Die Gesundheit der Kälber muss mit allen Sinnen beurteilt werden

An der Fachtagung des Schweizer Kälbermästerverbands und Multiforsa zeigte Familie Schönbächler in Einsiedeln ihren Betrieb. Seit sie die Anzahl gemästeter Kälber reduziert haben, haben sie deutlich weniger Probleme im Stall.

«Die besten Tränkekälber erhalte ich von denjenigen Betrieben, die ihren Tieren die Milch ad libitum zur Verfügung stellen», erklärte Sepp Schönbächler den Teilnehmenden der Kälbermast-Fachtagung. Der Theorieteil der spannenden Veranstaltung fand in der Milchmanufaktur Einsiedeln, der Praxisteil auf dem Betrieb Buchsbaum der Familie Schönbächler in Willerzell SZ statt. «Solche schönen Tränker sind beim Einstallen rund 21 Tage alt und bereits mehrheitlich über 75 Kilogramm schwer. Ich habe aber auch Lieferanten, deren Tiere mit 45 Tagen noch nicht 70 Kilogramm schwer sind, weil an der Milch gespart wird», so Braunviehzüchter Schönbächler. Unterversorgte Kälber seien anfälliger auf Krankheiten und zeigten auch ein schwankendes Milchaufnahmevermögen.

Sepp Schönbächler hat am liebsten Kälber für die Mast, die ad libitum getränkt wurden.
Sepp Schönbächler hat am liebsten Kälber für die Mast, die ad libitum getränkt wurden.

Alle Tiere impfen

Jahrelang mästete die Familie Schönbächler jährlich bis 100 Tiere. Mittlerweile sind die beiden Söhne Christian und Rene in die Landwirtschaft eingestiegen. Christian konnte einen Hof in Einsiedeln übernehmen, Rene Schönbächler führt den elterlichen Betrieb, wo Vater Sepp nun seit zwei Jahren angestellt ist.

Die beiden Betriebe arbeiten eng zusammen. Alle Kälber der beiden Höfe kommen zu Rene Schönbächler, Christian liefert Milch ab. Durch diese Veränderungen werden auf dem Heimet Buchsbaum aktuell weniger Kühe gehalten und nur noch rund 45 Kälber pro Jahr gemästet. «Durch die Halbierung der Anzahl gemästeter Kälber haben wir drei Viertel weniger Probleme im Stall», rühmt Sepp Schönbächler die grosszügigeren Platzverhältnisse. Die zusätzlich zugekauften Kälber kommen direkt vom Geburtsbetrieb. Dadurch ist es nicht möglich, das Rein-Raus-Verfahren zu praktizieren. Die Tiere werden alle in der gleichen Gruppe gehalten, «das ist vor allem für die kleineren Tiere sicher nicht optimal», so Schönbächler selbstkritisch.

Alle Tiere werden bei ihrer Ankunft geimpft. Dazu wird ihnen Selen und Eisen verabreicht. Seit 20 Jahren wird beim Einstallen nicht mehr mediziniert. Die Kälber werden im Krankheitsfall einzeln behandelt, dann aber konsequent.

Keine Drittpersonen im Stall

«Es gibt nichts Schlimmeres als Kümmerer, die immer wieder alle anderen anstecken», betont Sepp Schönbächler. Über die Jahre werden im Schnitt ein Drittel aller Tränkekälber einmal behandelt.

Es wird darauf geachtet, dass möglichst keine Drittpersonen in den Mastkälberstall kommen und so Erreger einschleppen. Kommt der Kälbertransporteur oder die Tierärztin, wird das entsprechende Tier vorher aus der Gruppe genommen und separat bereitgestellt. Rund 112 Tage verbringen die Tränker auf dem Betrieb. Die durchschnittlich verabreichte Milchmenge liegt bei gut 16 Litern Vollmilch, bei Milchengpässen wird diese mit hochwertigem Pulver ergänzt. Im vergangenen Jahr erreichten ein Viertel der Kälber eine C-Taxierung. 85 Prozent aller Tiere sind mit T+ und höher taxiert. Der Erlös pro Tier liegt aktuell bei 2100 Franken. Sepp Schönbächler spürt wieder eine steigende Wertschätzung von Seiten der Abnehmer. «Vor einigen Jahren waren wir noch zehn Kälbermäster in Willerzell, heute sind wir noch deren drei. Die Händler sind froh über Lieferanten, die das ganze Jahr hohe Qualität liefern», so der begeisterte Viehzüchter.

Wichtig ist Luft auf Kniehöhe

Nathalie Roth vom landwirtschaftlichen Zentrum Flawil ging in ihrem Referat auf Kälbersignale ein. «Bei der Tierbeobachtung ist es wichtig, möglichst viele Sinne einzusetzen. Also Hören, Sehen, Riechen und Tasten.» Die Kälbermast sei anspruchsvoll und eine Herausforderung für die Tierhaltenden. Wichtig sei es, die Tiersignale richtig zu erkennen und dann schnell zu reagieren. Das Stallklima sei sehr bedeutend. Um dieses richtig beurteilen zu können, müsse man sich in die Niederungen der Kälber herunter lassen. Die Luftqualität auf Kniehöhe sei entscheidend, denn 90 Prozent der Zeit sei das Kalb am Liegen, betonte die erfahrene Tiersignalkennerin. Entsprechend komfortabel sollte es das Tier im Liegebereich haben. «Stroh ist das preisgünstigste Medikament. Es isoliert gut, was gerade bei den aktuell grossen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht wichtig ist.» Die Tiere sollten die Wahlmöglichkeit haben, wo sie bei welchem Wetter liegen möchten. «Ist es minus 15 Grad C, liegen sie im geschützten Bereich, wird es etwas wärmer, bevorzugen sie die Plätze bei den Ausgängen zu den Ausläufen.» Neben dem spannenden Thema Kälbersignale konnten die Teilnehmenden der Kälbermast-Fachtagung auch von zwei weiteren interessanten Referaten profitieren. Martin Kaske vom KGD beleuchtete das Thema Reduktion des Antibiotikaeinsatzes und Markus Burkard von der Multiforsa ging auf die ökonomische Bedeutung einer gesunden Darmgesundheit ein.

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