Kurz & bündig
-Der Strickhof hat eine gemischte Traktoren-Mietflotte -Die Traktoren sind mit maximaler Presicion-Farming-Technologie ausgerüstet -Die Funktion der Technologie wird markenübergrifend erprobt -Dank der Miete können die Traktoren mit jedem Technologie-Schritt erneuert werden
In der Landwirtschaft wollen die Käufer von Traktoren oder anderen Fahrzeugen wie Ladergeräten immer öfter die gesamten Nutzungsdauerkosten pro Arbeitseinheit vor dem Kauf kennen.
Den Landwirten ist es wichtig, dass sie vor überraschenden Kosten wie zum Beispiel bei Reparaturen verschont bleiben. Dafür bieten Landtechnik-Händler Verkaufsmodelle an, welche dies berücksichtigen.
Je nach Ausstattung solcher Verträge sind sämtliche Ausgaben wie zum Beispiel der Service mit dem Fixpreis abgedeckt. Teilweise werden bereits die Rücknahmepreise für eine definierte Laufzeit garantiert oder der Wert wird vom Kaufpreis abgezogen.
Eine Umfrage von «die grüne» bei den verkaufsstärksten Traktoren-Importeuren 2021 hat gezeigt, dass hier viele individuelle Möglichkeiten eingesetzt werden, um den Vorstellungen der Kunden gerecht zu werden.
Flexibler bei Betriebsänderungen
Es werden auch Mietlösungen angeboten, mit denen man sich für eine kürzere oder längere Zeit an ein Fahrzeug bindet. So kann man rasch von einem Traktor auf einen anderen wechseln, wenn sich beispielsweise die Betriebsstrukturen ändern. Es ist dasselbe Prinzip, wie bei der Miete einer Wohnung statt dem Kauf derselben. Bei der Miete kann man einfacher in eine andere Wohnung ziehen.
Aus Flexibilitätsgründen hat man sich auch am Strickhof bei den drei neusten Traktoren wieder für ein Mietsystem entschieden.
Die klaren Nutzungsdauerkosten stehen in diesem Fall nicht im Vordergrund. Für Marco Landis von der Fachstelle für Agrartechnik und Digitalisierung am Strickhof erlaubt das Mietkonzept, bei den voranschreitenden Entwicklungen in den Bereichen Landtechnik und Digitalisierung Schritt halten zu können: «Die Miete ist auf drei Jahre befristet, das ermöglicht es uns, stets auf die neuste Technologie zurückgreifen zu können.»
Das betrifft auf dem Strickhof nicht nur die Traktoren. Mit dem neuen Mietkonzept kann der Strickhof auf gleiche Weise auch Anbaugeräte mieten, wie aktuell ein Hackgerät. In diesem Bereich geht die Technologie nicht weniger rasch voran.
Mit den drei Traktoren verschiedener Hersteller will man nun sehen, ob die Digitalisierungs-Technologien markenübergreifend praxistauglich nutzbar sind. Alle drei Traktoren sind mit RTK-Lenksystemen mit einer Genauigkeit von 2 bis 3 Zentimetern ausgerüstet.
Die Traktoren haben die gleiche Referenzspur
Die Parzellengrenzen des Strickhofs wurden digital erfasst. Auf dieser Basis wurden Bewirtschaftungsspuren für alle Arbeitsgänge gelegt. Der Traktor mit der 3-Meter-Säkombination orientiert sich an der Referenzspur, an der sich auch der Pflegetraktor mit der 15-Meter-Feldspritze orientiert. Die Referenzspur oder Hauptfahrspur ist in diesem Fall die erste Fahrgasse. Anhand dieser Spur, werden dann die weiteren Fahrspuren für 3- und 15 Meter-Geräte definiert. Bei dieser Spurlegung müssen die Arbeitsbreiten der Geräte (15 und 3 Meter) teilbar sein.
Fahrspuren und Feldgrenzen wurden bereits vorgängig erfasst und an die Lenksysteme der Traktoren exportiert. Dabei haben die Traktoren vorgegebenen Spuren auf Geraden problemlos halten konnten.
Bei Konturlinien besteht noch Optimierungspotenzial. Marco Landis führt dies darauf zurück, dass die Daten nicht bloss innerhalb eines Herstellersystems genutzt werden, sondern von drei verschiedenen. Bei der Kurvenberechnung ist die Aufnahme der Positionspunkte offenbar noch nicht so eindeutig markenübergreifend geregelt wie bei einer geraden A-B-Linie mit zwei Punkten, wo nicht viel falsch gehen kann. Hier wird noch geforscht, damit der Pflegetraktor mit dem Lenksystem X die Kurve genau gleich fährt wie der Sätraktor mit dem Lenksystem Y.
