Wenn im Unterricht Mägen seziert werden, fällt auf, dass etwa eine von vier Magenschleimhäuten verändert ist. Diese Zahl kann natürlich rein zufällig so hoch sein, deckt sich aber durchaus mit anderen Quellen. Es ist offensichtlich, dass Veränderungen der Magenschleimhaut auch heute noch in der Praxis vorkommen.
Säure greift den Magen an
Die beobachteten Veränderungen sehen wie folgt aus: Dort, wo die Speiseröhre in den Magen mündet, befinden sich gelbe Verhornungen. Diese werden Hyperkeratose genannt. Die Stelle am Mageneingang ist typisch für Veränderungen, da dieser Teil des Magens den Magensäften fast schutzlos ausgeliefert ist. Mit der Verhornung versucht sich die Magenschleimhaut in einem ersten Schritt also vor der Säure zu schützen.

Die Ursache liegt im Futter
Bereits vor 20 Jahren konnte ein Zusammenhang zwischen diesen Magengeschwür-Vorstufen und einem Mangel an Struktur im Futter festgestellt werden. Bei einer für das Schwein gesunden Futterration ist der Futterbrei im Magensaft geschichtet. Kleine Futterbestandteile werden in der Magensäure rasch abgebaut, während gröbere Futterbestandteile oben bleiben. Die stark ätzenden Magensäfte bleiben auf diese Weise vor allem in dem Teil des Magens, der mit einer besonders dicken, widerstandsfähigen Schleimhaut überzogen ist.
Das Bild eines gesunden Magens zeigt die Unterschiede der Schleimhautoberfläche deutlich. Da längst bekannt ist, wie das Auftreten einer Hyperkeratose verhindert werden kann, ist es erstaunlich, dass veränderte Magenschleimhäute nach wie vor ein Thema sind.

Die Schleimhaut eines gesunden Magens zeigt deutliche Unterschiede in Farbe und gefühlter Oberfläche. Die dicke, dunkle Schleimhaut rechts schützt gut vor Magensäften. Die Schleimhaut am Mageneingang ist weiss.
Anforderungen an das Futter
Aber haben Sie sich schon einmal überlegt, welche Ansprüche wir heutzutage an ein Schweinefutter stellen?
Das Futter muss hygienisch einwandfrei, schmackhaft und gut verdaulich sein. Eine Ration muss den Nährstoffbedarf der Schweine möglichst genau decken, damit die Nährstoffverluste klein gehalten werden. Ausserdem soll es sich einfach und ohne Qualitätsverlust transportieren lassen – von der Futtermühle bis in den Trog. Probleme bei der Förderung sind natürlich unerwünscht. All diese Kriterien sind zu erfüllen, sowohl bei −10°C wie auch bei 30°C Aussentemperatur. Zu guter Letzt ist die Kenngrösse «Futterkosten pro kg Zuwachs» bei Mastschweinen von grosser Bedeutung. Das heisst maximale Verdaulichkeit zum kleinen Preis. Viele dieser Ansprüche können besser mit fein gemahlenen Komponenten erfüllt werden.
Symptome einer Hyperkeratose erkennen
Maximale Tageszunahmen zu erreichen und gleichzeitig so zu füttern, dass die Verdauung ideal funktioniert, ist eine grosse Herausforderung. Mastschweine zeigen jedoch trotz der oben beschriebenen Veränderungen der Magenschleimhaut noch keine deutlichen Symptome. Dass ein solcher Magen aber nicht optimal funktioniert, ist offensichtlich. Eine mögliche Folge ist auch das Auftreten von Durchfall. Weiter wurde beschrieben, dass Schweine mit veränderter Magenschleimhaut häufiger verbissene Schwänzen aufweisen als Schweine mit intaktem Magen. Die Tiere scheinen diese Hyperkeratose also wahrzunehmen und darauf zu reagieren.
Ins Futter muss Struktur hinein
Abhilfe schafft Struktur im Futter. Die Struktur beinhaltet die physikalischen Eigenschaften, wie beispielsweise den Vermahlungsgrad oder die Quellfähigkeit bei Breifütterung. Es geht vor allem darum, wie lange der Magen damit beschäftigt ist, die Nahrung zu verdauen. In folgenden Fällen ist es sinnvoll, die Struktur im Futter zu erhöhen:
Schwanzbeissen: Im Bestand gibt es Probleme mit Schwanzbeissen, obwohl die Fütterung und Wasserversorgung ansonsten in Ordnung sind.
Durchfall: Sie beobachten ab und zu Durchfall und vor allem gegen Ende der Mast unerwartete Leistungseinbrüche.
Krankheiten: Ihre Schweine sind anfällig auf verschiedenste Keime und sind überdurchschnittlich oft krank. Das kann geschehen, weil ein nicht ganz gesunder Magen auch seine Funktion als Erreger-Barriere nicht richtig ausüben kann. Die Säure wirkt dann nicht stark genug, um Erreger effizient abzutöten.
Die Struktur lässt sich aufeinfache Art und Weise in der Ration erhöhen: Das Futter kann beispielsweise mit ganzen Gerstenkörnern, Spelzen oder Ähnlichem ergänzt werden. Auch das zur Verfügungstellen von Raufutter beugt der Entstehung von Magengeschwüren und deren Vorstufen vor. Gemäss Versuchen aus Deutschland sollten etwa 10 % der Ration auf diese Weise verabreicht werden.
Eine verbesserte Tiergesundheit und weniger Schwanzbeissen können so leicht höhere Futterkosten pro kg Zuwachs rechtfertigen.

