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Der Maschinenpark im Wandel der Zeit

Landmaschinen werden grösser, digitaler und leistungsfähiger. Für Landwirt und Lohnunternehmer Heinz Keller aus dem thurgauischen Rothenhausen müssen technische Fortschritte bei einer Neumaschine einen unmittelbaren Nutzen bei der Anwendung bringen.

Kurz & bündig

-Landwirt und Lohnunternehmer Heinz Keller aus Rothenhausen TG setzt auf moderne Landtechnik -Er nutzt Assistenzsysteme, will die Maschinen bei einem Ausfall jedoch auch manuell bedienen. -Beim Maschinen-Neukauf werden mögliche Technologieschritte abgewägt.

Das Rad kann man nicht mehr neu erfinden», ist Landwirt und Lohnunternehmer Heinz Keller aus dem thurgauischen Rothenhausen bei Weinfelden überzeugt. «Ich glaube, die grossen Entwicklungen sind gemacht, weshalb Weiterentwicklungen bei Landmaschinen vor allem im digitalen Bereich stattfinden.»

Die Einführung der stufenlosen Fahrantriebe in den vergangenen zwei Jahrzehnten sieht er als letzten grossen Meilenstein im Traktoren-Bau. Hier befindet sich sein Fuhrpark mit Fendt Vario-Traktoren auf dem neuesten Stand. GPS und Isobus gehört in seinem Maschinenpark zum Standard. Beide Technologien bringen ihm in der Praxis grossen Nutzen.

Seither sind die Entwicklungen vor allem im digitalen Bereich vorangeschritten. Das hat natürlich auch geholfen, die Stufenlos-Technologie beim Fahrantrieb immer weiter zu optimieren und beispielsweise die Regelung des Zusammenspieles des Getriebes mit dem Motor zu perfektionieren. Als Fendt-Fahrer hat Keller jedoch Interesse am Antriebskonzept mit dem variablen Allradantrieb. «Hier erhoffe ich mir vor allem beim Mähen mit der Mähkombination eine bessere Schonung der Grasnarbe. Wenn sich das bewährt, würde ich bei einer Ersatzinvestition möglicherweise in diesen technischen Fortschritt investieren.»

Der Maschinenpark wird zum Datensammler

Viele neue Entwicklungen in der Landtechnik finden sich vor allem im digitalen Bereich für die Gerätesteuerung und die Datenerhebung. Das sind Fortschritte, die man nicht von aussen an einer neuen Kabine oder anderen Motorhaube erkennt. Dabei werden beispielsweise Ertragsdaten erfasst, womit für eine Parzelle eine geospezifische Ertragskarte generiert werden könnte.

Hier bieten sich viele Möglichkeiten an für die weitere ackerbauliche Nutzung, wenn die Ertragszonen abgebildet werden und das Produktionsziel nicht mehr auf das Potenzial der gesamten Parzelle, sondern Teilflächenspezifisch umgesetzt wird. Das Ziel ist eine besseren Ausnutzung der eingesetzten Hilfsstoffe.

Dazu muss der Maschinenpark entsprechend ausgerüstet sein. Die Maschinen müssen die Ausbringmengen teilflächenspezifisch regeln. Hier ist noch längst nicht alles so weit automatisiert, dass eine Ausbringkarte von selbst erstellt wird. Im Büro können weitere Daten, wie beispielsweise von Bodenproben, Nährstoffversorgung etc., beigefügt werden.

Die teilflächenspezifische Bewirtschaftung ermöglicht wie erwähnt eine gezieltere Nutzung der eingesetzten Mittel. Die Einsparungen sind noch zu gering, damit sich dies in der kleinstrukturierten Schweiz momentan wirtschaftlich lohnen würde.

Die Entwicklung geht jedoch weiter und die Handhabung dürfte auch noch einfacher werden und in der Praxis immer mehr eingesetzt werden.

