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Maschinen vom Gebrauchtmarkt sind wirtschaftlich

Lukas Gautschi aus Gontenschwil AG hat einen grossen Maschinenpark. Er kann damit die meisten Feldarbeiten selbst erledigen. Das lohnt sich allerdings nur deshalb, weil er die Maschinen als Gebrauchtmaschinen angeschafft hat.

Kurz & bündig

-Lukas Gautschi besitzt die meisten Maschinen selbst. -Das ist nur deshalb möglich, weil er die meisten Investitionen auf dem Gebrauchtmarkt tätigt. -Wer gebrauchte Maschinen kauft, braucht ein gutes Auge,um den Qualitätszustand zu prüfen. -Bei Gebrauchtmaschinen muss ein höherer Reparaturaufwand berücksichtigt werden, den man am besten selbst erbringen sollte.

Mir ist es wichtig, unabhängig zu arbeiten und die meisten Feldarbeiten selbst durchzuführen. Deswegen habe ich eine ziemlich gut gefüllte Maschinenhalle.» Lukas Gautschi aus Gontenschwil AG ist sich bewusst, dass sein Maschinenpark nicht alltäglich ist.

Sogar einen eigenen Mähdrescher besitzt er. Den Maschinenpark hat er im Jahr 2021 von seinem Vater bei der Betriebsübergabe übernommen.

«Wir bewirtschaften 45 Hektaren, davon sind 33 Hektaren offene Ackerfläche. Es ist klar, dass unsere Auslastung zu gering ist, um neue Maschinen wirtschaftlich auszulasten. Mit gebrauchten Maschinen ist dies jedoch möglich. Es ist eine Alternative zur Auslagerung der Arbeiten an einen Lohnunternehmer.»

Ein Beispiel ist eine achtreihige Einzelkorn-Sämaschine. «Eigentlich ist diese Maschine viel zu gross für unseren Betrieb. Der Gebraucht-Preis machte die Investition jedoch interessant und wir profitieren von der hohen Schlagkraft.»

Lukas Gautschi ist ein interessierter «Schrauber» und besitzt ein Ersatzteillager. Beides sind Voraussetzungen, wenn man sich auf Gebrauchtmaschinen einlässt.
Lukas Gautschi ist ein interessierter «Schrauber» und besitzt ein Ersatzteillager. Beides sind Voraussetzungen, wenn man sich auf Gebrauchtmaschinen einlässt.

Flexibel bei der Feldarbeit mit eigenen Maschinen

Lukas Gautschi setzt einen Grossteil seiner Arbeitszeit bei den 130 Muttersauen ein. Deshalb muss die Feldarbeit effizient erfolgen. Gautschi ist sich bewusst, dass viele andere Betriebe in einer ähnlichen Situation die Feldarbeiten an einen Dienstleister auslagern würden.

Sein Interesse an Maschinen und sein Flair, diese selbst zu unterhalten und bei Bedarf zu reparieren, führten jedoch zum Entscheid, den Betrieb auch nach der Hofübernahme selber zu mechanisieren. Dies hatte bereits sein Vater so gemacht, die meisten Maschinen stammen auch aus seiner Zeit.

Vielleicht sei die Auslagerung an Dienstleister sogar günstiger, gibt Lukas Gautschi zu bedenken. Gautschi hat vor der Betriebsübernahme am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg Betriebswirtschaft unterrichtet. Daher weiss er genau, wie man rechnet.

Die Situation zeigt jedoch, dass es nicht immer nur auf die blanken Zahlen ankommt, wenn man betriebswirtschaftliche Entscheide fällt. Lukas Gautschi schätzt an der Eigenmechanisierung die Flexibilität bei der Arbeitsausführung und nicht zuletzt auch den Nutzen bei der Ausbildung der Lehrlinge.

