Zeit zum Säen

Selber Sämlinge gross zu ziehen kann viel Freude machen. Nebst genügend Zeit braucht es dazu auch einige Fachkenntnisse.

Bevor mit dem Aussäen begonnen wird, gilt es ein paar grundsätzliche Überlegungen anzustellen. Habe ich den benötigten Platz, um Sämlinge selber gross zu ziehen? Habe ich genügend Zeit, um mich um Aussaaten und Jungpflanzen zu kümmern? Ein weiterer Punkt stellen die Gefässe und Materialien und natürlich das Saatgut dar, die unter Umständen angeschafft werden müssen. Im Handel sind eine Vielzahl an Aussaatmaterialien wie Schalen, Boxen, Kleingewächshäuser usw. erhältlich. Aber auch einfache Gefässe wie Töpfe, Kisten, Jogurtbecher oder Eierkartons leisten hierfür nützliche Hilfe.


Ist die Planung abgeschlossen, kann das Saatgut eingekauft werden. Besonders beim Gemüse ist die richtige Sortenwahl entscheidend. Frühlingssorten sind eigens dafür gezüchtet, mit den oft stark schwankenden Tag-Nacht-Temperaturen zurechtzukommen.

Eine zu dichte Aussaat verhindern

Für die Aussaat ist eine Aussaaterde zu bevorzugen. Diese ist speziell nährstoffarm, damit die Keimlinge nicht an Überdüngung verbrennen. Die Erde sollte gut feucht sein. Die unterste Schicht bei der Gefässaussaat besteht aus einer 1 bis 2 cm hohen Drainagenschicht. Anschliessend wird das Gefäss bis zirka 2 cm unter den Rand mit Aussaaterde aufgefüllt. Die oberste Schicht ausebnen und leicht flach drücken. Nun den Samen möglichst gleichmässig verteilen. Feines Saatgut kann vor dem Aussäen mit Sand vermengt werden. Dadurch wird eine zu dichte Saat verhindert. Dichte Aussaaten faulen leicht.

Das Saatgut leicht andrücken. Zum Schluss wird Aussaaterde in ein Sieb gefüllt und die Samen damit 1 bis 2 mal Samendicke hoch zugedeckt. Was im Sieb zurück bleibt, kann als Drainage im nächsten Aussaatgefäss verwendet werden. Die Aussaat anschreiben, wässern und an einem hellen Ort bei 15 bis 20 C aufstellen. Ideal sind Frühbeetkästen, Saatschränke oder kleine Gewächshäuser. Regelmässig feucht halten.

Eingekürzte Wurzeln 
verzweigen sich


Nach 10 bis 20 Tagen müssen die Sämlinge vereinzelt werden. Dafür werden sie mit Hilfe eines Pikierholzes oder Ähnlichem (z.B. Stricknadel) vorsichtig von der Wurzel her angehoben. Die oft sehr langen Wurzeln lassen sich problemlos mit den Fingernägeln einkürzen. Dieses Einkürzen bewirkt ein verzweigen des Wurzelwerks und ist förderlich für das gesamte Wachstum.


Nun werden die Pflänzchen auf Abstand in eine Schale, z.B. Multitopfplatte oder ähnliches, pikiert. Dafür sticht man mit dem Pikierholz ein Loch, das unwesentlich grösser ist als die Wurzel, und stellt den Sämling hinein, drückt das Loch etwas zu und wässert anschliessend die frisch vereinzelten Keimlinge gut durch. Die pikierten Pflanzen werden hell, bei guter Luftfeuchtigkeit und zirka 12 bis 15 C aufgestellt. Auch hierfür eignen sich Stellplätze wie oben beschrieben.


Ab Anfang bis Mitte Mai lassen sich so angezogene Setzlinge nach einer Abhärtungsphase (einige Tage aufstellen an geschütztem Ort im Freien) auspflanzen.

Eine grosse Arbeitsersparnis stellt die Direktaussaat in Töpfe dar. Gut geeignet dafür sind Pflanzen mit grossen Samen wie Zucchetti, Tomaten, Gurken usw. Um Überschüsse zu vermeiden und Erntelücken vorzubeugen, empfiehlt es sich, Kulturen wie Salat, Kohlrabi, Fenchel usw. in Sätzen zu produzieren.


Die Saaten regelmässig feucht halten


Diverse Kulturen lassen sich direkt ins Beet aussäen. Die gut vorbereiteten Beete werden dazu in Reihen eingeteilt. Dafür wird mit dem Kräuelstiel oder Ähnlichem eine 2 bis 3 cm tiefe Rille gezogen und das Saatgut möglichst locker eingestreut. Grobes Saatgut wie Erbsen oder Bohnen können einzeln abgelegt werden. Die Rille mit dem Samen gut wässern und den Graben schliessen. Regelmässig feucht halten, bis die Sämlinge erstarkt sind.

Kulturen wie Rüebli, Schwarzwurzeln, Chicorée usw. müssen für eine gute Entwicklung ausgedünnt werden. Saatbänder können hier eine grosse Arbeitserleichterung darstellen, bleibt doch das lästige Ausdünnen weg. Bei Saatbändern ist wichtig, dass diese von Anfang an bis zum Schluss gut feucht gehalten werden, sonst fällt die Keimung nicht zufriedenstellend aus.

Carole Kündig, Gärtnermeisterin, BZ Wallierhof SO