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Bitte nicht füttern! – Warntafeln retten Schafen und Ziegen das Leben

In Biberen BE starben vier Schafe, weil Spaziergänger ihnen Brot gefüttert haben. Doch ist Brot wirklich schädlich für Schafe? Kleinwiederkäuerexpertin Martina Häfliger gibt Auskunft und rät Tierhaltern, Warntafeln anzubringen.

Leider passiert es immer wieder, dass Schafe verendet, weil ihnen jemand Brot gefüttert hat. Gerade vorletzte Woche berichtete die Nachrichtenseite «20 Minuten» von einem Fall im bernischen Biberen. Doch was ist wirklich passiert, ist Brot für Schafe ungesund und was können Tierhalter gegen solche Fälle tun?

Nicht geschimmelt

Die Besitzer der Tiere interessierten sich für den plötzlichen Tod ihrer Tiere und schnitten ihnen den Magen auf. Wie sich herausstellte, waren die Mägen übervoll mit Brot. Die Landwirte sind verärgert, sie haben das Brot nämlich nicht selber an die Schafe verfüttert. «Spaziergänger müssen hier während der letzten Tage altes Brot vorbeigebracht haben», vermutet einer der Schäfer gegenüber «20 Minuten».

Martina Häfliger, Tierhaltungslehrerin und Beraterin für Kleinwiederkäuer am Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg, erklärt: «Brot ist für Schafe nicht per se giftig, Schafhalter verwenden es auch oft als Lockfutter». Jedoch müsse man gut darauf achten, dass das Brot nicht schimmlig ist.

Kraftfutterregeln beachten

Ebenfalls soll man, wie Martina Häfliger sagt, beim Verfüttern von Brot die Kraftfutterregeln beachten. Ausserdem ist bei der Fütterung auf genügend Struktur in der Ration zu achten, und dass Kraftfutter sowie Brot erst nach dem Heu verfüttert werden.

Das wichtigste beim Verfüttern von Brot sei jedoch die Dosierung. «Dabei soll man nicht mehr geben, als man Kraftfutter geben würde», erklärt Häfliger. Keinesfalls sollte man mehr als 200 bis 300 Gramm auf einmal verfüttern. Sonst führt dies zu einer Pansenübersäuerung. Das Brot ist voller schnellverdaulicher Stärke und Zucker. Dadurch werden die säurebildenden Mikroben im Pansen gefördert, nämlich die Milchsäurebakterien und die Buttersäurebakterien. Diese verdrängen die guten Essigsäurebakterien, was dazu führt, dass der pH im Pansen sinkt.

«Da die Schafe sehr viel Brot auf einmal fressen können, stellt sich bei ihnen auch kein Sättigungsgefühl ein, oder eben erst zu spät», sagt Häfliger. Auch beim vorliegenden Fall in Biberen muss es so abgelaufen sein. Nur ein paar wenige der mehreren hundert Schafe auf der Weide haben viel Brot erwischt und sind daran gestorben.

Für den Schafhalter ist laut dem Bericht ein Schaden von etwa 1000 Franken entstanden. Sie haben die Schafe inzwischen auf eine andere Weide gezügelt, wo weniger Spaziergänger vorbeikommen. Ausserdem fordern sie in «20 Minuten» die Bevölkerung auf, auf das Füttern fremder Tiere zu verzichten.



Verbotsschilder aufhängen

Doch oft ist es nicht möglich, seine Tiere auf eine weniger zugängliche Weide zu bringen. Was tut man dann? «Ich würde den Landwirten raten, Warnschilder an den Zaun zu hängen, oder gar Informationstafeln neben die Weide zu stellen», sagt Martina Häfliger. Viele Leute hätten nur wenig oder gar keine Kenntnisse über Schafe und wie man sie füttern sollte.

Man könnte zusätzlich seine Telefonnummer dazu schreiben oder anmerken, dass die Leute trockenes Brot auf dem Betrieb abgeben könnten. «So kann der Landwirt selber entscheiden, wie viel Brot er seinen Tieren geben will», sagt die Fachfrau. Fertige «Nicht-füttern»-Schilder gibts zum Beispiel auch bei Hauptner. Ob die Fussgänger so auf das Füttern der Tiere verzichten, ist nicht garantiert. Man muss auf gesunden Menschenverstand hoffen.

Gilt auch für andere Tiere

Brot kann nicht nur bei Schafen grössere gesundheitliche Probleme verursachen oder gar zum Tod führen. Pferdehalterinnen ist dieses Problem schon lange bekannt. Pferde haben ein sehr sensibles Verdauungssystem und können durch Brot, weil es stark kleberhaltig ist, schnell Koliken haben. Tierärzte raten deshalb teilweise, komplett auf das Verfüttern von Brot an Pferde zu verzichten. Für Pferdehalter sind im Handel eine Vielzahl von Verbots-Tafeln zu finden. Diese sollte man im Idealfall nicht nur am Stall, sondern auch am Weidezaun anbringen.

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