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Güllen wird zum Fall für Profis

Das Schleppschlauch-Obligatorium gilt seit Anfang 2024. Seither wird mehr Gülle von Lohnunternehmern ausgebracht. Die bäuerlichen Fässer mit Breitverteiler haben ausgedient und wurden oft nicht nachgerüstet. Das muss wirtschaftlich kein Nachteil sein.

Kurz & bündig

-Auf den meisten Flächen ist es seit Anfang 2024 verboten, mit einem Breitverteiler Gülle auszubringen. - Wer nicht in neue Technik investiert hat, hat das Güllen an Dienstleister ausgelagert. - Die Arbeitseffizienz der spezialisierten Lohnunternehmer ist hoch und für viele Betriebe wirtschaftlicher als die Eigenmechanisierung.

Ein Landwirt, der jährlich rund 80 Güllefässer ausbrachte, schreckte auf, als er dies wegen des Breitverteilerverbots nicht mehr durfte. Eine Nachrüstung mit einem Schleppschlauchverteiler wäre am alten Vakuumfass nicht mehr möglich gewesen. Für die Eigenmechanisierung mit seinem uralten 5000-Liter-Fass berechnete der Landwirt keine Kosten. Auch der Traktor, der dazu gebraucht wurde, war sowieso da und er selbst ja auch. Also kosteten ihn die 80 Fahrten in seiner Wahrnehmung quasi nichts. Erst als der Landwirt mit den eigenen Kosten ehrlich gegenüber sich selber wurde, zeigte es sich, dass die Auslagerung wirtschaftlich kein Nachteil sein muss.

Güllen wird zum Fall für Profis
Bei einem gut ausgelasteten 5000-Liter-Fass (3400 m3/Jahr) liegen die Kosten bei einer Ausbringleistung von 20 m3/h und einem 90-PS-Traktor bei Fr. 4.42/m3 Gülle. Nicht berücksichtigt ist die eigene Arbeitszeit für theoretisch 170 Arbeitsstunden. Als Basis für die Berechnung dient der Kostenkatalog 2024 von Agroscope.

Durch Obligatorium zusätzliche Mengen ausgebracht

«Wir haben gemerkt, dass seit dem Schleppschlauch-Obligatorium viele Bauern die Gülle nicht mehr mit eigener Mechanisierung ausbringen und an den Lohnunternehmer auslagern», sagt Heinz Hofstetter.

Die Landwirt- und Lohnunternehmerfamilie Hofstetter aus Utzenstorf BE hat sich auf die Gülleausbringung spezialisiert. Heinz Hofstetter und sein Sohn Tobias führen den Betrieb in einer Generationengemeinschaft. Im Lohnunternehmen ist auch Sohn Lucas Vollzeit tätig. Lucas Hofstetter ist Landmaschinenmechaniker. Sein Wissen ist während des Winters auf dem Betrieb sehr gefragt, da der Familienbetrieb die Wartungsarbeiten an seinem Maschinenpark vorwiegend selber ausführt.

Bei der Gülletechnik ist der Wartungsaufwand besonders hoch. Viele Teile, wie beispielsweise das Innere des Verteilkopfs mit den Schneidteilen, müssen ersetzt werden, damit es während der Saison nicht zu vermeidbaren Ausfällen kommt.

Verschlauchung ist am schonendsten für den Boden

Beim Ausbringsystem der Familie Hofstetter wird die Gülle entweder direkt vom Loch oder vom Feldrand aus verschlaucht. «Wir setzen dazu einen Traktor mit Doppelbereifung hinten und vorne ein. Gegenüber der Ausbringung mit einem Fass direkt über das Feld ist dies eine bodenschonende Variante», sagt Tobias Hofstetter.

Um das System weiter zu optimieren, haben Hofstetters im Winter 2024/25 das Verteilergestänge von 12 auf 15 Meter verbreitert. Der Verteilkopf war dazu bereits vorbereitet. Das Gestänge wurde auf beiden Seiten um 1,5 Meter verlängert und zusätzliche Schläuche wurden eingezogen. «Damit können wir die Überfahrten noch weiter reduzieren. Wenn wir im Frühling Ackerbaukulturen wie Raps oder Getreide mit 15-Meter-Fahrgassen düngen, passt dies ebenfalls», erwähnt Heinz Hofstetter.

Tobias und Lucas Hofstetter bauten den Schleppschlauchverteiler von bisher 12 auf 15 Meter Arbeitsbreite um. So passt er besser in die Fahrgassen.
Tobias und Lucas Hofstetter bauten den Schleppschlauchverteiler von bisher 12 auf 15 Meter Arbeitsbreite um. So passt er besser in die Fahrgassen.

