Beim Aargauer Gemüseproduzent Jörg Friedli wachsen scharfe Chilis auf dem Feld

Weil «regional» bei den Konsumenten zieht, baut ein Aargauer Gemüseproduzent seit 2021 in grossem Stil Chili an. Dass die Chilis auch bei schwieriger Witterung in der Schweiz wachsen, hat der Sommer gezeigt.

Die roten Kugeln in Jörg Friedlis Händen sehen harmlos aus. Aber sie sind brutal scharf – wie es sich für Habanero-Chilis gehört. Gewachsen sind sie nicht unter Südamerikanischer Sonne, sondern im Aargau, dazu noch in einem ausgesprochen kühlen und verregneten Sommer. «Das zeigt, dass der Anbau bei uns funktioniert», freute sich Gemüseproduzent Friedli aus Wohlenschwil an einer Medienpräsentation vor einer Woche.

Beim Aargauer Gemüseproduzent Jörg Friedli wachsen scharfe Chilis auf dem Feld
Sehen harmlos aus, sind aber extrem scharf: Der Anbau der Habanero-Chilis im grossen Stil ist gelungen.

Produzent, Verarbeiter und Vermarkter arbeiten zusammen

Die Idee des Chilianbaus ist nicht auf Friedlis Mist gewachsen, sondern ein Gemeinschaftswerk. Der Anstoss kam von Pascal Furer, Inhaber der Mosti Furer in Veltheim. Er verarbeitet für die Firma Delico AG Chilis zu Sauce. Furer regte an, den Rohstoff nicht mehr aus aller Welt, sondern aus der Region zu beziehen. Das passte ins Konzept von Delico, seine «Baergfeuer»-Produkte dank regionalem Rohstoff mit dem Schweizer Kreuz auszeichnen zu können. Auch wenn die Aargauer Chilis deutlich teurer sind als die importierten. In Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg starteten Untersuchungen zu Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit.

Dass es in der Praxis funktioniert, selbst bei schwieriger Witterung, hat sich nun gezeigt. Vier Tonnen Chilis von guter Qualität konnte Jörg Friedli bis Mitte Oktober ernten, angebaut in ungeheizten Folientunnels auf einer Fläche von 1500 m2. Nach den Eisheiligen hatte er die Jungpflanzen aus Holland gesetzt und glaubte lange Zeit nicht recht an den Erfolg; die Wärme liebenden Chilis entwickelten sich sehr zögerlich. Aber als in der zweiten Augusthälfte das schöne Wetter kam, holten sie überraschend auf.

Immerhin war in den kühlen Monaten der Krankheitsdruck tief, und Friedli konnte gänzlich auf Pflanzenschutzmittel verzichten. Bei der richtigen Sortenwahl seien Chilis recht robust, so seine Erfahrung. Er hat im Wochenrhythmus geerntet, «knallrot und tätschreif», so brachten sie die gewünschte Schärfe und das Aroma.

Raumplanung setzt Grenzen

Die Aargauer Bauernfamilien bauen zahlreiche Spezialkulturen an, dank der Nähe zur Kundschaft floriert die Direktvermarktung im dicht besiedelten Kanton. Blüht hier also eine neue Überfliegerkultur auf? Christian Wohler, Fachspezialist für Spezialkulturen am LZ Liebegg, relativiert auf Anfrage der BauernZeitung: «Chilis sind und bleiben wohl eine Nische.» Für Direktvermarkter könnten sie durchaus eine Bereicherung sein, verweist er auf die Fülle von Chilisorten, die sich in Form, Farbe und Schärfe unterscheiden. «Somit ist auch der Verwendungszweck breit gefächert. Selbst die Medizin hat die scharfen Chilis entdeckt und damit schon manchen Hexenschuss kuriert.» Eine Produktion im grösseren Stil sei grundsätzlich denkbar – sofern sich ein guter Absatz finden lasse. Grenzen setzt die Raumplanung. Bei gutem Wetter gedeihen Chilis durchaus im Freiland, aber Ertragssicherheit bringt nur der Folientunnel.

Bei Jörg Friedli ist die Erntesaison zu Ende. Die noch vorhandenen unreifen Früchte liest der Produzent ab und probiert, ob sie im Lager neben Äpfeln ausreifen. Und im nächsten Jahr geht es weiter: Die Firma Delico setzt nach der gelungenen Saison fest auf Aargauer Chilis.

Jörg Friedli ist der grösste Chiliproduzent in der Region, aber nicht der einzige. Einige weitere bauen im kleineren Stil an und vermarkten ihre Produkte direkt. Zum Beispiel Erich Fischer mit seiner Rüsstalchili GmbH in Stetten. Er verarbeitet rund 150 Kilo Chilis pro Jahr zu Sauce und verkauft diese zu 70 Prozent an Märkten und 20 Prozent über seinen Onlineshop, die übrigen 10 Prozent liefert er an Detailhändler. Erich Fischer – hauptberuflich arbeitet er als Logistiker für eine Grossbank – begann vor knapp zehn Jahren mit dem Anbau für den Eigengebrauch. Seine Chilimitbringsel waren bald so begehrt, dass er die Fläche ausdehnte und die Produktion professionalisierte. Aber es sei bis heute ein Hobby, stellt er klar, wenn auch selbsttragend. Frische Chilis gibt es in den Läden ganzjährig günstig zu kaufen. Sie seien nicht sehr preishochwertig, kommentiert Erich Fischer. Für verarbeitete Produkte allerdings seien die Konsumentinnen und Konsumenten bereit, einen guten Preis zu bezahlen. «Lokal produzieren, verarbeiten und verkaufen, darauf springen die Leute an.» Seiner Kundschaft gefällt es, dass er auf dem Feld und bei der Verarbeitung auf Chemie verzichtet. Chilis gehören zu den Nachtschattengewächsen. Erich Fischer beschreibt ihre Kultivierung als recht unkompliziert, mit einigen sortenbedingten Unterschieden. Er setze keine Pflanzenschutzmittel und auch keinen Dünger ein. Die Jungpflanzen zieht er selber an. Lange produzierte er im Freiland, erst vor zwei Jahren schaffte er sich einen Folientunnel an. In erster Linie als Schutz vor Starkregen und Hagel, im vergangenen Sommer war er dann auch froh über die Wärmespeicherung im Tunnel. Das Chili-Geschäft läuft gut bei Erich Fischer – aber der 60-Jährige möchte künftig kürzertreten. Darum sucht er ab nächstem Jahr eine Nachfolgerin oder einen Nachfolger für sein kleines Chiliunternehmen.

Weiterlesen