Von «Early Morning Starter» und Morgenmuffeln

Daniel Weber sinniert in seiner Kolumne über die morgendlichen Rituale und die Entwicklung vom Siebenschläfer zum Frühaufsteher.

Ich weiss nicht, woran es liegt, aber mit zunehmendem Alter kommen neue Gewohnheiten in unser Leben. In meinem Fall ist es das «Early Morning Starter»-Syndrom.

Man bekommt ein «Verlierer»-Gefühl

Als «Early Morning Starter» bezeichnet man Mitmenschen, die am Morgen sehr früh aufstehen. Einerseits, um den Tag sehr entspannt anzugehen. Mit Ritualen, die an einen Zen-Meister erinnern. Andererseits, um dem Gedränge auf Strasse oder Schiene zu entgehen. Oft sind es auch dieselben Arbeitskollegen, die schon am Arbeitsplatz sind, wenn andere noch versuchen, auf der Bettkante Körper und Geist in Einklang zu bringen.

Es sind diese Arbeitskollegen, die dir mit ihrer guten und aufgeräumten Stimmung bei deinem späteren Eintreffen am Arbeitsplatz dieses «Verlierer»-Gefühl geben. In meinen Flegeljahren habe ich mich über diese «Gutmenschen» geärgert. Auf dem letzten Zacken bin ich damals aus dem Bett gefallen, zwischen Bettwärme und Stallwärme keine drei Minuten.

Ein Küchentisch, zwei Welten

An unserem morgendlichen Küchentisch erlebe ich heute beide Seiten, wenn ich mit meiner aufgeräumten Stimmung und anderthalb Stunden Vorsprung auf unsere vier pubertierenden Jungs stosse. Es treffen zwei Welten zusammen und doch können wir viel voneinander profitieren. Ich von ihrer Gelassenheit, mit der sie in den Morgen starten. Ohne Gedanken, was der Tag noch bringen wird. Und meine Jungs von meinem zeitlichen Vorsprung.

Ich weiss nicht, weshalb man zum «Early Morning Starter» wird. Vielleicht gibt einem der zeitliche Vorsprung eine gewisse Sicherheit. Oder vielleicht hat es etwas Meditatives, still und aufgeräumt den Tag zu beginnen. Und trotzdem freue ich mich über die Unbekümmertheit unserer Söhne.

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