Pumpen direkt ab dem Feldrand

Hofstetters sind seit rund zehn Jahren intensiv mit dem Gülleaustrag beschäftigt, es ist ihr wichtigster Lohnunternehmensbereich. Wenn die Gülle nicht ab Loch gepumpt werden kann, wird diese mit Transportfässern an den Feldrand gefahren und direkt vom Fass verschlaucht. Das ist effizienter, als beispielsweise einen Feldrandcontainer zu verwenden. Dazu sind die Strukturen mit durchschnittlich rund zwei Hektaren Parzellengrösse zu klein.

Die Pumpenleistung beträgt bis zu 160 Kubikmeter pro Stunde. Am Verteiler wird die Durchflussmenge gemessen. Daraus kann die Fahrgeschwindigkeit abgeleitet werden, um die gewünschte Menge pro Hektare zu erfüllen. Dank Spurführung mit GPS ist die Verteilung zentimetergenau. Die Zufuhr der Gülle an den Feldrand erfolgt mit bis zu drei eigenen Transportfässern an Traktoren mit einem Volumen von 24 Kubikmetern.

So läuft die Kette bis zu Transportdistanzen von bis zu rund fünf Kilometern rund. Bei grösseren Entfernungen wird zum Teil zusätzliche Transportkapazität dazugemietet. Bei gehaltvollem Gärgut kann es zu grösseren Transportdistanzen kommen.

Beim Bodendruck sind die Landwirte sensibel

«Immer mehr Landwirte schätzen es, wenn die Gülle verschlaucht und nicht mit dem Fass auf das Feld gefahren wird. Die Bodenbelastung ist viel geringer. Die Landwirte sind sensibler als auch schon, wenn es um hohe Radlasten auf dem Acker geht», hat Heinz Hofstetter festgestellt. Die Arbeitsqualität ist beim Gülleaustrag ein wichtiges Thema.

Beim Lohnunternehmen Hofstetter zeigt sich dies auch darin, wie sie die Arbeit auf einer Parzelle beenden. Für das Entleeren des Schleppschlauchs nutzen sie einen Luftkompressor auf dem Verteilertraktor. Der Kompressor bläst den Schlauch aus und drückt die Gülle zurück in das Transportfass. Im Gegensatz zu anderen Systemen, bei denen der Schlauch von der Pumpe her ausgeblasen wird, muss hier die Parzelle nicht weiterbefahren werden.

So ist es möglich, dass mit dem Schleppschlauchgestänge exakt zum Feldende gefahren wird und dann die verbleibende Gülle im Schlauch zurückgeblasen wird. Vom Feldrand aus wird dann auch der Schlauch aufgehaspelt. Mit dem Verteiltraktor muss dann nicht nochmals ins Feld zurückgefahren werden.

Damit ein Auftrag exakt ausgeführt werden kann, sind die Güllenprofis auf genaue Angaben des Landwirts angewiesen. So muss beispielsweise die Fläche der zu güllenden Parzelle genau bekannt sein. Zusammen mit der gewünschten Ausbringmenge lassen sich dann die Anzahl Fahrten mit den Zubringfässern bestimmen.

Aufträge vorgängig exakt kalkulieren hilft bei der Planung

«Wir verwenden das Managementsystem von Agrarmonitor für Lohnunternehmer. Damit lassen sich die Parzellenflächen und die Fahrdistanzen von der Güllegrube zum Feldrand bestimmen. Dadurch können wir die Aufträge bereits vorgängig sehr exakt kalkulieren. Das hilft bei der Disposition eines Tagesprogramms», sagt Tobias Hofstetter.

Wer nicht mehr mit seinem alten Fass mit Breitverteiler weitergüllen darf, findet bei Lohnunternehmern moderne Verfahren mit ausgeklügelter Technik für den exakten und schlagkräftigen Einsatz.

Betriebsspiegel der Familie Hofstetter

Generationengemeinschaft Hofstetter, Utzenstorf BE LN: 30 ha Kulturen: Kartoffeln, Mais, Weizen, Raps, Karotten, Zwiebeln, Spargeln Weitere Betriebszweige: Lohnunternehmen mit Gülleaustrag, Karotten säen und ernten, Kartoffeln ernten Arbeitskräfte: GG Hofstetter Eltern Heinz und Katrin, Sohn Tobias. Sohn Lucas in Vollzeit beim Lohnunternehmen, Aushilfen

Tipps, damit das Güllen rundläuft

Das Lohnunternehmen Hofstetter in Utzenstorf BE bringt jährlich einige zehntausend Kubikmeter Gülle und Gärgut aus. Das sind ihre Tipps, was der Landwirt für ein effizientes Güllen beitragen kann: - Gülle zwei Stunden vorher gut aufrühren, damit alles gleichmässig vermischt und bis zum Schluss gut pumpfähig ist und die Gehalte von Anfang bis Schluss gleichmässig sind. Am besten am Vortag vorrührren. - Zufahrt zum Befüllplatz am Hof frei machen, vor allem beim Fasstransport mit grossen Fahrzeugen. - Genaue Flächenangaben der zu güllenden Parzellen.