Vielleicht ist es ja wie beim Skirennen in Kitzbühel: Einige Fahrer driften nach der Kante, während Beat Feuz die Kurve in den Zielhang in einem Zug fährt.
Nicht zu lange an einen Traktor binden
Will sich ein Landwirtschaftsbetrieb mit neuen digitalen Technologie weiter entwickeln, ist es sinnvoll, wenn er sich nicht für zehn Jahre oder länger an einen Traktor bindet. Um mit der Technik mitzuhalten, muss man diesen in kürzeren Intervallen wechseln. Eine Abschreibungsdauer von zehn Jahren ist zu lang. Es ist wie mit dem Handy: Kaum jemand nutzt ein Handy, das älter als drei Jahre ist. Und die Technikfreaks wechseln das Handy noch viel häufiger.
Besonders für Lohnunternehmer kann das Mietsystem ein zukünftiges Nutzungsmodell für Traktoren sein: Sie wollen oder müssen mit der Technik auf dem neusten Stand sein, weil dies von der Kundschaft so verlangt wird.
Das zeigt sich auch am Strickhof. Nicht alle Arbeiten erledigt der Betrieb selbst. Er beschäftigt auch Lohnunternehmer, beispielsweise für die Ansaat von Versuchsflächen. Hier werden die Versuche am Bürocomputer geplant. Der Lohnunternehmer muss die verschiedenen Sorten, Saatstärken etc. auf dem Feld umsetzen.
Dazu erhält er von Marco Landis einen Datenstick mit der Applikationskarte, der Feldgrenze und den Fahrspuren. Der Stick wird am Traktor-Terminal angeschlossen und auf dieser Datenbasis wird das Feld angesät.
Der Lohnunternehmer muss also mit der Technik mithalten können. Das kann er bei einer Miete von wenigen Jahren am besten. Der Umfang der Miete bei den Strickhof-Traktoren umfasst ein Sorglos-Paket. Service, Versicherung und technischer Support sind dabei abgedeckt. Der Betrieb muss nur den Diesel zusätzlich beitragen. Aus dem Precision-Farming-Bereich ist die Nutzung des RTK-Korrektursignals und die SIM-Karte für den Empfang des Korrektursignals ebenfalls im Mietvertrag integriert.
Precision-Farming-Technologie benötigt Signalempfang
Mit einem Mietvertrag kann man auch bei der Software für das Lenksystem feilschen. Hier kommen für Signal und Korrektur rasch 800 Franken pro Jahr zusammen. Marco Landis nennt Richtzahlen von 400 bis 2000 Franken für das Korrektursignal und bis 200 Franken für die SIM-Karte.
Allerdings haben Miete oder Kauf für eine kurze Laufzeit auch Nachteile. Wenn oft der Traktor gewechselt wird, sind jedes Mal Anpassungen nötig. «Beim Strickhof passten die Schneeketten nicht mehr an die neue Bereifung und der Monitor der Querverkehrskamera musste auf den neuen Traktor umgebaut werden», so Landis.
Er gibt auch zu bedenken, dass die Fahrer jedes Mal auf das neue Modell geschult werden müssen. Zudem brauche es Zeit, bis die volle Leistung genutzt werden kann. Der Aufwand ist dann am grössten, wenn der Wechsel auf einen anderen Hersteller erfolgt.
Gemischte Traktoren-Flotte am Strickhof
Der Strickhof in Lindau ZH setzt eigene und gemietete Traktoren zur Betriebsbewirtschaftung ein. Bis anhin wurden die gemieteten Traktoren je-weils blockweise von einem Hersteller bezogen. Aktuell ist die Strickhof-Mietflotte je-doch gemischt mit je einem Fendt 211 Vario, New Holland T5.130 AC und Valtra N174 D – alle mit modernsten Precision-Farming-Technologien. Der Strickhof-Direktor Ueli Voegeli will so als neutrales und unabhängiges Bildungs- und Dienstleistungszentrum eine möglichst vielfältige Palette an Technologien abbilden. Aus technischer Sicht will man am Strickhof sehen, wie die Precision-Farming-Technologien mit Lenk-systemen, Fahrspurplanung und Daten-management mit der gemischten Traktorenflotte bewältigt werden kann. Zudem wurde bei der Wahl der Traktorenmodelle der Schwerpunkt nicht nur auf die modernste Technologie gelegt. Erfreulicherweise wurde auf möglichst leichte Traktoren mit bodenschonender Bereifung gesetzt. Das ist die Grundvoraussetzung: Die beste Precision-Farming-Technologie nützt nichts, wenn der Boden verdichtet ist.

