Mit dem immer breiteren Verbot von Wirkstoffen für Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft fallen auch bewährte Mittel für den Kartoffelanbau weg. So wird Mitte des kommenden Jahres der Einsatz des letzten zugelassenen Kontaktherbizids verboten. Für das Vernichten der Kartoffelstauden braucht es deshalb dringend Alternativen.
Der Kartoffelanbau spielt im Zürcher Weinland, wo jede fünfundzwanzigste Schweizer Knolle produziert wird, eine zentrale Rolle. Gerade hier sind nun entsprechende Alternativen gefragt, denn für Pflanzkartoffeln wie auch Lager- und Verarbeitungsware müssen die Knollen im Boden gut abreifen können, um sie überhaupt lagerfähig zu machen. Dabei muss das Kraut beim Erreichen der optimalen Knollengrösse vernichtet werden. So wird das weitere Wachstum gebremst und die Kartoffel wird schalenfest.
Abflammen keine Lösung
Das Vernichten der grünen Stauden erfolgt im konventionellen Bereich vielfach mit einer Kombination von Schlegeln und dem seit Jahrzehnten bewährten Einsatz von Kontaktherbiziden. Da Letztere im Biolandbau aber verboten sind, setzt man dort anstelle von Herbizid auf ein Abflammen, wobei eine beachtliche Menge Gas benötigt wird, was eine zusätzliche CO2-Belastung bedeutet. Ein grossflächiges Abflammen kommt im konventionellen Anbau auch mit Blick auf die CO2-Bilanz und den damit verbundenen deutlich höheren Kosten kaum in Frage.
Neu mit Strom
In Flaach im Kanton Zürich wurde im Rahmen einer Flurbegehung der Landi Weinland erstmals ein neues Verfahren vorgestellt. Dabei wird das Kraut mit Strom vernichtet. Grundsätzlich ist dieses Verfahren nicht neu und kommt bereits beispielsweise im Obstbau zur Unkrautbekämpfung in den Baumreihen oder im Rebbau unter den Stöcken zum Einsatz. Die Erfahrungen sind durchaus vielversprechend, wie ein grossflächiger Testeinsatz in der Region vom Thurgauer Aachtal zeigt.
Rolf Rüeger vom Rudolfinger Lohnunternehmen Rüeger Agrarservice präsentierte die neue Technologie. Mit einem Frontspritzbalken wird zuerst eine natürliche Kontaktflüssigkeit über die Stauden versprüht, um die Leitungsfähigkeit der Stauden zu verbessern. Am Heck des Schleppers sind das Herzstück mit dem Generator für die Stromproduktion sowie der Balken mit den Elektroden angebaut. Der Strom wird mit länglich montierten Elektroden direkt auf die Pflanzen geleitet und diese sterben – analog zum Abbrennen – ab. «Aufgrund des Kraftbedarfs für den Generator können wir vorerst nur acht Elemente mit je sieben Kilowatt Strom einsetzen», erklärte Rolf Rüeger. Ziel wäre es, die Arbeitsbreite auf mindestens 7,50 m auszudehnen, damit bei der Durchfahrt jeweils auch die Spritzfurchen genutzt werden könnten.
Versuche werden gestartet
Doch vorerst müssen vor einem breiten Einsatz noch offene Fragen umfassend geklärt werden, zum Beispiel bezüglich technischen Anforderungen. Abgeklärt werden muss auch, ob eine Durchfahrt reicht und wann der ideale Einsatz bezüglich Witterung und Tageszeit erfolgen kann. So muss auch abgeklärt werden, ob sich diese Methode der Staudenvernichtung nicht negativ auf die Lagerfähigkeit der Knollen auswirkt. «Wir werden in diesem Spätsommer mit breit abgestützten Testeinsätzen erste Versuche machen und danach die Kartoffeln auch separat einlagern», führte Bereichsleiter Martin Germann von der Landi Weinland aus. Entsprechend ermunterte er Kartoffelproduzenten, sich für mögliche Versuchseinsätze zu melden. Rüeger wie auch Germann zeigten sich zuversichtlich und waren überzeugt, dass diese Technologie der Schlüssel für eine nahtlose Ablösung des Abbrennens mit Herbizid sein könnte und finanziell auch tragbar ist.

