Aus 34 Schläuchen rinnt kontinuierlich Jauche auf den Boden. Die braune Sauce versickert in ebenfalls 34 Kerben. Das Besondere: Diese Kerben wurden Sekunden vorher durch kleine Schare an der Jauchevorrichtung in den Boden geritzt. Bei dieser Art der Ausbringung kommt ein sogenannter Schleppschuh zum Einsatz. Das sei der neuste Trend aus Holland, erklärt Thomas von Aarburg kurz bevor er sich hinters Steuer setzt und mit dem «Güllnen» beginnt. Ganz bewusst hat er sich für diese Art der Ausbringung entschieden, da die Jauche direkt an die Graswurzeln gelegt wird. Sie befindet sich also dort, wo sie auch wirken soll.
Eine ungewöhnliche Kombination
Schleppschuhe stehen schon etliche im Einsatz, auch in der Schweiz. Was beim Gefährt von Thomas von Aarburg erstaunt, ist die Kombination von neuster Technik mit einem doch eher in die Jahre gekommenen Fass. Denn dieses steht schon über 30 Jahre im Einsatz. Rein betriebswirtschaftlich sorge seine Arbeit mancherorts für Kopfschütteln, sagt von Aarburg: «Kaum jemand montiert an einem so alten Fass eine neue, technisch hochkomplexe Vorrichtung. Doch mich reizt es, etwas zu fertigen, dass es in genau dieser Form noch nicht gibt», sagt der leidenschaftliche Tüftler.
Hauptberuflich arbeitet der gelernte Lastwagenmechaniker als Bereichsleiter Fahrzeuge in einer Tiefbaufirma. Seine Freizeit verbringt er beim Tüfteln und Schrauben in der Werkstatt. Diese steht auf dem landwirtschaftlichen Betrieb seines Bruders im Nachbardorf. Von Aarburg befindet sich somit am Puls der Branche und beschäftigt sich mit deren Herausforderungen.
Kein Traktor ohne Anhänger
Doch wie kommt ein Lastwagenmechaniker und Bereichsleiter zu Traktor und Jauchefass? Thomas von Aarburg muss etwas ausholen. Er sei schon immer ein Fan von Landmaschinen gewesen. Vor über fünf Jahren realisierte er sich daher einen Traum und kaufte einen John Deere 6410. Dieser war ausgemustert worden, nachdem er auf einem Ackerbetrieb die rentablen Betriebsstunden erreicht hatte.
Heute ist dies dem Traktor nicht mehr anzusehen. In zahlreichen Stunden Fronarbeit verhalf von Aarburg der Maschine zu neuem Glanz. «Ein Traktor ohne Anhänger ist langweilig. Darum kaufte ich das Güllefass», erzählt er weiter. Auch dieses befand sich am «Lebensende» und wurde von dem Tüftler technisch aufgepäppelt.

Knifflige Fragen liegen ihm
Traktor samt Fass standen daraufhin einige Jahre im Einsatz: Immer dann, wenn von Aarburg Zeit hatte, für seinen Bruder oder für Kollegen Jauche auszubringen. Eine politische Diskussion gab ihm den Anstoss für sein jüngstes Projekt: Das Pralltellerverbot wurde öffentlich thematisiert und regte den Tüftler zum Denken an. Er kaufte die nagelneue Schleppschuh-Vorrichtung und begann, diese auf sein über 30-jähriges Jauchefass zu montieren.
Dabei stellte er sich einige Aufgaben. So wollte er die Weitwurfdüse seitlich des Fasses erhalten. Denn diese erwies sich in den Vorjahren als praktisch. Eine weitere Aufgabe war die Gewichtsverteilung. Allein das Fass fasst sechs Kubikmeter Jauche. Hinzu kommt das Gewicht der Schleppschuhvorrichtung. «Ich wollte das Gewicht so sinnvoll wie nur möglich auf Achsen und Zugdeichsel verteilen.»
Für dieses Vorhaben verwendete er verschiedene technische Tricks und Hilfsmittel. Unter anderem kam ihm die Idee, das Fass mit einer hydraulischen Achslastübertragung auszustatten. Ein Element, das im Lastwagenbau häufig angewendet wird. Ein weiterer Anspruch war, dass Fass und Schleppschuh autonom funktionieren und auch von älteren Traktoren mit eher einfacher, hydraulischer Ausrüstung betrieben werden können.
Ein halbes Jahr Arbeit
Ein halbes Jahr lang schraubte und tüftelte Thomas von Aarburg, passte an und optimierte, bis das Vorhaben schliesslich gelang. «Ich hatte manche schlaflose Nacht, weil ich nicht aufhören konnte, an einem Detail herumzustudieren», erzählt er. Der erste Praxistest fand dann auf einer Wiese seines Bruders statt. In unmittelbarer Nähe zur Werkstatt wagten sie den Versuch. «Ich dachte, wenn etwas nicht klappt, müssen es ja nicht alle sehen», sagt von Aarburg rückblickend mit einem Schmunzeln im Gesicht. Später dann, als einige Details optimiert waren, prüfte er sein Werk auf einer Parzelle im Riet.
Für viele Landwirte sinnvoll
In der Zwischenzeit weiss Thomas von Aarburg, dass seine Arbeit technisch einwandfrei funktioniert. Mittlerweile hat er sogar schon die ersten Aufträge zum Ausbringen von Jauche mit dem Schleppschuh erhalten. Er wolle kein Lohnunternehmen gründen, betont er. Er weiss aber von Landwirten, die über ähnliche Betriebsstrukturen wie sein Bruder verfügen. Bei denen liegt nur ein Teil der Landwirtschaftlichen Nutzflächen in der Linthebene. Der Rest befindet sich in hügeligem Gelände.
Für sie rechne sich der Kauf einer so hochkomplexen und teuren Anlage nicht, da diese nur im Flachland einsetzbar ist. «Solche Landwirte sollen auf mein Angebot zurückgreifen können. So macht meine Arbeit auch für andere Sinn.» In diesen Fällen erweist es sich als äusserst praktisch, dass Fass und Schleppschuhvorrichtung autonom funktionieren. Wer einen Traktor mit zirka 80 PS hat, kann das Fass mitsamt Schleppschuhvorrichtung mit dem eigenen Zugfahrzeug fortbewegen. Ob das Prallteller-Verbot realisiert wird oder nicht, «ein Umdenken hat in der Branche stattgefunden», ist von Aarburg überzeugt.

Bereits neue Pläne
Die Frage, was er als nächstes plant, lässt er offen. Er hat aber schon Ideen. Die aktuell herrschende Mäuseplage beschäftigt ihn, so viel verrät er. Mehr dazu ist aber noch nicht spruchreif. Er ist garantiert schon am Tüfteln. Wahrscheinlich auch in den Momenten, in denen er mit seinem John Deere inklusive dem alten Güllefass seine Runden zieht. Und während er vor sich hin sinniert, rinnt zuhinterst am Gefährt die Jauche weiter aus den Schläuchen und versickert in den schmalen Kerben, welche der moderne Schleppschuh unmittelbar zuvor ins Wiesland gerissen hat.