Eine Einzelkorn-Sämaschine für neues Anbauverfahren

Die Maissämaschine ersetzte vor vier Jahren eine über 30-jährige Nodet-Einzelkorn-Sämaschine. Diese war längst amortisiert und wäre auch weiterhin einsatzfähig gewesen. Allerdings kamen die Schleppschare nicht mit dem neuen Anbauverfahren zurecht, bei dem Gründüngungsrückstände bei der Saat an der Oberfläche liegen.

Anstelle der konventionellen Pflugsaat wird nun vor Mais und Zuckerrüben nach der Getreideernte im Vorjahr mit einer Spatenmaschine der Boden gelockert und gleichzeitig eine Gründüngung ausgebracht. Nach dem Winter wird mit der Kreiselegge das Saatbett hergestellt, wo eben noch Rückstände aufliegen.

Die Einzelkorn-Sämaschine kostete Lukas Gautschi 8000 Franken. Dazu kam eine knappe Woche Arbeit in der Werkstatt für die Reparaturen der Beleuchtungsanlage, der Saatgutüberwachung und der Instandstellung der Düngerstreuer. «Die Maschine war ursprünglich im Elsass im Einsatz und hat wohl tausende Hektar auf dem Buckel. Mit den rund zehn Hektaren, die sie bei mir sät, schafft sie das locker noch jahrelang.» Die Maschine fand Gautschi bei einem Lohnunternehmer in der Region, welcher sie importiert und nur wenig eingesetzt hatte.

Für Gautschi passt die Maschine perfekt. Dank den Räumern und Scheibenscharen kommt sie mit dem neuen Anbausystem mit Pflanzenrückständen bestens zurecht. Mit einer Flächenleistung von zwei Hektaren pro Stunde kann Lukas Gautschi den Zeitpunkt optimaler Saatbedingungen perfekt ausnutzen.

Für die Maschine sprach auch der eigene Mähdrescher, welcher mit einem vierreihigen Maispflücker optimal zur Reihenzahl passt.

Die achtreihige Einzelkorn-Sämaschine bringt dem Betrieb viel Schlagkraft und kann dank dem Gebrauchtmarktpreis rentabel eingesetzt werden.
Die achtreihige Einzelkorn-Sämaschine bringt dem Betrieb viel Schlagkraft und kann dank dem Gebrauchtmarktpreis rentabel eingesetzt werden.

Weniger Wertverlust beim Systemwechsel

Das Beispiel zeigt, dass man mit reduzierten Maschinenkosten dank Gebrauchtmaschinen auch einen Systemwechsel bei der Saat vornehmen kann. Bei einem Neukauf wäre man länger an ein System gebunden oder müsste die Maschine mit einer hohen Abschreibung tauschen.

Zudem wurde für die alte Nodet-Einzelkorn-Sämaschine im Export noch ein Erlös von immerhin 1500 Franken realisiert.

Wer Gebrauchtmaschinen kauft, braucht Freude am «Mechen»

Man muss sich jedoch auch bewusst sein, dass ein Mechanisierungskonzept, wie es Lukas Gautschi hat, nicht jedermanns Sache ist. Die hohe Schlagkraft bei der Maissaat wird beispielsweise nur dann erreicht, wenn die Maschine betriebssicher ist.

Wenn wegen des Gebrauchtzustandes Defekte auftreten und deswegen Wartezeiten entstehen, ist der Nutzen gering, wenn man sich um die Maschinenreparatur kümmern muss. Dies kostet Zeit, die man vielleicht wegen anderer Betriebszweige nicht hat. Zudem entstehen zusätzliche Kosten für Ersatzteile und Werkstattarbeit, falls man die Arbeiten nicht selbst erledigen kann.

Lukas Gautschi ist sich dieser Risiken bewusst. Deshalb erwähnt er, dass man gerne mit Maschinen arbeiten muss und auch Freude am «Mechen» in der Werkstatt haben sollte, wenn man mit Gebrauchtmaschinen arbeitet.

«Ich habe Freude und Interesse an der Technik und will wissen, wie Maschinen im Detail funktionieren. Deshalb würde ich mich als «Schrauber» bezeichnen. Wer gar kein Flair für solche Arbeiten hat, sollte nicht unbedingt Gebrauchtmaschinen kaufen.»

