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Kläranlagen recyclen Nährstoffe für die Landwirtschaft

Für einheimischen Phosphor aus Abfällen wie Klärschlamm oder tierischen Nebenprodukten, gilt ab dem Jahr 2026 eine Rückgewinnungspflicht. Die Menge kann den heutigen Mineraldüngerbedarf decken.

Kurz & bündig

- In Abwasserreinigungsanlagen muss ab dem Jahr 2026 Phosphor aus dem Abfallstrom gewonnen werden. - Die Menge kann den Jahresbedarf von mineralischem Phosphor in der Schweiz decken. - Mit der heutigen Technologie wird ein Rückgewinnungsgrad von 50 Prozent verlangt. - Für den Dünger wurde die neue Düngerkategorie «mineralische Recyclingdünger» geschaffen. - Das BLW ist zuständig für die Zulassung neuer Düngeprodukte. - Die Rückgewinnungspflicht gilt zurzeit nur für phosphorreiche Abfälle und tierische Nebenprodukte.

Phosphor in nährstoffreichen Abfällen muss ab dem Jahr 2026 zurückgewonnen werden. So steht es in der Verordnung zur Vermeidung von Abfällen VVEA des Bundesamt für Umwelt BAFU.

Beim Phosphor ist eine Rückgewinnung zu Düngeprodukten oder zu industriellen Phosphorsäuren möglich. Beim Stickstoff sind ebenfalls Rückgewinnungen möglich. Beispielsweise durch Verfahren, dank denen eine Ammonium-Schwefel-Lösung als Flüssigdünger in der ARA gewonnen werden kann. Diese kann dann als Depotdünger pflanzenbaulich genutzt werden.

Allerdings gibt es derzeit keine Verpflichtung für die stoffliche Nutzung von Stickstoff oder weiterer Nährstoffe ausser Phosphor, wie das BLW auf unsere Anfrage erklärt.

Mineraldünger könnte dank Recycling ersetzt werden

In einer Publikation des BAFU als Vollzugshilfe zur Phosphor-Rückgewinnung aus dem Jahr 2020 geht hervor, dass in der Schweiz jährlich 6500 Tonnen Phosphor im Abfallstrom bei der ARA verloren gehen. Die Verluste sind seit dem direkten Ausbringverbot von Klärschlamm aus dem Jahr 2006 zu verzeichnen. Seither wird Klärschlamm getrocknet und verbrannt und die stoffliche Nutzung bleibt aus.

Wenn die ARAs die Vorgaben ab 2026 umsetzen können, wäre es locker möglich, die jährlich benötigte Phosphormenge von 4200 Tonnen Mineraldünger zu ersetzen. Die Forschung tut gut daran, den sowieso vorhandenen Nährstoff mit wirtschaftlichen Verfahren in eine pflanzenbaulich nutzbare Form zu veredeln. Technisch ist dies auf jeden Fall machbar und verschiedene Verfahren werden geprüft.

Aus dem Abfallstrom der tierischen Nebenprodukte könnten auch nochmals 3700 Tonnen Phosphor gewonnen werden.

Mit dem heutigen Technikstand 50 Prozent Rückgewinnung

Gemäss Angaben des BLW, könnten 2026 die ersten Produkte aus recycliertem Phosphor mittels Abwasseraufbereitung auf den Markt kommen.

Im Projekt «Swiss Phosphor», bei dem alle involvierten Akteure des Phosphor-Recyclings an einer gemeinsamen Lösung zur Rückführung des Nährstoffes in den Kreislauf arbeiten, laufen die Erfahrungen der verschiedenen Technologien zusammen.

Einige dieser Verfahren werden nun auch in Pilotanlagen umgesetzt, wie das BLW mitteilt. Laut BLW soll das Ziel des Rückgewinnungsgrad ab 2026 bei 50 Prozent mit dem derzeitigen Stand der Technik möglich sein.