Hier zeigt es sich, dass Maschinen heute nicht nur ihre Kernarbeit erledigen (zum Beispiel Mais hacken), sondern als Computer Daten für das Betriebsmanagement generieren. Solche Entwicklungsschritte sind im Maschinenpark weit weniger ersichtlich als ein stufenloses Getriebe beim Traktor.

Den Anschluss an dieTechnologie nicht verpassen

«Die Datentechnologie hat für mich momentan einen geringeren Stellenwert. Ich setze auf technische Fortschritte, die einen sofortigen Nutzen bringen. Das ist beispielsweise die Spurführung oder die Reifendruckregelanlage. In meinem Maschinenpark achte ich derzeit auf diese Bereiche, da sie auch von der Kundschaft geschätzt werden», sagt Heinz Keller.

Er hat gemerkt, dass die Zeit noch nicht reif ist für die teilflächenspezifische Bewirtschaftung. Deshalb verwendet er die Daten nicht weiter. Seine Traktoren mit GPS und Isobus-Terminal wären dazu zwar in der Lage, die Anbaugeräte allerdings noch nicht.

Bei Ersatzinvestitionen wird dies jedoch geprüft. Das sind immer Momente, in denen über einen Technologieschritt entschieden wird. «Da muss man sehr gute Entscheide fällen, denn in der Schweiz ist die Auslastung von Landmaschinen im Vergleich zum Ausland geringer und die Laufzeit der Maschinen entsprechend länger. Wegen der langen Wechselintervalle muss man schon aufpassen, dass man den Anschluss an die Technologie nicht verliert.»

Maschinenkauf und Technologieschritt

Wer eine Maschine ersetzt, muss sich die Frage stellen, ob sie zum bestehenden Maschinenpark passt. Ein neues Anbaugerät muss zum Traktor passen und umgekehrt. In jüngster Vergangenheit konnte man bei einem Maschinen- oder Fahrzeugwechsel die neuen gesetz-lichen Anforderungen der Zweileiterbremsvorschriften erfüllen. So ist es möglich, Schritt für Schritt die Fahrzeuge und Arbeitsmaschinen auf ein einheitliches System zu bringen. Meistens war dies das Druckluftsystem. Dieser Vorgang ist in der Landwirtschaft jedoch noch nicht abgeschlossen. Es braucht weiterhin kompatible Varianten von Alt und Neu, da die Laufzeit von Landmaschinen zum Teil Jahrzehnte beträgt. Deshalb stellt sich beim Maschinen-kauf stärker denn je die Frage, ob mit einem Ersatz auch ein Technologie-Schritt gegangen werden soll. Bei einem Traktoren-Kauf stellt sich vor allem die Frage der Leistung. Man kaufte meist ein immer etwas grösseres Modell. Soviel PS wie heute gab es auf Schweizer Landwirtschafts-Betrieben noch nie. Nun stellt sich die Frage, ob ein Traktor mit einem Traktor ersetzt werden soll – oder vielleicht mit einem Feldroboter? Das wäre ein gewaltiger Technologie-Schritt, utopisch ist er allerdings nicht. Immer mehr Hersteller haben Feldroboter am Start. Beim Agxeed können beispielsweise konventionelle Anbaugeräte genutzt werden. Der Schritt ist nicht mehr so gross. Wer in seinem Maschinenpark Investitionen plant, muss sich die Technologiefrage mehr denn je stellen.

Maschinenpark unterscheidet sich bei der Software

Ein bewusster Entscheid von Heinz Keller war bisher der Verzicht auf die Isobus-Funktion TIM, mit der das Anbaugerät den Traktor steuert. Die Vorrichtung hat er, aber die Software ist nicht aktiviert.

Die Funktion steuert den Traktor. Bei der Rundballenpresse würde der Traktor automatisch angehalten, wenn die Balle fertig gerollt ist und die Bindung einsetzt. Der Fahrer müsste nicht mehr selber eingreifen und müsste nur noch überwachen.

Auf einigen flachen Parzellen könnte Heinz Keller die Funktion nutzen. Bei vielen Parzellen wäre ihm das Risiko zu hoch, dass die Balle bei Hanglage davon rollt.

