Letztes Jahr besuchte die Bäuerin Erika Neuschwander einen Einführungskurs im Drechseln im Kurszentrum Ballenberg BE. Denn bereits seit ihrer Kindheit liebt sie Holz, seinen Duft, seine Beschaffenheit, seine Vielfalt. Als ihre drei Kinder dann flügge wurden, suchte sie nach einem Hobby, möglichst eine Tätigkeit in der Holzbearbeitung. So kam sie auf ihre Freizeitbeschäftigung, das Drechseln.
Niedliche Schnecke macht stolz
Sie begann damit, einfache Gegenstände wie etwa Schüsseln, Vasen und Kerzenständer zu kreieren. Aller Anfang ist schwer: «Nicht jede Arbeit gelang mir», schmunzelt sie, «aber über die Wintermonate habe ich viel geübt und wurde erfolgreicher.» Und ihre Arbeiten wurden gewagter, sie drechselte bald auch Ständer für Tischlampen und elektrifizierte sie, kreierte auch Schüsseln mit eigenwilligen Formen und Naturrändern. «Stolz bin ich auf meine niedliche Holzschnecke, die ich in verschiedenen Hölzern und Grössen herstelle,» freut sich die Drechslerin im Gespräch mit der BauernZeitung.
Pausen machen und sich was Gutes tun
Erika Neuschwanders Gedanken zu Schnecken sind philosophisch: «Die Tierchen lenken mich ab vom Alltagsstress, lehren mich, kleine Dinge zu sehen und zu schätzen, bescheiden zu werden.» Oft würden wir uns etwas kaufen, wenn es uns nicht gut gehe. Doch die Freude an der Errungenschaft verblasse relativ schnell. Wenn sie hingegen eine Schnecke betrachte, die ihr Haus stets bei sich trage, dort Schutz finde, stelle sie fest, wir bräuchten eigentlich gar nicht so viel Hab und Gut im Leben. «Gerade wir Bäuerinnen haben viele Talente, die wir im Haus, auf dem Hof und in unseren Gärten einsetzen können», sinniert sie. «Sollten wir nicht öfter Pausen einschalten, uns selbst etwas Gutes tun, indem wir auf einer Bank sitzen und die selbst gezogenen Blumen und Gemüsepflanzen bestaunen?», spinnt sie den Gedanken weiter. Und auch hierfür ist ihre Schnecke ein gutes Sinnbild: «Wie die Schnecken sollten wir uns das erlauben und – das ist besonders wichtig – kein schlechtes Gewissen dabei haben», betont sie ihre Lebenseinstellung.
Herzerwärmende Geschichte
Die niedliche Schnecke hat Erika Neuschwander selbst entworfen. An einem Wintertag wollte ihr nichts so richtig gelingen an der Drehbank. «Auf einmal begann ich, ein Schneckenhäuschen zu drehen», erinnert sie sich. «Für den Körper und die Fühler verwendete ich eine andere Holzfarbe; meine Familie war begeistert.» Als sie die Kreation der Journalistin der BauernZeitung vorführte, fiel die Sonne so auf das Kunstwerk, dass sein Schatten ein Herz formte. Eine wahrlich herzerwärmende Geschichte.

