Während 40 Jahren prägte Fritz Glauser als Geschäftsführer – und seit 2007 als Präsident – die Geschicke des Schweizerischen Getreideproduzentenverbands (SGPV): «Wie ein roter Faden zieht sich der Kampf um kostendeckende Preise durch all diese Jahre», sagte Fritz Glauser in seinen Abschiedsworten an der Delegiertenversammlung vom Dienstag, 4. November 2025.
Er betonte: «Ich bin froh, ohne gravierende Altlasten übergeben zu dürfen – und da spreche ich vom Brotgetreide.» Zur weniger erfreulichen Situation auf dem Futtergetreidemarkt mochte er nicht viele Worte verlieren. Nur die agronomischen Vorteile und der Fruchtfolgezwang könnten einen weiteren Rückgang dieser Kultur verhindern. Der Kampf um kostendeckende Preise sei hier nicht gelungen.
Politische Rahmenbedingungen frustrieren: «Grenzt fast an Schizophrenie»
Nach einem katastrophalen Getreidejahr 2024 konnte Fritz Glauser sein Präsidium heuer nach einer sehr guten Ernte übergeben. Die guten Erträge füllten die Lager. Doch die Freude ist getrübt, betonte Glauser: «Man vergisst fast, es zu geniessen» – denn für das politische Umfeld hatte er wenig lobende Worte: «Heute sind die Interessenskonflikte so eklatant, dass es schon fast an Schizophrenie grenzt.» So forderte er, dass die künftige Agrarpolitik für die Landwirte nachvollziehbar sein müsse, wenn man Ergebnisse sehen wolle und die gesetzten Ziele erreicht werden sollten.
Als Beispiele für Widersprüche nannte er:
- Pfluglose Bodenbearbeitung wird gefördert, auf Herbizide verzichtet und Wirkstoffe zurückgezogen, während Mutterkorn ein Comeback erlebt.
- Die Menge an Stickstoff in den Betrieben wird begrenzt, während die Qualität der Produkte immer wichtiger wird und die Erträge sinken.
- Lenkungsabgaben auf Pflanzenschutzmitteln und Dünger werden erwogen, obwohl die Produktionskosten bereits jedes Jahr höher werden.
- Notfallzulassungen für Saatgutbehandlungen, die in Nachbarländern zugelassen sind, werden abgelehnt, obwohl einige Rapsproduzenten aufgrund des fehlenden Insektenschutzes auf den Anbau verzichten.
- Grenzen werden im Rahmen der Freihandelsabkommen geöffnet, obwohl der Grenzschutz für die Aufrechterhaltung rentabler Preise unerlässlich ist.
Adrian Brügger nimmt neu im Vorstand Einsitz
Als Nachfolger von Fritz Glauser ernannten die Delegierten in der Seelandhalle im Kerzers FR einen der bisherigen Vizepräsidenten, David von Wattenwyl, zum Präsidenten. Der 34-Jährige bewirtschaftet im bernischen Oberdiessbach einen vielseitigen Ackerbaubetrieb. Fritz Glauser wurde die Ehrenmitgliedschaft verliehen.
Neu in den Vorstand des SGPV gewählt wurde für den Kanton Freiburg Adrian Brügger aus Düdingen. Der Kanton Wallis hat ebenfalls einen neuen Vertreter ernannt: Für den zurückgetretenen Bertrand Pillet aus Vétroz wurde neu Dylan Zürcher gewählt.
Märkte und Versorgungslage
Nachdem die Ernte 2024 vom SGPV als «katastrophal» bezeichnet wurde, stimmt das heurige Jahr versöhnlicher. Während im vergangenen Jahr nur dank vermehrten Brotgetreideimporten die Nachfrage gedeckt werden konnte, sind heuer die Lager voll. SGPV-Geschäftsführer Pierre-Yves Perrin betonte, dass es jedoch wichtig sei, die inländische Ernte bei Bedarf mit Importen zu ergänzen. Nur so könne man die inländische Verarbeitung erhalten und Marktanteile sichern. Dies verhindere, dass noch mehr Fertigprodukte importiert würden. Höhere Düngernormen gefordert Für den SGPV ein wichtiger Meilenstein ist die Umsetzung der Herkunftsdeklaration beim Brot. Dies erlaube es, den Konsumenten bewusst auf einheimisches Brot zu setzen, betonte Rahel Emmenegger, stellvertretende Geschäftsführerin. Dies erlaube es auch, Marktanteile mit Schweizer Produkten zurückzuerobern. Nach der diesjährigen Ernte ist die Erntemenge auf jeden Fall ausreichend, um die Nachfrage nach einheimischem Brotgetreide bis zur nächsten Ernte decken zu können. Etwas mehr Sorgen machen die geforderten Proteingehalte für die kommende Ernte 2026. Zwar wird Getreide, das die Anforderungen nicht erfüllt, nicht systematisch deklassiert, jedoch wird ein entsprechend tieferer Preis bezahlt. Für den SGPV ist klar, damit die Kulturen ihr Potenzial ausschöpfen können und die Proteingehalte steigen, müssen die Düngernormen entsprechend nach oben korrigiert werden. Produzenten für Raps gesucht Die schwankenden Weltmarktpreise prägten den Markt der Ölsaaten in den vergangenen Jahren stark. Dies spürten auch die Schweizer Produzenten. Insbesondere beim Raps kam die wachsende Ertragsunsicherheit durch fehlenden Pflanzenschutz hinzu. Dies, obwohl die Nachfrage gut wäre und beispielsweise bei der Chips-Produktion kaum mit Importen ersetzt werden kann. Auch für das kommende Jahr ist die Zielmenge noch nicht erreicht. Weitere Produzenten könnten in die Produktion einsteigen. Grundsätzlich rechnet der SGPV bei den Ölsaaten mit stabilen bis leicht steigenden Produzentenpreisen.

