Seit einiger Zeit gibt es auf gewissen Packungen von Zweifel-Chips eine schöne Neuerung. Hier findet man den Namen des Kartoffel-Produzenten aufgedruckt. Auf der Suche nach diesem Namen haben wir diese Woche aber nicht schlecht gestaunt. Statt eines Produzenten steht auf vielen Chips-Packungen derzeit «Kartoffeln aus Frankreich».
Mindestens 80 Prozent
Dass die Kartoffelernte im vergangenen Jahr aufgrund der Witterungsverhältnisse miserabel ausfiel, ist hinlänglich bekannt. Dass deshalb vermehrt Kartoffel-Importe getätigt werden mussten, ebenfalls.
Erstaunlich ist hingegen – zumindest auf den ersten Blick – dass die Zweifel-Chips trotz französischer Kartoffel-Herkunft mit dem Schweizerkreuz versehen sind, heisst es doch im Bundesgesetz über den Schutz von Marken und Herkunftsangaben: «Die Herkunft eines Lebensmittels entspricht dem Ort, von dem mindestens 80 Prozent des Gewichts der Rohstoffe, aus denen es besteht, stammen.»
30 Prozent importiert
Allerdings gibt es eine zweite Passage, die der Lebensmittelbranche eine Hintertür offenlässt: «Ob der erforderliche Mindestanteil für ein bestimmtes Lebensmittel erfüllt ist, darf aufgrund der durchschnittlichen Warenflüsse eines Kalenderjahres bestimmt werden», heisst es in der Verordnung über die Verwendung von schweizerischen Herkunftsangaben für Lebensmittel.
Wenn also vorübergehend ausländischer Rohstoff verwendet wird, heisst das noch nicht, dass das Schweizerkreuz von der Verpackung verschwinden muss. Diese Regelung macht man sich auch bei Zweifel zu Nutzen. «Bei der Kartoffelernte beziehen wir uns nicht auf das Kalenderjahr, sondern auf das Erntejahr von Sommer bis Sommer», erklärt Mediensprecherin Anita Binder.
Wenn immer möglich verarbeite man Schweizer Kartoffeln. «Infolge des äusserst schlechten Ernteertrags im Sommer 2021 konnten wir leider nicht auf genügend Schweizer Chips-Kartoffeln zurückgreifen und mussten deshalb rund 30 Prozent Kartoffeln aus dem nahen Ausland importieren», so Binder.
Über die Jahre 95 Prozent
Im langjährigen Durchschnitt stammten aber 95 Prozent der Kartoffeln «von unseren rund 250 Schweizer Bauern». Im langjährigen Schnitt müsse Zweifel aufgrund von Fehlmengen 5 Prozent Kartoffeln importieren. «Wir müssen jedoch nicht in jedem Jahr importieren», ergänzt die Sprecherin.
Um die notwendige Menge zu erreichen, gebe Zweifel jeweils eine Reserve von bis zu 10 Prozent des geplanten Bedarfs in Anbau. «Denn wir bekennen uns seit jeher zur Schweiz – vom Standort über die Rohstoffbeschaffung bis hin zur Unternehmenskultur», wirbt die Zweifel-Sprecherin. «Daher würden wir es begrüssen, immer 100 Prozent mit Schweizer Rohstoffen abdecken zu können.
Schweizer Salz und Rapsöl
Die genaue Rohstoffbilanz über das Erntejahr lieferte sie uns nicht, aber ein paar Zahlen zu den verarbeiteten Mengen. Jährlich benötigt Zweifel rund 25 000 Tonnen Chips-Kartoffeln. Dazu kommen 2700 Tonnen Schweizer Rapsöl und 120 Tonnen Schweizer Alpensalz.
Mit den übers ganze Jahr ge-sehen 30 Prozent Kartoffel-Importen können die Swissness-Bedingungen aus Sicht der Chips-Herstellerin erfüllt werden. «Im Frühling 2022 mussten wir nochmals Kartoffeln aus dem Ausland beziehen», so Anita Binder, «da wir uns nun in einem neuen Kalenderjahr befinden, fliessen diese Zahlen in die Berechnung 2022 mit ein.»
Mit anderen Worten kann ein Teil der im Erntejahr 2021 / 22 eingeführten Kartoffeln aufs nächste Erntejahr 2022 / 23 übertragen werden. Hier dürfte der Importbedarf erneut deutlich tiefer liegen.
Laut der Zweifel-Sprecherin zeigen erste Ernte-Erhebungen für diesen Sommer ein erfreuliches Resultat, «so dass wir nicht befürchten, weitere Kartoffeln importieren zu müssen». Eine derart hohe Importrate wie 2021 / 22 sei aussergewöhnlich, sagt sie. «Einfuhren von rund 30 Prozent haben wir letztmalig 1999 verzeichnet.»
Selbstkontrolle der Firmen
Behördliche Kontrollen hat die Firma bezüglich Swissness nicht zu befürchten. «Die Verwendung von Swissness unterliegt nicht der Antrags- und Genehmigungspflicht», teilt das Bundesamt für Landwirtschaft mit, «die korrekte Anwendung von Swissness liegt in der Verantwortung der Unternehmen, die sie verwenden.»