Was dies konkret heisst, hat er an der Einzelkorn-Sämaschine bereits erfahren. Das Lager einer Andruckrolle blockierte und ein Weitermachen war nicht möglich. Für solche Situationen muss man wissen, wo man Ersatzteile erhält «Ich habe dann noch zusätzlich einige Ersatzteile ans Lager genommen. Passiert das gleiche noch einmal, steht die Maschine nicht lange still.»

Allerdings muss man auch für solche «einfachen» Ersatzteile wissen, wie man diese aus- und die neuen einbaut und braucht entsprechendes Werkzeug.

Der Maschinenkauf benötigt Zeit und Geduld

Gebrauchtmaschinen erlauben es Lukas Gautschi, seine Betriebsphilosophie mit eigener Mechanisierung und Arbeitserledigung umzusetzen. Würde er stets Neumaschinen kaufen, könnten diese auf seiner Betriebsfläche wirtschaftlich zu wenig ausgelastet werden. Er müsste diese noch für Dritte einsetzen. Dafür fehlt jedoch die zeitliche Kapazität.

Zudem muss man die passende Gebrauchtmaschine jeweils auch noch finden. Man kann nicht wie bei einer Neumaschine aus einer Vielzahl von Angeboten auswählen und diese mit Optionen ausstatten.

«Man muss für die Ersatzplanung genügend Zeit einrechnen. Es braucht Geduld, wenn man sich auf dem Gebrauchtmaschinenmarkt umschaut. Man sollte sich von einem Verkäufer nicht unter Druck setzen lassen, wenn er meint, dass man sich rasch entscheiden müsse, da noch andere Interessenten vorhanden seien. Man muss nicht gleich die erstbeste Maschine kaufen.»

Die Infrastruktur für Maschinen muss vorhanden sein

Wie angetönt, ist Lukas Gautschi überzeugt von seinem Maschinenkonzept. Er ist aber nicht sicher, ob er einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber einer Auslagerung der Feldarbeiten erzielt.

«Auf unserem Betrieb haben wir eine grosse Maschinenhalle und eine gut eingerichtete Werkstatt. Das ist aus meiner Sicht eine Voraussetzung. Müsste dies zuerst alles erstellt werden, ist die Auslagerung der Feldarbeiten an den Lohnunternehmer sicher die bessere Wahl.»

Nicht alles ist mit Gebrauchtmaschinen möglich

Bei Maschinen, die grossen Verschleiss aufweisen, setzt Lukas Gautschi allerdings nicht auf den Gebrauchtmarkt. Beispielsweise bei der Kreiselegge hat er rasch festgestellt, dass die Angebote oft stark verschlissen sind und Antriebsteile ersetzt werden müssten. Hier setzte er auf eine Neumaschine.

Ein anderes Beispiel, das zeigt, dass mit Gebrauchtmaschinen nicht alles möglich ist, zeigt sich bei der Gülletechnik. Hier lässt Gautschi den grössten Teil der jährlich rund 2000 Kubikmeter durch einen Lohnunternehmer transportieren und verschlauchen.

Im Sommer, wenn die Böden tragfähig sind, mietet er ein Fass mit Schleppschlauchverteiler und verteilt einen Teil der Gülle selbst. Lukas Gautschi hat festgestellt, dass für diese Arbeit der Gebrauchtmarkt im aktuellen politischen Umfeld mit der Schleppschlauchpflicht keine Technik bietet, mit der sich die eigene Mechanisierung lohnen würde.

Betriebsspiegel des Landwirtschaftsbetrieb Gautschi

Lukas Gautschi, Gontenschwil AG LN: 45 ha Kulturen: Zuckerrüben, Körnermais, Erbsen, Gerste, Urdinkel, Weizen, Buchweizen, Naturwiesen Tierbestand: 16 Mastrinder, 130 Muttersauen Arbeitskräfte: Ehefrau, beide Eltern 50 Prozent, 1 Lehrling