pflanzkartoffeln der Fenaco. Die Kartoffeln müssen jetzt aber raus. «Verbleiben die Knollen weiterhin im Boden, besteht die Gefahr, dass sie aufgrund der tiefen Temperaturen Zucker bilden, was die Backqualität negativ beeinflusst.»
Ein Verbleib der Industriekartoffeln über dem 20. November sei laut Christoph Kohli nicht zu empfehlen. Die letzten Kartoffeln sollten daher, wenn möglich, in den nächsten Tagen geerntet werden. «Denn verschlechtern sich die Wetterbedingungen wieder, ist das Risiko gross, dass die Kartoffeln faulen und nicht mehr als Rohware für die Veredelungsindustrie genutzt werden können.» Ob es sich dann noch lohne, diese für die Frischverfütterung zu ernten – mit Zuschlag des Verwertungsfonds? Christoph Kohli will hierfür keine Empfehlung abgeben: «Das muss im Extremfall je nach Situation und Befahrbarkeit des Bodens jeder für sich selbst entscheiden.»
In den nächsten Tagen trockene Bedingungen erwartet
Die nächsten Tage versprechen wieder trockenere Bedingungen. Allerdings wird der Boden nicht so schnell abtrocknen können. «Es kann vorkommen, dass die Kartoffeln bei der Ernte deshalb stark mit Erde behaftet sind. Wie in den Übernahmebedingungen von Swisspatat definiert, werden bis zu zwei Prozent Erde toleriert und höhere Anteile in Abzug gebracht», so Kohli. In Ausnahmefällen würden die Kartoffeln zur Entfernung der Erde vor dem Verlad nochmals aufbereitet. Dies erfolge aber ohne Kostenfolge für den Produzenten. Sofern es die Qualität zulässt, wird die Fenaco noch in den kommenden Wochen Kartoffeln übernehmen. Die Lieferung müsse laut Kohli nicht angekündigt werden.
Karotten können auch länger im Boden bleiben
Auch die Karotten stecken noch in der Erde. Bisher wurden 60 Prozent geerntet. Raphael Müller, zuständig für Frischkartoffeln und Lagergemüse bei der Fenaco, ist das nicht unbedingt nachteilig: «Grundsätzlich darf bei Karottenbeständen, die später und bei kühleren Temperaturen geerntet werden, eine bessere Ausgangsqualität erwartet werden.» Die Ernte könne deshalb bei den aktuellen Temperaturen generell problemlos erfolgen.
Fällt die Temperatur unter den Gefrierpunkt, riskiert man ein Platzen der Zellen und die Karottenköpfe bekämen Sprünge.
Die nassen Bodenbedingungen führten vor allem auf klassischen Feldböden zu erhöhtem Aufwand und mehr Erdanteil in den Paloxen. Ein Erdanteil von 10 bis 15 Prozent sei aber kein Problem: «Die Erde trägt zur Konservierung der Karotten im Lager bei.» Ist der Erdanteil grösser als zehn Prozent, sei das sogar wünschenswert.
Auf schweren Böden mit den Erntearbeiten noch warten
Die Erntearbeiten auf den Zuckerrübenfeldern mussten aufgrund der intensiven Niederschläge bis zum letzten Wochenende unterbrochen werden. Dabei kam es kurzfristig zu kleineren Umdisponierungen wie Samuel Jenni, Geschäftsführer von der Schweizerischen Fachstelle für Zuckerrübenbau, erzählt. «Die Fabriken waren aber in keinster Weise gefährdet und konnten mit genug Zuckerrüben versorgt werden», beruhigt er. Hätten die Niederschläge weitere 10 Tage angehalten, wäre es allerdings mit Rohstoffversorgung kritisch geworden.
Auf leichten, sandigen Böden kann in diesen Tagen die Ernte wieder aufgenommen werden. Auf schweren Böden wäre es von Vorteil noch mit den Erntearbeiten zu warten. «Die Tragfähigkeit des Bodens ist jetzt stark eingeschränkt. Es ist daher äusserste Vorsicht geboten», mahnt Samuel Jenni. Er empfiehlt die Bunkerfüllung zu reduzieren, um den Druck auf den Achsen und somit auf den Boden zu senken. Dazu solle ab Schlaglängen von zirka 300 m jeweils vorne und hinten ein Lager angelegt werden.
Zudem kann es vorkommen, dass der Erdanteil an den Zuckerrüben erhöht ist. Dominik Hänni, Disponent vom Rübenring Seeland, empfiehlt, die Rübenmieten bis kurz vor dem Verlad mit Vlies zuzudecken. «Durch das Abtrocknen unter dem Vlies, sind die Zuckerrüben beim Verlad deutlich sauberer.»
In den kommenden Tagen ist nur mit einer geringen Niederschlagsmenge zu rechnen. Diese seien laut Samuel Jenni verträglich. Stiege allerdings die Menge auf 20 mm an, müssten die Erntearbeiten wieder unterbrochen werden.

