Träumen ist menschlich, und träumen ist erlaubt. Zum Beispiel davon, dass man Garten- und Küchenabfälle einfach sammeln und mit einem Kompostierhilfsmittel überstreuen müsse, um dann – Hokuspokus – eine Komposterde zu erhalten, die nach Walderde riecht und den Düngewert von Rindergülle hat. Doch dieser Traum sieht in der Realität ein bisschen anders aus. Auch die besten Kompostierhilfsmittel nützen wenig bis nichts, wenn die Grundsätze der Kompostierung missachtet werden.
Mikroorganismen brauchen Luft zum Atmen
Grundsätzlich kann man bei Kompoststartern, Kompostblitzen, Kompostierhilfen und wie diese Hilfsstoffe auch genannt werden drei Arten unterscheiden: Die einen enthalten Mikroorganismen, die anderen Dünger und die dritten beides.
Mikroorganismen sind die eigentlichen Kompostproduzenten. Sie zersetzen die kompostierbaren Abfälle und verarbeiten die Einzelteile dann zu wertvollen Humusverbindungen. Ohne Mikroorganismen geht nichts. Allerdings haben sie auch Ansprüche an ihren Lebensraum: Sie brauchen erstens Luft zum Atmen – die in einem zusammengepappten Fäulnishaufen fehlt. In einen solchen kann man noch so viele Mikroorganismen darüberstreuen, die Rotte wird nicht in Gang kommen.
Zweitens brauchen die Mikroorganismen Nahrung. An knochendürren Äste beissen sie sich die Zähne aus bzw. versuchen das erst gar nicht. Eine ideale Kompostiermischung enthält nährstoffreiche Elemente wie z. . frische Garten- und Küchenabfälle und holzige Bestandteile wie Häcksel, die Luft in die Mischung bringen. Bei einer solchen Mischung stellen sich die Mikroorganismen von selbst ein. Sie sind überall in der Natur
vorhanden und vermehren sich explosionsartig, wenn die Lebensbedingungen stimmen.
Rahmenbedingungen müssen stimmen
Bei den Düngerzusätzen ist es ähnlich: Man kann sie zwar
verwenden, um nährstoffarme Kompostmaterialien auszugleichen. Aber man kann noch so viel Dünger über den Komposthaufen kippen – wenn der Kompost ungeschützt im Freien lagert, werden diese Nährstoffe ausgewaschen. Dann landet vor allem das im Grundwasser, was man im Garten tendenziell zu wenig hat: Stickstoff und Kali. Während die Nährstoffe im Kompost bleiben, die in den meisten Gärten im Überfluss vorhanden sind: Phosphor und Kalk.
Düngerzusätze können zwar helfen, das Nahrungsangebot für die Mikroorganismen (siehe oben) attraktiver zu gestalten. Vor allem wenn es sich bei der zu kompostierenden Ware um alte, lange gelagerte und folglich nährstoffarme Abfälle handelt. Aber wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen, fressen die Mikroorganismen zwar den Düngerzusatz – nicht jedoch das, was auf dem Haufen lagert.
Ähnliches gilt für die dritte Kategorie der Kompostierhilfsmittel: Diejenigen, die sowohl Dünger als auch Mikroorganismen enthalten. Sie wirken sicher – aber selten so, wie man das erhofft.
Wenns dumm geht, stürzen sich die Mikroorganismen nur auf die Nährstoffe im Dünger und knabbern alle anderen, wenig attraktiven Abfälle höchstens im Vorbeigehen an. Dabei gibt es durchaus ein paar Zusätze, die das Ergebnis einer ohnehin gut verlaufenden Kompostierung noch optimieren können. Dazu gehören z. . die Steinmehle: Sie tragen zur Bildung der wichtigen Ton-Humus-Komplexe bei. Und Steinmehle können bis zu einem gewissen Mass unangenehme Gerüche binden, wenn man den Kompost damit überpudert. Fein gemahlenes Urgesteinsmehl erfüllt diese Aufgabe am besten.
Kräuter fördern den Rotteprozess
Auch Kräuter können positiv zum Rotteprozess beitragen. Löwenzahn, Schafgarbe, Brennnessel, Eichenrinde, Kamille und Baldrian werden im biodynamischen Landbau zur Aktivierung des Mistes eingesetzt und regen auch den Kompost im Hausgarten an.
Doch letzten Endes führt kein Weg an einer sachgerechten Kompostierung vorbei.
Sachgerecht bedeutet, dass die Abfälle höchstens ein halbes Jahr lang gesammelt und vor Regen geschützt und luftig gelagert werden. Anschliessend sollten sie in einer optimalen Mischung aufgesetzt und später noch mehrmals belüftet, sprich umgesetzt werden.
Um guten Kompost herzustellen, muss man nicht zwingend Zutaten kaufen. Das, was man im Garten vorfindet, reicht (fast) immer aus. Wenn zusätzliche Mikroorganismen darüber gestreut oder Dünger zugesetzt wird, schadet es zwar nicht. Aber nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wird aus einem Kompost ein wertvoller Dünger.
Eveline Dudda

