Nach den teilweise markanten Preisschwankungen der vergangenen Jahre hat sich die Situation auf dem Futtermittelmarkt zuletzt beruhigt. Die Rohwarenpreise seien in den vergangenen Monaten leicht rückläufig gewesen, erklärt Lukas Grüter, Leiter Schweineproduktion bei der UFA AG. Diese Entwicklung konnte auch in den Futterpreisen weitergegeben werden.
Von einer Entspannung könne allerdings nicht überall gesprochen werden. «Aktuell sind die Aminosäuren und Phosphate stark gestiegen», sagt Grüter. Hinzu kämen weiterhin hohe Energie- und Transportkosten. Beide Faktoren würden die Rohwarenpreise beeinflussen und die Futtermittelkosten erneut unter Druck setzen.
Wirtschaftliche Reserven liegen oft im Stall
Für Mastbetriebe sind die Kosten- und Leistungsentwicklung wichtige Beobachtungspunkte. Die Fütterung macht einen der grössten Anteile der Produktionskosten in der Schweinemast aus. Deshalb soll sichergestellt werden, dass daraus die optimale Leistung der Tiere entsteht.
Wenn die Kosten steigen, richtet sich der Blick vieler Produzent(innen) zunächst auf den Futterpreis. Aus Sicht von Lukas Grüter greift dieser Ansatz jedoch zu kurz. Oft seien die grössten wirtschaftlichen Reserven nicht beim Einkauf, sondern im eigenen Stall zu finden.
«Futterverwertung und Masttageszuwachs sind die wichtigsten Kennzahlen für eine wirtschaftliche Schweinefütterung», erklärt er. Wer keine regelmässigen Mastauswertungen erstelle, wisse häufig gar nicht genau, wie effizient die Tiere das eingesetzte Futter verwerten.
Gerade hier könnten jedoch Unterschiede entstehen, die sich am Ende deutlich auf das Betriebsergebnis auswirken. Verbesserungen bei der Futterverwertung oder beim Tageszuwachs können über einen ganzen Mastdurchgang hinweg betriebswirtschaftliche Vorteile bringen.
Phasenfütterung als Schlüssel zur Effizienz
Der Schweineexperte warnt davor, die Fütterung aufgrund des Kostendrucks primär nach dem Preis auszurichten. Entscheidend sei vielmehr, dass die Tiere in jeder Mastphase bedarfsgerecht versorgt werden.
«Die Fütterung ist auf die Tierbedürfnisse abzustimmen», betont Lukas Grüter. Ziel müsse es sein, ein optimales Preis-Leistungs-Verhältnis zu erreichen. Eine Ration sei dann wirtschaftlich, wenn sie den Bedarf der Tiere decke und gleichzeitig eine gute Leistung ermögliche.
Eine wichtige Rolle spielt deshalb die Phasenfütterung. Sie ermöglicht es, die Nährstoffversorgung gezielt an das Alter und die Leistung der Tiere anzupassen.
Nach Ansicht von Grüter gehören Futterverwertung, Rationsgestaltung und Phasenfütterung zu den zentralen Instrumenten einer wirtschaftlichen Schweinemast. «Wir empfehlen die Zwei- oder Dreiphasenfütterung in der Mast. So ist eine optimale Versorgung der Tiere gesichert.»
Sparen aufgrund der Futterkosten könne sich negativ auswirken. So sei beispielsweise ein zu früher Einsatz von günstigerem Ausmastfutter kontraproduktiv. «Das führt erfahrungsgemäss zu einer schlechteren Futterverwertung und beeinflusst die Wirtschaftlichkeit negativ», sagt Grüter.
Wer lediglich an einzelnen Komponenten spare, riskiere Leistungseinbussen. Langfristig könne dies höhere Kosten verursachen als die ursprüngliche Einsparung beim Futter.
Nebenprodukte stärken Nachhaltigkeit
Nebenprodukte aus der Lebensmittelindustrie spielen in der Schweinefütterung eine wichtige Rolle. Ihr Einsatz habe sowohl wirtschaftliche als auch ökologische Vorteile.
«Die Veredelung von lebensmitteltauglichen Rohwaren und Nebenprodukten schliesst Kreisläufe zugunsten der Nachhaltigkeit und gegen Food Waste», sagt Lukas Grüter.
Damit würden Rohstoffe genutzt, die für den menschlichen Verzehr nicht mehr eingesetzt werden, gleichzeitig aber weiterhin einen wertvollen Beitrag zur Tierernährung leisten können.
Einfluss auf Gesundheit und Schlachtresultate
Die Auswirkungen einer angepassten Fütterung zeigen sich nicht nur im Stall, sondern reichen bis zum Schlachthof. Laut Lukas Grüter kann eine optimale Versorgung der Tiere den MFA-Anteil positiv beeinflussen.
«Wenn dieser stimmt, kann im Schlachthof ein Zuschlag generiert werden, was die Wirtschaftlichkeit unterstützt», erklärt er.
Darüber hinaus spielt die Fütterung eine wichtige Rolle für die Tiergesundheit. Eine ausgewogene Versorgung bilde die Grundlage für stabile Leistungen. Ergänzend könnten pflanzliche Zusatzstoffe, Säuren oder andere Futterzusätze eingesetzt werden.
«Mit pflanzlichen Zusatzstoffen, Säuren oder anderen Zusätzen kann die Darmgesundheit gestützt werden», sagt Grüter.
Zahlen kennen, Potenziale nutzen
Mit Blick auf die kommenden Monate empfiehlt der Fütterungsexperte, die Tiere konsequent entsprechend ihrer Mastphase zu versorgen und bestehende Fütterungskonzepte kritisch zu überprüfen.
Ebenso wichtig sei die regelmässige Auswertung von Mast- und Schlachtresultaten. Nur wer seine Zahlen kenne, könne Schwachstellen erkennen und gezielt Massnahmen ergreifen.
Zu den wichtigsten Praxistipps zählt Grüter deshalb die bedarfsgerechte Fütterung, die konsequente Kontrolle der Leistungskennzahlen sowie die regelmässige Überprüfung des Betriebsmanagements. Zudem könnten Gewichtsabzüge vermieden werden, wenn schlachtreife Tiere gewogen würden. Wo es das Betriebsmanagement zulässt, bringt eine getrennte Mast von Kastraten und Weibchen Vorteile.
Für die Betriebe bedeutet das: Die wirtschaftlichen Herausforderungen lassen sich nicht allein über den Futtereinkauf lösen. Entscheidend sind eine präzise Fütterung, eine gute Datengrundlage und ein konsequentes Management im Stall.


