pv_die-grune-online

Lohnunternehmer sind wichtig für die Reduktion von Pflanzenschutzmitteln

Das Ressourcenprojekt Pflopf wurde erfolgreich abgeschlossen. Eine wichtige Erkenntnis daraus ist, dass Lohnunternehmer eine Schlüsselrolle bei der Pflanzenschutzmittel-Reduktion spielen, weshalb sie künftig von Bundesbeiträgen profitieren sollen.

Das Fazit der sechs Jahre Ressourcenprojekt «Pflopf» (Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming) ist erfreulich. Das Ziel, den Pflanzenschutzmittel-Einsatz auf 58 Projektbetrieben mit gezielten Massnahmen um 25 Prozent zu reduzieren, wurde erreicht. Und die Botschaft des Projekts ist klar: Es braucht weiterhin Pflanzenschutzmittel, um gute Erträge und Produktqualitäten produzieren zu können. Aber die Frage ist, wie sie eingesetzt werden, um die Umwelt und Gewässer möglichst nicht zu belasten. Neue Technologien bringen Vorteile diesbezüglich, müssen für die Betriebe aber auch wirtschaftlich sein.

Aus Eigeninitiative schon vor dem Projekt in neue Technik investiert

Thomas Haller, Lohnunternehmer aus Birrhard AG, und Thomas Käser, Gemüseproduzent aus Birmenstorf AG, haben beim Projekt mitgemacht. Sie beide haben bereits lange vor dem Projekt aus Eigeninitiative in neue Technologien zur Pflanzenschutzmittel-Reduktion investiert.

«Ich will Pflanzenschutzmittel punktgenau ausbringen», sagt Thomas Haller. Deshalb hat er sich 2021 eine neue Pflanzenschutzspritze mit Einzeldüsenabschaltung zur teilflächenspezifischen Pflanzenschutzmittel-Ausbringung angeschafft. Damit kann er rund zwei Prozent Pflanzenschutzmittel einsparen. «Bei dreieckigen Parzellen, wie wir sie häufig antreffen, ist das Einsparpotenzial aber deutlich höher», weiss Haller.

Jeder eingesparte Tropfen Pflanzenschutzmittel zählt

Auch Thomas Käser will beim Gemüseanbau Pflanzenschutzmittel einsparen. Deshalb hat er 2013 ein kameragesteuertes Hackgerät mit aufgebauter Bandspritze aus Italien importiert. Seinen «Ferrari» setzt er beispielsweise im Salat ein und kann während des Hackens punktuell (mit Spot-Spraying) jeden Salatkopf einzeln mit einem Fungizid oder Insektizid behandeln. So spart er um die 50 bis 80 Prozent an Pflanzenschutzmitteln ein.

Die Zahl muss aber relativiert werden. «Beim Kopfsalat handelt es sich lediglich um eine Behandlung, bei der ich mit dem Ferrari die Pflanzenschutzmittel-Menge reduzieren kann. Wenn der Salat grösser ist, braucht es trotzdem eine Flächenbehandlung», erklärt Thomas Käser. Doch für ihn zählt jeder eingesparte Tropfen.

Beide Unternehmer setzen auch bereits seit 13 Jahren auf Lenksysteme (RTK). Die Maschinen arbeiten so auf 2,5 cm genau, was Überlappungen von Saatgut, Pflanzenschutzmittel und Dünger vermindert. «Ich denke, über die Jahre hole ich die Mehrkosten fürs Lenksystem wieder raus, indem ich Ressourcen sparen kann», ist Haller überzeugt. Nicht nur das sehen die beiden Unternehmer als Vorteil. Auch der Fahrer ermüdet weniger schnell bei der Arbeit und die Daten sind für alle Arbeiten verfügbar.

Das hat die Arbeit bei Thomas Käser auf dem Gemüsebetrieb deutlich erleichtert. «Wir fahren nur noch, wenn das Lenksystem funktioniert. Sonst haben wir ein Problem beim Hacken und Spritzen», erklärt Käser.

Thomas Käser hat sich ein kameragesteuertes Hackgerät mit Bandspritze und Spot-Spraying der Marke Ferrari angeschafft.
Thomas Käser hat sich ein kameragesteuertes Hackgerät mit Bandspritze und Spot-Spraying der Marke Ferrari angeschafft.

Lohnunternehmer sollen künftig von Bundesbeiträgen profitieren

Die neuen Technologien bringen zwar viele Vorteile mit sich in Bezug auf die Einsparung von Ressourcen, sind aber gleichzeitig auch sehr teuer und brauchen Fachpersonal. Die beiden Unternehmer sehen diesbezüglich zwei Herausforderungen. Erstens wird mit Precision Farming die Spezialisierung gefördert, da mit dieser Technik möglichst viel Fläche bearbeitet werden muss, um sie amortisieren zu können. Zweitens kommen riesige Datenmengen zusammen. «Irgendwann müssen wir jemanden anstellen, der unsere Daten auswertet», sagt Thomas Haller und spricht das Thema Personal an. «Häufig wird angenommen, dass jeder diese Maschinen einfach so bedienen kann, weil sie ja alles selbst machen. Aber im Gegenteil, es braucht immer mehr geschultes Personal für solche Technologien», sagt Thomas Käser. Deshalb wird der Pflanzenschutz immer häufiger an Lohnunternehmer ausgelagert.

Nach sechs Jahren und 4,1 Mio Projektkosten hat das Bundesamt für Landwirtschaft begriffen, dass Lohnunternehmer einen wesentlichen Beitrag in Bezug auf Pflanzenschutzmittel-Reduktion leisten. Daher sollen in der AP 2030+ auch Lohnunternehmer von den Produktionssystembeiträgen profitieren.

Projekt «Pflopf» Von 2019 bis 2025 lief in den Kantonen Aargau, Thurgau und Zürich das Ressourcenprojekt Pflopf (Pflanzenschutzoptimierung mit Precision Farming). Das Ziel war, mit der Umsetzung folgender sieben technologiebasierten Massnahmen Pflanzenschutzmittel-Einsparungen in Höhe von mindestens 25 Prozent zu erreichen: - Prognose- und Monitoringsysteme - Satellitenbasierte Lenksysteme - Satellitenbasierte Teilbreitenschaltung (Section Control) - Sensorgesteuerte bewuchsspezifische Ausbringung - Sensorgesteuerte Hackgeräte - Autonomer Mulchroboter im Obstbau - Pflanzenschutz-Drohnen 58 Betriebe waren in das Projekt involviert und setzten jeweils mindestens zwei Massnahmen auf projektweit über 2000 Hektaren Acker-, Gemüse-, Obst- und Rebfläche um.

LN:

Betriebsspiegel Lohnunternehmen Haller GmbH Thomas Haller, Birrhard AG 40 ha Kulturen: Zuckerrüben, Mais, Erbsen, Bohnen, Getreide, Raps, Sonnenblumen Tierbestand: viehlos Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen (von der Bodenprobe bis zum Abtransport des Erntegutes) Arbeitskräfte: 12 Angestellte, 12 Aushilfen www.haller-lohnunternehmen.ch

LN:

Betriebsspiegel der Gemüse Käser AG Thomas Käser, Birmenstorf AG 63 ha Kulturen: Salate, diverse Kohlarten, Bundzwiebeln, Spinat, Rucola (insgesamt 30 verschiedene Kulturen) Tierbestand: viehlos Arbeitskräfte: 40 bis 60 Angestellte www.gemuese-kaeser.ch