Auf dem Betrieb Krugel von Markus Meier heult ein Sechszylinder-Deutz-Motor, welcher die Maispresse des Lohnunternehmens Felber aus Schötz betreibt. Mit 170 PS sorgt der aufgebaute Motor dafür, dass während einer Stunde bis zu 60 Ballen gepresst werden können. Schnell bemerkt man, wie ausgeklügelt er aufgebaut wurde. Die Deichsel ist ausgeschwenkt, und die Folienhalter schiessen mit hoher Geschwindigkeit nur knapp am Motor vorbei. Stefan Rölli, welcher die Presse bedient, meint stolz: «Es läuft.»
Retour neben dem Häcksler
Auf dem Feld ist Florian Wicki, Angestellter des Lohnunternehmens Gerber aus Dagmersellen, mit einem sechsreihigen Maishäcksler beschäftigt. Mit rund 500 PS häckselt er den Mais klein und befüllt abwechselnd die zwei Dosierwagen, welche anschliessend auf den nahe gelegenen Hof Krugel gefahren werden. Beim Zusehen wird schnell klar, dass hier Profis am Werk sind. Anstatt zu wenden, fahren die Erntewagenfahrer auch mal gekonnt retour neben dem Häcksler her.
Grosse Herausforderungen
Späte Aussaaten, viel Regen und starke Hagelzüge prägten das Maisjahr 2021. All das führte dazu, dass sich der Erntezeitpunkt auch in unserer Region rund drei Wochen verspätete. Die Hagelzüge sind vorbei, die Auswirkungen sieht man aber deutlich auf den Feldern. Der Betrieb Krugel blieb grösstenteils verschont. «Als der Hagel kam, war der Mais bereits zirka 30 cm hoch», berichtet Landwirt Markus Meier. Der Mais erholte sich, ohne gross Schaden zu nehmen.
Lange dauerte es, bis das Team Gerber den grossen Maschinenpark für die Maisernte aus dem Winterschlaf holen konnte. Jetzt, wo es so weit ist, macht das Wetter mit. Während der Ernte fällt auf, dass der Befall mit Beulenbrand auf verschiedenen Parzellen stark ist. Jetzt, wo der Mais langsam trockener wird, bemerkt man auch die ersten Schäden des Maiszünslers. Die Stängel knicken kurz vor dem Einzug um, was eine saubere Ernte erschwert.
Ertrag oft tief
«Die Qualität ist sehr unterschiedlich», betont der Lohnunternehmer Gerber. Bis Anfang Oktober war der geerntete Mais eher zu nass. Jetzt gibt es Felder, welche einen optimalen Trockensubstanzgehalt von 35 Prozent erreichen. Im Vergleich zu anderen Jahren stimmt das Pflanzen-Kolben-Verhältnis, der Ertrag fällt aber vielerorts tiefer aus.
«Die Qualität ist sehr unterschiedlich.»
Lohnunternehmer Fabian Gerber zum Silomais 2021.
Silomais fehlt
Auf dem Betrieb Krugel, welcher 14 ha gross ist, werden in diesem Jahr 1,7 ha Silomais geerntet. Dieser wird hauptsächlich an die Natura-Beef-Tiere verfüttert. Der Mais dient als Energielieferant und macht zirka 10 Prozent der Ration aus. Markus Meier schätzt sich glücklich und erzählt, dass er genügend Mais hat und sogar noch einige Aren verkaufen wird.
Fabian Gerber, Juniorchef des Lohnunternehmens, weiss, dass dieses Jahr weniger Körnermais anfallen wird. «Wir haben jetzt schon Felder gehäckselt, welche als Körnermais angebaut wurden.» Dafür gibt es Gründe: Erstens fehle in diesem Jahr auf vielen Betrieben Silomais. Anderseits hätten viele Landwirte das Problem, dass die Körnermaisernte frühestens Ende Oktober anstehen würde. Eine Vielzahl der Landwirte plane aber, nach dem Mais noch Getreide zu säen.
Preis ist gestiegen
Die Preise sind aufgrund der schlechteren Ernte in die Höhe gestiegen. Zusätzlich zu den höheren Preisen muss oftmals mit längeren Transportwegen gerechnet werden, weil die Verfügbarkeit sehr stark von der Region abhängig ist. Einige Landwirte versuchten auf Ersatzprodukte wie Zuckerrübenschnitzel auszuweichen. Wer diese aber nicht vorbestellte, ging dieses Jahr oft leer aus, wie Seline Bieri von der Landi Luzern-West mitteilt. Auch die Vollmaispflanzenwürfel sind im Vergleich zum letzten Jahr Fr. 1.50 pro 100 kg teurer.
«Als der Hagel kam, war der Mais schon 30 cm hoch.»
Landwirt Markus Meier hatte Glück.
Verhalten auf der Strasse
Während der Maissaison sind die Strassen oft mit den mächtigen Maschinen der Lohnunternehmen und der Landwirtschaft befahren. Der Zeitdruck ist hoch und es geht hektisch zu und her. Markus Meier betont aber, dass es für ihn als Landwirt wichtig sei, dass im Strassenverkehr Rücksicht genommen werde. Image auf dem Spiel Denn auf der Strasse können die Landwirte durch schlechtes Verhalten ihr Image aufs Spiel setzen. «Es ist schliesslich niemandem geholfen, wenn die Ernte zehn Minuten früher beendet ist, aber gleichzeitig Verkehrsteilnehmer von der Landwirtschaft frustriert werden.» Nicht immer einfach Auch Fabian Gerber, Juniorchef des Lohnunternehmens Gerber, sagt, dass Rücksichtnahme wichtig sei. Er weiss jedoch auch, dass es nicht immer ganz einfach ist, wieder auf die Strasse zu gelangen. Einmal am Strassenrand, heisst es warten, bis die anderen Verkehrsteilnehmer die Grossmaschine wieder auf die Strasse lassen. Deshalb gibt er seinem Team kein striktes Verhalten vor. Wichtig sei aber, dass in 30er-Zonen und wenn Fussgänger unterwegs sind, das Tempo gedrosselt werde. Weiter schaut das Team Gerber darauf, dass lange Transportwege am frühen Morgen oder nach dem Feierabendverkehr geplant werden.

