Kurz & bündig
- Schmutz, Rost und Beschichtungen entfernen, Werkstücke ggf. anfasen – sonst hält die Naht nicht. - Metall-Aktivgas-Schweissen (MAG) für saubere, sichtbare Nähte, Elektroden-Schweissen für schnelle Reparaturen auf dem Hof wählen. - Schutzkleidung, Maske und ein sauberer Arbeitsplatz verhindern Verletzungen und Brände.
Mitten in der Heuernte bricht am alten Ladewagen eine Schubstange. Eilig wird sie notdürftig mit einigen Schweisspunkten zusammengesetzt – wohl keine dauerhafte Lösung und sicher kein Kandidat für einen Schönheitswettbewerb.
Rafael Bächler, Standortleiter der Schöpfer Landtechnik in Lanthen bei Schmitten FR, weiss: Reparaturschweissen dient oft nur dem Zweck. Wer jedoch Schweissnähte setzen will, die wirklich halten, braucht Fingerspitzengefühl, Erfahrung und alle Sinne bei der Arbeit. Auch der Klang verrät viel: «Wenn es unregelmässig brutzelt, knistert und Funken meterweit fliegen, ist das Gerät nicht optimal eingestellt», erklärt Bächler.
Zu lautes Brutzeln entsteht, wenn zu wenig Strom das Schweissbad nicht richtig erhitzt, Gase, Partikel oder Feuchtigkeit abrupt verdampfen und der Lichtbogen instabil wird. Das Metall schmilzt dann ungleichmässig – ein Zeichen falscher Geräteeinstellungen.
Gut vorbereitet ist halb geschweisst
Ob bei Reparaturschweissarbeiten oder beim Bau einer Eigenkonstruktion – eine gründliche Vorbereitung ist entscheidend. Schmutz, Rost, Farbe oder andere Beschichtungen können den Erfolg einer Schweissnaht massiv beeinflussen. Daher sollten Werkstücke vor dem Schweissen sorgfältig gereinigt werden, selbst, wenn es einmal schnell gehen muss. Am einfachsten gelingt dies mit einem Winkelschleifer oder Schleifpapier, sodass nur noch blanker Stahl geschweisst wird. Auch schwer zugängliche Stellen dürfen dabei nicht vernachlässigt werden, da sich dort oft Rückstände sammeln.
In Ställen ist dies nicht immer offensichtlich: Rohre von Liegeboxen oder Fressgittern sind meist verzinkt. Dieser Rostschutz muss unbedingt entfernt werden, damit die Naht sauber wird.
Je nach Werkstückform lohnt es sich ausserdem, eine kleine Fase zu schleifen. Beim Verbinden zweier Rohre beispielsweise sorgt eine abgeschrägte Kante dafür, dass das Schweissmaterial in die Verbindung fliesst und eine stabile, saubere Naht entsteht.
Achtung, wenn an Maschinen mit Elektronik gearbeitet wird
Fast alle gängigen Schweissverfahren arbeiten mit Lichtbogen, daher muss Strom durch das Werkstück fliessen. Arbeiten an Maschinen mit Batterie oder Elektronik erfordern vorheriges Abklemmen der Batterie. Alternativ kann die Technik vom Werkstück getrennt werden. So lassen sich Schäden vermeiden. Wenn dies nicht gemacht wird, könnte allenfalls auch der Bordcomputer des Traktors Schaden nehmen.
Sicherheit für Mensch und Gebäude
Nach der Vorbereitung kann mit dem Schweissen begonnen werden. Doch wer in Stiefeln, T-Shirt und ohne Schweissmaske auf dem ungewischten Heuboden ein Geländer schweissen will, gefährdet seine Gesundheit und erhöht die Brandgefahr. Daher sind geeignete Schutzausrüstung und saubere Arbeitsplätze Pflicht.
Der Lichtbogen beim Schweissen ist heisser als die Sonnenoberfläche und sendet aggressive UV- und Infrarotstrahlung aus. Schon ein kurzer Blick kann die Hornhaut schädigen (Schweissblende). Die Augen reagieren mit Brennen, Tränenfluss und starken Schmerzen. Auch die Haut kann wie bei einem Sonnenbrand gerötet und schmerzhaft werden. Schäden treten oft erst Stunden später auf und heilen meist nach einigen Tagen, können aber bei wiederholter Belastung dauerhaft sein.
Persönliche Schutzausrüstung:
- Schweissmaske oder Helm mit ausreichender Abdunkelung
- Dicke Handschuhe
- Dicke Baumwollkleidung (keine Synthetikstoffe, da leicht entflammbar)
- Idealerweise: gut belüfteter Raum oder Rauchabzug
- Geschlossene Schuhe
Wenn nun alle Vorbereitungen getroffen sind, kann endlich mit dem Schweissen begonnen werden – fast.
Welches Schweissverfahren passt?