Die Isobus-Funktion TIM zeigt, dass die Ausstattung des Maschinenparks manchmal nur von der Software abhängig ist.

Agrarpolitik beeinflusst den Maschinenpark

Ein Maschinenpark kann sich auch «zurückentwickeln». Vor rund vier Jahren reaktivierte Heinz Keller ein vorhandenes Hackgerät. Die Agrarpolitik hat ihn dazu bewogen, die Unkrautbekämpfung bei Mais bei geeigneten Parzellen auf seinem eigenen Betrieb mechanisch durchzuführen. Dabei investierte er in einen Fendt-Geräteträger und baute das Hackgerät für den Zwischenachsanbau um.

«Mit dem Fendt GT habe ich die perfekte Übersicht über das Gerät und kann dieses im Einmann-Verfahren bedienen. Hier kommt mir auch das GPS zugute. Wenn ich die Spurdaten des Sätraktors auf den Hacktraktor speise, fährt er präzis, ich muss nur noch kontrollieren.»

Den Fendt GT hat er ebenfalls mit GPS ausgerüstet. Ursprünglich war das sechsreihige Hackgerät für den Heckanbau konstruiert worden und wurde von einer zweiten Person auf dem Gerät gelenkt.

«Ich kann nicht wegen der Agrarpolitik alle vier Jahre den Maschinenpark auswechseln. Deshalb versuche ich neue Verfahren mit bestehenden Maschinen umzusetzen.»

Heinz Keller will nicht von Smart Farming abhängig sein

«Dank GPS konnte ich auch das mechanische Hacken modernisieren. Das sehe ich auch wie einen Entwicklungsschritt im Maschinenpark, obschon es sich um ein älteres Gerät handelt. Mit dem Fendt GT kann ich aber auch rein manuell hacken.»

«Sollte die GPS-Technik einmal ausfallen, würde ich nicht stillstehen. Für mich ist es wichtig, dass ich bei allen Arbeiten, die ich mit Assistentsystemen ausführe, die Möglichkeit habe, diese auch manuell zu steuern und die Arbeit zu erledigen. Ich will das Ganze immer noch selbst in der Hand haben, wenn die Technik aus irgendeinem Grund einmal gerade nicht funktionieren sollte.»

Im Lohnunternehmen nutzt Heinz Keller die Software von Agrarmonitor. Das macht den Maishäcksler zwar nicht stärker, dafür kann er ihn gezielter Nutzen.

Der Häckslerfahrer sieht unter anderem auf dem Portal, wann das nächste Abfuhrfahrzeug eintrifft und kann entscheiden, ob es sich lohnt, die Maschine abzustellen oder nicht.

Der Maschinenpark hat sich gegenüber früher, als vor allem die Leistung zählte, schon verändert. Allerdings sieht Heinz Keller Grenzen, wenn Erntemaschinen viele Daten sammeln. Der Kunde interessiert es in der Regel nicht, wie viel Diesel der Lohnunternehmer für einen Auftrag verbrauchte und diese effektive Menge verrechnet.

Den meisten Landwirten sei nach wie vor der Tarif pro Hektare am liebsten, stellt Heinz Keller fest. Ebenso sei eine Ertragskartierung für die meisten Landwirte kaum von grossem Interesse. Ganz im Gegensatz zum Gewicht und zur Trockensubstanz beim Häckseln. «Dort erwarten die Kunden meistens gespannt die Zahlen», sagt Heinz Keller.

Betriebsspiegel Heinz Keller

Heinz Keller, Rothenhausen TG LN: 41 ha Kulturen: Weizen, Sonnenblumen, Mais, Konservenerbsen, Raps, Luzerne, Kunstwiese und Naturwiesen Tierbestand: 55 bis 65 Milchkühe, 30 bis 40 Mastrinder Weitere Betriebszweige:Lohnunternehmen Arbeitskräfte: Betriebsleiter, 1 Festangestellter im Landwirtschaftsbetrieb, mehrere Aushilfen im Lohnunternehmen