Was aufwändig klingt, ist günstiger: Werden Grassiloballen auf dem Hof mit einer stationären Presse hergestellt und gewickelt – wie Maisballen – sind die Kosten trotz des zusätzlichen Feldhäcksler-Einsatzes günstiger als bei der Siloballen-Herstellung auf dem Feld. Dazu braucht es jedoch eine gewisse Auslastung. Wegen zwei, drei Ballen lohnt es sich nicht, die Maschinerie einzurichten.
Da bleibt die Press-Wickel-Kombination die erste Wahl. Günstiger ist das Verfahren mit dem Feldhäcksler erst bei vielen Ballen. Deshalb bringt das Verfahren vor allem beim Heuschnitt den grössten Nutzen, wo eine hohe Futtermenge anfällt.
Zu diesem Ergebnis kommt Lohnunternehmer Roland Furter aus Staufen AG. Er hat sich auf die Futterkonservierung spezialisiert und kennt beide Verfahren; also das Pressen auf dem Feld wie auch jenes auf dem Hof. Sein Maschinenpark ist mit einer Silierkette mit zwei Feldhäckslern ausgerüstet, aber auch mit einer Rundballen Press-Wickel-Kombination.
Wenn Furter Häcksler-Ballen herstellt, macht er dies zusammen mit Fabian Ulmann aus Thalheim AG. Der ist ebenfalls Lohnunternehmer und Milchviehhalter und hat die entsprechende stationäre Presse. Diese kommt zusätzlich zur Produktion von Maissiloballen zum Einsatz.

Die Futterqualität steht bei Roland Furter an erster Stelle
Roland Furter geht es bei den Raufutter-Konservierungsverfahren nicht nur um die Kosten, für ihn steht die Futterqualität an erster Stelle. Dies sagt er nicht nur als Lohnunternehmer, sondern auch als Milchproduzent. Er hält 60 Milchkühe mit einem Stalldurchschnitt von 9500 Kilogramm. Dabei verfüttert er ganzjährig Silage.
Den grössten Teil des Futters lagert er in Hochsilos. Daneben produziert Furter jedoch auch Häcksler-Ballen für den eigenen Betrieb: «Betriebseignes Raufutter wird in der Milchproduktion immer wichtiger. Der Einsatz von Kraftfutter wird eingeschränkt, beispielsweise durch Labels.»
Zudem sei Kraftfutter ein hoher Kostenfaktor. «Hier lassen sich die Kosten senken, wenn in das eigene Grundfutter investiert wird», ist Furter überzeugt. Es geht also um die Qualität des eigenen Grundfutters, um die Tiergesundheit und um die Milchleistung. Hier müssen die Kosten und Erträge in einem Verhältnis stehen, welche eine rentable Produktion erlauben.
«Die Entwicklung geht immer weiter und man muss Neues wagen. Zum Beispiel mit dem Anbau von Luzerne, weil es so in den letzten Jahren sehr trocken war. Luzerne hält Trockenheit aus und sichert den Futterertrag», so Furter.
Luzerne ist jedoch nicht einfach in Ballen zu silieren, weil die groben Stängel die Folie verletzen. Furter und Ulmann fanden die Lösung des Problems, indem sie Luzerne häckseln: Dann sind die Stängel kürzer als beim Pressen und stechen weniger.

Das Häcksel-Press-Verfahren bewährte sich bei Luzerne
Der Anbau von Luzerne in Reinkultur hat sich dank dem neuen Konservierungsverfahren bewährt. Nebst den siliertechnischen Vorteilen wird das Futter auch besser gefressen. Die Kühe sortieren die Stängel nicht mehr aus, fressen auch diese Pflanzenteile und nicht mehr nur die zarten Blätter.
Da Luzerne oft als ergänzendes Eiweissfutter eingesetzt wird, sind die Entnahmemengen eher gering. Deshalb kann das Futter im Hoch- oder Fahrsilo durch eine Nacherwärmung Schaden nehmen. Siloballen haben dieses Problem gelöst.

Wie eine Kostenberechnung zeigte, kam das Verfahren erstaunlicherweise nicht teurer zu stehen, als jenes mit der Press-Wickel-Kombination auf dem Feld. Noch nicht berücksichtigt sind die Futterverluste durch kaputte Folie. Dies führte dazu, dass Roland Furter und Fabian Ulmann nun seit einigen Jahren nicht mehr nur Luzerne, sondern auch Grassilage häckseln und stationär pressen.

Hohe Qualität belohnt den logistischen Mehraufwand
Wird eine stationäre Presse eingerichtet und ein Häcksler samt mehrerer Abfuhrwagen bereitgestellt, ist dies eine ungleich grössere logistische Herausforderung, als die Feldpresse mit Wickler, welche im Ein-Mann-Verfahren bedient wird. Deshalb wird dies immer die günstigere Lösung sein, wenn nur wenige Ballen gemacht werden. Je mehr Ballen auf einmal produziert werden können, desto günstiger wird das Verfahren mit dem Häcksler. Aber das gilt natürlich auch für alle anderen Verfahren.
Bei der Häcksel-Gras-Ballen-Produktion gehen Furter und Ulmann gemeinsam vor. Der eine häckselt das Gras und der andere presst es in Ballen. Dabei kann der Landwirt selber so viel mithelfen, wie er kann oder will. Sei es beim Abtransport des Häckselguts oder beim Aufschichten der Ballen, wobei dies besser dem Profi überlassen wird. Fabian Ulmann tischt die Ballen schneller, exakter und schonender aufeinander als die meisten Landwirte, weil er mehr Übung darin hat.
Die Häckselballen wiegen bis zu 1100 Kilogramm. Die stationäre Presse verdichtet das gehäckselte Gras eher fester als die Feldpresse, auch wenn das Gras geschnitten wird. Somit kann auch mit einem höheren TS-Gehalt sicher konserviert werden.
Die höhere Verdichtung sichert auch die Qualität, wenn der Ballen verletzt wird, zum Beispiel beim Aufschichten oder wenn eine Krähe pickt. Eindringende Luft kann sich nur wenig ausbreiten. Furter und Ulmann bezeichnen ihr Verfahren auch als Veredelung von Raufutter, wo es darum geht, beste Futterbestände sicher zu konservieren und Voraussetzungen für einen hohen Futterverzehr zu legen.
Füttern mit der Schaufel erleichtert die Arbeit
Die beiden Lohnunternehmer sehen ihr Verfahren vor allem dort, wo die Futterqualität einen hohen Stellenwert hat. Also bei Landwirten, die bewusst eine etwas höhere Schnitthöhe wählen und Kreisler und Schwader gezielt einstellen, um Futterverschmutzungen zu vermeiden oder zumindest zu reduzieren. Wem die Futterqualität egal ist, erkennt vermutlich auch den Nutzen des Verfahrens nicht. Durch den kurzen Schnitt wird auch kein Futter aussortiert.
Die Häcksel-Ballen lassen sich mit einer Schaufel verfüttern wie Maissilage. Dies erleichtert die Handhabung im Futtertenn enorm und führte dazu, dass auch kleinere Betriebe mit einer minimalen Mechanisierung das Verfahren wählen. Ein Heckgerät an einem Traktor reicht aus, um die Ballen ins Futtertenn zu stellen. Es wird kein Auflösegerät oder Mischwagen benötigt, um Ballen aufzulösen. «Betriebe, die ihre Zukunft noch nicht geregelt haben und deshalb nicht investieren, können so in älteren Stallungen Siloballen verfüttern.»

