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Ausser den Produzenten hat niemand ein Interesse daran, das Angebot tief und den Preis hoch zu halten

Da das Angebot an Jagern saisonbedingt tief ist, steigen die Preise. Die Krise ist jedoch noch lange nicht überwunden – nötig wären für kostendeckendes Arbeiten 4.50 Fr./kg SG, was zuletzt vor etwa zwei Jahren erreicht worden ist.

«Die Marktentlastung ist gut fortgeschritten. Bis Ende letzter Woche konnten inklusive Einfrieraktion 45 000 Schweine aus dem Markt genommen werden», betont der Marktspezialist von Suisseporcs Raphael Helfenstein. Die Entlastung in den Mastschweineställen sei sichtbar, und die befürchtete Eskalation habe abgewendet werden können. Es gebe jedoch nach wie vor Überhänge und hohe Schlachtgewichte. Stand heute seien keine weiteren Marktentlastungsmassnahmen geplant.

Steigende Jagerpreise

Für eine nachhaltige Sanierung des Schweinemarktes müssten 6000 Zuchtsauen und 50 000 Mastschweineplätze abgebaut werden. «Die Arbeitsgruppe Markt der Suisseporcs erarbeitet verschiedene Modelle, welche den Mitgliedern in den nächsten Wochen vorgestellt werden», so Raphael Helfenstein.

Bisher umfassten die Marktentlastungsmassnahmen das Einfrieren von 14 987 Schweinen vor Weihnachten sowie den Export von 31 425 Schweinen bis diese Woche. Finanziert wurde dies durch den gebildeten Fonds, der mit 20 Rappen je kg SG gespeist wird.

Aufgrund der grossen Nachfrage und des kleinen Angebots sind in den vergangenen Wochen die Jagerpreise gestiegen. Von gesunden Marktverhältnissen ist jedoch keine Rede: «Wir hatten in den letzten Jahren zu viele Jager produziert, es sind aber auch die Mastplätze für rund 98 Prozent Inlandproduktion vorhanden. Diese generieren eine zu hohe Nachfrage nach Mastjagern. Wenn der Konsum zurückgeht, müssen wir zukünftig auch unsere Produktion anpassen» betont Helfenstein. Auf die Frage, warum der seit einem halben Jahr bezahlte Tiefstpreis von 3 Fr./kg SG die Produzenten nicht zum Umdenken bewegen kann, hat er eine Erklärung: «Unsere Schweinehaltenden haben mehrheitlich moderne Ställe, in diese in den letzten Jahren zugunsten des Tierwohls viel Geld investiert wurde. Der Ausstieg ist aus diesem Grund nicht so einfach, und die Angebotsreduktion über den Preis passiert mit einer grösseren Verzögerung».

Nötig wären 4.50 Fr./kg SG

Es gebe bei dem Preis keinen Betrieb, der kostendeckend arbeiten könne. Gemäss Vollkostenrechnung mit 28 Franken Stundenlohn und Amortisation der Stallbauten in zwanzig Jahren wäre dazu ein QM-Schlachtschweinepreis von 4.30 bis 4.50 Fr./kg SG ab Stall nötig. Dieser Preis wurde zuletzt kurzzeitig im Juni 2021 erreicht.

2020 lag der Schlachtschweinepreis hingegen fast immer über dieser Marke, und das dürfte dazu beigetragen haben, dass zu viele Moren- und Mastplätze vorhanden sind. Schweinehalter sind es gewohnt, dass auf gute auch wieder schlechte Jahre folgen. Deshalb dürfte der Ausstiegswille über den Preis nicht besonders beschleunigt werden. In der Regel steigen Betriebe anlässlich eines Generationenwechsels oder bei grösseren Investitionsentscheiden aus, das weiss man auch bei Suisseporcs. Wichtig sei, dass Ausstiegswillige nicht von Aussen beeinflusst würden.

Keine Marktregulierung

Sicher ist: Ausser den Schweineproduzenten hat niemand ein Interesse daran, das Angebot tief und den Preis hoch zu halten. «Es ist unbestritten, dass unsere Partner ein Interesse an hohen Umsätzen haben, dies liegt in der Natur der Sache, und es herrscht Gewerbefreiheit in der Schweiz. Bei der aktuellen Überproduktion leiden alle in der Branche» betont Raphael Helfenstein. Der Markt sei gemäss dem Willen der Schweinehaltenden nicht reguliert. Man werde sich im Zusammenhang mit den Vorschlägen der Arbeitsgruppe Überlegungen machen müssen, inwiefern Verbesserungspotenzial bestehe. Ein solches Marktversagen wie in den vergangenen Monaten dürfe sich nicht wiederholen.