Unterschied: Beim Metall-Aktivgas-Schweissen (MAG) wird ein Draht unter Schutzgas geschmolzen, beim Elektroden-Schweissen dient eine ummantelte Stabelektrode als Schweissmaterial und Schutz zugleich. [IMG 3] MAG-Schweissen: Ist präziser, ergibt saubere Nähte, hat weniger Nachbearbeitungsaufwand. Geräte sind meist stationär und benötigen einen 400-V-Anschluss. Sie sind etwas teurer in der Anschaffung und im Betrieb. Zudem muss das Gas richtig gelagert werden. Elektroden-Schweissen: Ist flexibler, mobil einsetzbar. Die Schlacke muss entfernt werden. Es erfordert mehr Konzentration, dafür robust bei Reparaturen unter schwierigen Bedingungen. Praxis-Tipp: Für kleinere Reparaturen ist das Elektroden-Schweissen oft die bessere Wahl, für sichtbare oder besonders saubere Nähte lohnt sich MAG-Schweissen. In beiden Fällen sind sorgfältige Vorbereitung, Schutzausrüstung und saubere Arbeitsbedingungen entscheidend.
Bevor es heiss wird: kleine Nähte zum Warmwerden
Nino Brüllhardt, auszubildender Landmaschinenmechaniker im dritten Lehrjahr, erklärt, dass er die Einstellungen des Schweissgeräts zuerst an einem Reststück Metall prüft. «Bevor ich am richtigen Werkstück etwas versaue, prüfe ich mit einer kurzen Naht an einem Reststück, ob alles passt», sagt er.
Danach sind ruhige Hände und Übung gefragt. Beim Metall-Aktivgas-Schweissen (MAG) sollte der angewinkelte Schweisskolben (ca. 45°) in einer U-förmigen Stossbewegung entlang der Schweissstelle geführt werden. So erwärmen bzw. schmelzen Draht und Werkstück in einer Hülle aus Schutzgas. «Wenn gezogen wird, kann es sein, dass sich keine richtige Gasglocke um das Schweissbad bildet», ergänzt Brüllhardt.
Beim Elektroden-Schweissen sind Winkel und Bewegung ähnlich, doch da kein Schutzgas eingesetzt wird, ist die Richtung weniger entscheidend. Wichtig ist, dass der Kontakt zwischen Elektrode und Werkstück zuerst hergestellt wird. «Schwierig ist beim Elektroden-Schweissen, dass man mit dem Stab nicht hängenbleibt, aber auch nicht zu weit entfernt ist», meint Brüllhardt. Zudem muss die Hand der abbrennenden Elektrode folgen, was mehr Konzentration erfordert.
Praxistipp: Beim Schweissen muss alles genau im Winkel stehen. Magnetische Winkelhalter helfen dabei. Das Werkstück vor dem Schweissen heften und darauf achten, dass es sich durch die Hitze nicht verzieht.



Nachbearbeitung und Rostschutz des Werkstücks
Wurde das Wunder vollbracht und zwei Stahlteile sind nun eines, muss das Werkstück nachbearbeitet werden.
Beim MAG-Schweissen ist die Reinigung vergleichsweise einfach, da keine Schlacke zu entfernen ist.
Beim Elektroden-Schweissen entsteht Schlacke aus der Ummantelung der Elektrode. Sie schützt das Metall und verbessert die Struktur. Diese Schlacke muss entfernt werden. Anschliessend sollte die Oberfläche gründlich mit einer Drahtbürste gereinigt oder leicht angeschliffen werden. Zum Schutz vor Rost kann das Werkstück danach mit Rostschutzfarbe behandelt werden.
Praxistipp: Bei verzinkten Metallteilen kann das gereinigte und noch warme Werkstück mit Zinkspray behandelt werden, um die Schutzschicht wiederherzustellen. Bei Rahmen oder Verkleidungsteilen kann das Zinkspray auch als «Grundierung» dienen, bevor die Endlackierung aufgetragen wird. Normale Sprayfarben bieten in der Regel keinen dauerhaften Rostschutz.
Kleine Reparaturen selbst erledigen, grosse den Profis überlassen
Rafael Bächler rät dringend davon ab, Reparaturen an tragenden Bauteilen oder sicherheitsrelevanten Stellen selbst durchzuführen. Ein gutes Beispiel ist ein tragendes Teil eines Anhängers: «Hier wirken enorme Kräfte, und eine unsachgemässe Reparatur kann im Strassenverkehr schnell zu einem Versicherungsfall werden.»

Für kleinere Arbeiten hingegen ist es in der Regel nicht nötig, sofort den Profi zu holen. «Wenn man über das nötige Geschick verfügt, kann man sich hingegen gerne mal an kleinere Arbeiten heranwagen», fügt Bächler hinzu.
Wenn Zweifel bestehen, empfiehlt Bächler, den Landmaschinenmechaniker des Vertrauens zu kontaktieren. So lässt sich klären, ob die Reparatur selbst möglich ist oder professionelle Unterstützung nötig ist. Auf diese Weise bleibt nicht nur die Sicherheit im Strassenverkehr gewährleistet, sondern auch die Langlebigkeit der Maschinen erhalten.

