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Der variable Reifendruck am Traktor wird Standard

Traktoren werden immer moderner und haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt. Dabei geht es nicht nur um die Fortschritte beim Motor oder beim Getriebe, allein der variable Reifendruck verbessert jeden Traktor um zehn Prozent.

Kurz & bündig

- Ein passender Reifendruck macht einen Traktor zehn Prozent besser. - Zwischen Acker und Strasse muss der Reifendruck geändert werden. - Optimal sind Reifendruckanlagen, die mobil und von der Kabine aus geregelt werden können.

Ludwig Volk garantiert zehn Prozent mehr Leistung aus einem Traktor, wenn der Reifendruck immer optimal an die Einsatzbedingungen angepasst wird. Volk war als Professor für Agrartechnik an der Fachhochschule Westfalen (DE) als Spezialist für variablen Reifendruck tätig. Heute ist er Berater für Unternehmen und überzeugt, dass Reifendruckregelanlagen in Zukunft bei vielen Traktoren zum Standard gehören werden.

Eine Reifendruckregelanlage, welche sich während der Fahrt von der Kabine aus bedienen lässt, ist jedoch Voraussetzung, um die Versprechungen von Ludwig Volk zu erreichen. Mit einer solchen Einrichtung ist kein zusätzlicher Zeitaufwand verbunden, was eine konsequente Nutzung erst möglich macht.

Ohne anständige Arbeitsschuhe geht nichts

Wenn man also über die technischen Fähigkeiten heutiger Traktoren diskutiert, zum Beispiel Motor-Getriebe-Management oder geregelter Allradantrieb, muss man zuerst sicherstellen, dass der Traktor überhaupt die passenden Arbeitsschuhe trägt. Alle technischen Installationen, wie beispielsweise auch die Spurführung, bringen ihre Leistung erst dann vollumfänglich, wenn der Reifendruck stets angepasst ist. «Nichts verbessert den Traktor mehr als der passende Reifendruck. Hier erreicht man die grösste Hebelwirkung, um Verluste zu vermindern und gleichzeitig den Boden zu schützen», sagt Ludwig Volk.

Die Basis muss für Fortschritt stimmen

Abgesehen von der Reifenentwicklung war die Entwicklung des Traktors in den vergangenen Jahrzehnten beeindruckend. Die Bedienung ist heute eine andere als noch vor 30 Jahren.

Auch die künstliche Intelligenz wird den Traktor in Zukunft noch mehr in Entscheide einbinden, mit all den Daten, welche in einem modernen Traktorterminal gesammelt werden.

Aber eben, der Fortschritt eines Traktors findet nicht nur bei seinen technischen Fähigkeiten und seiner Intelligenz bei Arbeitsprozessen oder bei der Dokumentation statt. Ein Traktor, egal, wie modern er ist, kann sein Leistungsvermögen nur mit passenden Arbeitsschuhen abrufen. Die Basis muss also stimmen, damit die Schnittstelle zwischen digitalisierten Hightechlösungen an Bord auf den Boden übertragen werden kann.

Weich und sanft auf dem Ackerfeld

«Die Schuhe des Traktors wurden mit VF-Reifen weiterentwickelt. VF-Reifen sind Very-High-Flexion-Reifen, welche auch bei wenig Reifendruck hohe Radlasten tragen», sagt Ludwig Volk. Mit solchen Reifen wird die Bodenkontaktfläche vergrössert und es verzahnen sich mehr Reifenstollen mit dem Ackerboden, was den Schlupf reduziert und den Vorschub verbessert. Zudem formen sich weniger tiefe Fahrspuren, welche extrem kraftaufwendig sind.

Auf dem Feld braucht der Traktor weiche Arbeitsschuhe und auf der Strasse braucht er harte Strassenschuhe. Dafür muss man nicht das gesamte Rad wechseln. Die Anpassung erfolgt mit der Reifendruckregelung.

Der variable Reifendruck am Traktor wird Standard
Spurbildung ist wie stetes Bergauffahren beim Erdkeil vor dem Rad und braucht viel Kraft und verdichtet den Boden. Mit weniger Innendruck prägt der Reifen weniger tiefe Spuren. Quelle: Ludwig Volk, ETA

Hart und spurtreu beim Strasseneinsatz

Traktoren trifft man immer öfter auch auf der Strasse bei Transportarbeiten an. Das ist eine umgekehrte Einsatzsituation zum Acker, wo es darum geht, den Reifen dem harten Untergrund anzupassen. Auf der Strasse soll der Reifen hart sein. Das reduziert den Rollwiderstand und verbessert die Sicherheit, weil die Spur stabiler gehalten werden kann. Auch bei der Strassensituation sind Dieseleinsparungen im Bereich von ebenfalls zehn Prozent und mehr möglich.

Der variable Reifendruck am Traktor wird Standard
Ein Fahrer hat einen 13 Kilometer langen Rundkurs mit 38 Tonnen mit verschiedenen Fahrstrategien und Reifendrücken befahren. Mit dem passenden Reifendruck und vorausschauendem Fahren bei 40 km/h wird am wenigsten Diesel verbraucht.

Ludwig Volk rechnet in den nächsten Jahren mit Traktoren mit noch weiter zunehmenden Motorleistungen. «Ich gehe zudem davon aus, dass Lenkassistenten als Nachrüstung oder ab Werk vermehrt gekauft werden. Zudem werden die Traktormotoren leistungsfähiger und sparsamer. Die grösste Wirkung zur Effizienzsteigerung eines Traktors ist jedoch der variable Reifendruck.»

Ludwig Volk ist selbst an der Entwicklung des Reifendruckregelsystems VariQtire beteiligt. Dieses kommt ohne Luftleitungen ausserhalb der Kotflügel aus und wird derzeit erprobt. An der Agritechnica 2025 soll dann die Premiere sein.

Reifen können bis 500 PS übertragen

«Die Reifen werden bis 500 PS die Zugkräfte einigermassen effizient übertragen können, sofern der Boden tragfähig ist und damit zur Abstützung geeignet», schätzt Ludwig Volk das Potenzial der Reifen ein. Bei Raupen sieht er den Nutzen gegenüber den Reifen bei schweren Lasten und hohen Zugkraftanforderungen für weniger Schlupf und flache Spuren oder für Spezialeinsätze, bei denen im Moor gefahren werden muss.

«Im Vergleich zu Raupen sind Reifen preiswerter und federn dank des Luftpolsters; sie sind generell vielseitiger. Zudem ist der Rollwiderstand geringer und die Verschleisskosten sind tiefer.» Damit sei der Reifen zwar nachhaltiger, dennoch müsse der Feinstaub durch Abrieb noch vermindert werden, meint Ludwig Volk.