Neue Düngerkategorie für Recyclingdünger

Das BLW entscheidet, ob ein Dünger in der Landwirtschaft zugelassen werden kann, wenn die Chemikalien-Risikoreduktions-Verordung Chem-RRV eingehalten ist. Das gilt auch für die neuen mineralischen Phosphor-Recyclingdünger, die auf dem Markt erwartet werden.

Für Phosphor aus kommunalen Abwässern wurde 2018 die neue Düngerkategorie «mineralische Recycling-dünger» geschaffen, welche frachtbezogene Maximalgehalte bezüglich organischer und anorganischer Schadstoffe vorgibt. Dadurch wird sicher-gestellt, dass keine Produkte in den Handel kommen, welche beispielsweise Verunreinigungen mit pathogenen Organismen wie beim Klärschlammverbot aufweisen.

Gleiche Wirkung auf den Pflanzen mit dem neuen Dünger

Den mineralische Recycling-Phosphordünger kann der Landwirt in Zukunft mit dem Düngerstreuer ausbringen. Der Dünger-Branchenverband Agricura versichert, dass der Dünger in den entsprechenden Qualitäten und mit der gleichen Wirkung für die Pflanzen wie heutiger Dünger aus Rohphosphaten eingesetzt werden kann.

Laut Agricura ist der in der Schweiz einzuhaltende Grenzwert bei phosphorhaltigen Mineraldüngern doppelt so streng wie der Grenzwert der Europäischen Union. Nur noch wenige ausländische Anbieter seien bereit, spezielle Dünger für die Schweiz herzustellen, wie der Verband auf unsere Anfrage mitteilt.

Basis für die Herstellung der schweizerischen mineralischen Phosphordünger sind Rohphosphate vulkanischen Ursprungs mit geringer Cadmium-Belastung. Deren Hauptvorkommen liegen hauptsächlich in Russland. Entsprechend sind russische Phosphate als Rohstoff, aber auch russische Düngemittel als Endprodukt, äusserst bedeutend, um den Schweizer Grenzwert einzuhalten. Sedimentäre Phosphate aus Nordafrika sind stärker mit Cadmium belastet und für die Produktion von Düngemittel für die Schweiz weniger geeignet.

Mit Blick auf diese Herkunft ist es umso sinnvoller, den Phosphor aus den heimischen Ressourcen zurückzugewinnen.

Agricura

Der Branchenverband der Dünger-Inverkehrbringer Agricura unterstützt die Bemühungen der Abwasser-wirtschaft zur Herstellung von mineralischen Phosphordüngern aus sekundären Quellen. Auf Anfrage teilt der Verband mit, dass dabei jedoch Fehler aus der Vergangenheit nicht wiederholt werden dürfen, damit keine minderwertige Dünger in die Landwirtschaft fliessen. Zum Beispiel solche mit Schwermetallen und Schlacken (Thomasmehl) oder Klärschlamm. Der Branchenverband geht im weiteren davon aus, dass die Herstellungskosten von Phosphatdünger aus sekundärer Quelle höher sein werden als der Weltmarktpreis für Phosphatdünger. Es sei jedoch vorgesehen, mit einem vorgelagerten verursachergerechtem Finanzierungssystem sicherzustellen, dass der Handel und der Landwirt bei der Verwendung solcher Dünger keine Nachteile hätten. Laut Agricura ist die Düngerbranche oder die Landwirtschaft nicht in der Pflicht, den Recyclingdünger zu verwenden. Als Folge gibt es auch kein Verbot für den Import von Phosphatdünger. Was aus gesetzlichen Bestimmungen gar nicht möglich sei. Es besteht zwar die Pflicht, Phosphor aus der ARA sowie aus Tier und Knochenmehlen zurückzugewinnen und stofflich zu verwerten. Die Rück-gewinnung, wie auch die stoffliche Verwertung sind nicht definiert und die Verwendung als Düngemittel in der Landwirtschaft sei nur eine möglich Variante.